Der dritte Kühlturm des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis ist gefallen: Mit dem kontrollierten Abriss rückt der vollständige Rückbau der Anlage ein Stück näher. Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser
Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis ist am Dienstag ein weiterer sichtbarer Teil der Anlage verschwunden: Der dritte von insgesamt vier Kühltürmen wurde erfolgreich zum Einsturz gebracht. Der kontrollierte Abriss markiert eine weitere wichtige Etappe im langjährigen Rückbauprozess, der seit mehreren Jahren die Region Südhessen prägt.
Der rund 80 Meter hohe Kühlturm des Blocks B stürzte am Nachmittag ein, nachdem seine Struktur zuvor gezielt geschwächt worden war. Das angewandte Verfahren entspricht dem Vorgehen, das bereits 2023 beim Abriss der beiden Kühltürme von Block A eingesetzt wurde. Tragende Elemente wurden zunächst fernbedient entfernt, bis der Turm mit einer mächtigen Staubwolke in sich zusammenfiel. Zurück bleiben rund 15.000 Tonnen Bauschutt, der laut Betreiber RWE nicht mit Radioaktivität in Berührung gekommen ist.
Rückbau mit Verzögerungen – Naturschutz und Schadstofffunde beeinflussten Zeitplan
Ursprünglich war der Abriss des dritten Kühlturms bereits früher geplant. Verzögerungen ergaben sich durch Asbestfunde sowie durch ökologische Auflagen: Zum Schutz der Mehlschwalben darf der Abriss ausschließlich in den Wintermonaten erfolgen.
Damit setzt sich der Rückbau in einem langsamen, aber stetigen Tempo fort. Der vierte und letzte Kühlturm des Kraftwerks soll Anfang 2026 folgen.
Damit setzt sich der Rückbau in einem langsamen, aber stetigen Tempo fort. Der vierte und letzte Kühlturm des Kraftwerks soll Anfang 2026 folgen.
Struktureller Wandel in der Region
Der Abriss steht sinnbildlich für das Ende einer industriellen Ära. Das Kernkraftwerk war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Arbeitgeber und ein markantes Wahrzeichen der Region. Heute arbeiten nur noch rund 230 Beschäftigte von RWE sowie Partnerfirmen auf dem Gelände – früher waren es bis zu 1.000.
Während die Gebäude Stück für Stück verschwinden, gewinnt die Frage nach der Zukunft des Standorts weiter an Bedeutung. Das Areal gilt aufgrund seiner Infrastruktur, Größe und Energieanbindung als außergewöhnlich attraktiv für neue Projekte.
Perspektive Kernfusion – Zukunftstechnologie im Fokus
Große Hoffnungen richten sich auf mögliche Fusionsforschung. Das Darmstädter Unternehmen Focused Energy kooperiert mit RWE, um Biblis zu einem möglichen Entwicklungsstandort für ein Laserfusionskraftwerk zu machen. Die hessische Landesregierung unterstützt diese Pläne.
Im kommenden Jahr soll eine Machbarkeitsstudie starten, die prüfen soll, ob auf dem ehemaligen AKW-Gelände bis 2040 ein weltweit einzigartiges Modellkraftwerk entstehen könnte.
Im kommenden Jahr soll eine Machbarkeitsstudie starten, die prüfen soll, ob auf dem ehemaligen AKW-Gelände bis 2040 ein weltweit einzigartiges Modellkraftwerk entstehen könnte.
Abfallentsorgung bleibt Dauerthema
Während die 108 Castorbehälter mit hochradioaktiven Reststoffen weiterhin auf dem Gelände verbleiben, werden leichte radioaktive Abfälle in andere Anlagen verbracht. Dazu zählt auch die Deponie Büttelborn, die nach einem Gerichtsbeschluss rund 3.200 Tonnen Abfall aus dem Rückbau aufnehmen muss. Die bundesweite Suche nach einem Endlager bleibt zudem weiterhin ungelöst.
Ausblick: Ein letzter Turm fällt noch
Mit dem Abriss des dritten Kühlturms ist ein weiterer Teil des Kraftwerks endgültig verschwunden. Doch das „lange Ende von Biblis“ setzt sich fort: Anfang 2026 soll der vierte Turm folgen. Erst danach verschwinden die letzten hochragenden Symbole des einstigen Atomkraftstandorts aus der Landschaft.
Text: MM/Redaktion Die Knipser





























