Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser
Sie wurde aus der Not geboren – und ist heute ein Symbol für Zusammenhalt und gelebte Gemeinschaft: Die Lukaskirche im Wormser Nordend feierte in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Die evangelische Gemeinde blickte dabei nicht nur auf den Bau und die Geschichte ihres Gotteshauses zurück, sondern feierte vor allem die Menschen, die über Jahrzehnte das Leben in der Gemeinde geprägt haben.
Errichtet wurde die Lukaskirche 1950 nach einem Konzept des bekannten Architekten Dr. Dr. Otto Bartning, der als Schöpfer der sogenannten „Notkirchen“ gilt. Diese Kirchen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg aus vorgefertigten Bauelementen – pragmatisch, funktional, aber voller Symbolkraft. Auch wenn sie aus der Not heraus geboren wurden, strahlen Bartnings Kirchen eine besondere Wärme und Geborgenheit aus – so auch die Lukaskirche mit ihrem hellen Holz, der klaren Struktur und dem sanften Licht, das durch die farbigen Fenster fällt.
Jubiläum mit Musik, Erinnerung und Emotion
Das Jubiläum wurde über mehrere Wochen gefeiert. Die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf hielt eine Predigt, in der sie die Bedeutung von Gemeinschaft und Glaube im Wandel der Zeit hervorhob.
Ein besonderes Highlight war der Konzertabend mit Joe Bennick, dem Urenkel Otto Bartnings. Mit eigenen Liedern und bewegenden Erzählungen erinnerte er an das Werk seines Urgroßvaters – und daran, dass Kirchen wie die Lukasgemeinde Orte der Hoffnung in Zeiten des Wiederaufbaus waren.
Ein besonderes Highlight war der Konzertabend mit Joe Bennick, dem Urenkel Otto Bartnings. Mit eigenen Liedern und bewegenden Erzählungen erinnerte er an das Werk seines Urgroßvaters – und daran, dass Kirchen wie die Lukasgemeinde Orte der Hoffnung in Zeiten des Wiederaufbaus waren.
Auch Dr. Irene Spille, die selbst in der Lukaskirche getauft wurde, widmete sich in einer kleinen Ausstellung der Entstehung des Gebäudes. Mit historischen Fotos und Dokumenten zeichnete sie nach, wie 1950 Gemeindemitglieder und Jugendgruppen eigenhändig die Fundamente aushoben – ein Sinnbild für das enorme Engagement der damaligen Zeit. Nur der Keller wurde mit maschineller Hilfe ausgehoben, alles andere war Handarbeit.
Von der Notkirche zum festen Ankerpunkt
Die Fertigstellung der Kirche erfolgte in mehreren Etappen: 1951 wurde der Turm errichtet, 1952 die Orgel eingeweiht. Besonders bemerkenswert ist die älteste der vier Glocken – gegossen 1655, überstand sie zwei Weltkriege und fand schließlich in Worms ein neues Zuhause.
1967 erhielt die Kirche ihre charakteristischen bunten Glasfenster, die seither das warme Lichtspiel im Innenraum prägen.
1967 erhielt die Kirche ihre charakteristischen bunten Glasfenster, die seither das warme Lichtspiel im Innenraum prägen.
Pfarrerin Dr. Erika Mohri erklärte in ihrer Predigt den Hintergrund des Namens: Der Evangelist Lukas sei ein Symbol für Fürsorge, Mitgefühl und den Glauben an soziale Gerechtigkeit – Themen, die bis heute den Charakter der Gemeinde prägen.
Gemeinschaft, die trägt
Bei der Jubiläumsfeier blickten viele Weggefährten auf frühere Zeiten zurück. Unter den Gästen waren unter anderem Dr. Michael Germer, Sohn des ersten Pfarrers Dr. Hanfried Germer, sowie Pfarrer i.R. Karlheinz Storch. Sie erinnerten sich an Zeiten mit vollen Kirchenbänken, großen Konfirmationsfeiern und das außergewöhnliche Engagement vieler Ehrenamtlicher.
„Gerade in schwierigen Zeiten sind Menschen bereit, füreinander einzustehen“, betonte Jens Hansen, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Evangelischen Gemeinde Worms-Innenstadt, zu der die Lukaskirche seit 2024 gehört.
Zum Abschluss nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, die kleine Ausstellung zu betrachten oder die Kirche aus einer anderen Perspektive zu erleben – von der Orgelempore bis hinauf zum Glockenstuhl.
Ein Ort, der bleibt
75 Jahre nach ihrer Einweihung ist die Lukaskirche weit mehr als ein Zeugnis der Nachkriegsarchitektur – sie ist ein Ort, der Menschen verbindet. Zwischen Geschichte, Glaube und Gemeinschaft bleibt sie ein fester Anker im Wormser Nordend – gebaut aus Holz, getragen von Herzen.
Text: SSP /Redaktion Die Knipser




























