Elisabeth Cruziger – die erste evangelische Kirchenlieddichterin

Im Rahmen der Sonderausstellung „Made in Worms. William Tyndale’s New Testament 1526“ rückt das Museum Andreasstift in Worms für drei Monate verschiedene Frauen der Reformationszeit in den Mittelpunkt. Nach der Autorin Argula von Grumbach steht nun Elisabeth Cruziger im Fokus, die als erste evangelische Kirchenlieddichterin gilt.
Frauen, die im 16. Jahrhundert öffentlich in Erscheinung traten, waren gesellschaftlich kaum erwünscht und fanden in der lange Zeit männlich geprägten Geschichtsschreibung entsprechend wenig Beachtung. Mit seiner Präsentationsreihe möchte das Museum Andreasstift einige dieser Frauen wieder stärker sichtbar machen.
Nach Argula von Grumbach (1492–1568) widmet sich die aktuelle Präsentation Elisabeth Cruziger, geborene von Meseritz. Sie wurde zwischen 1500 und 1504 geboren und starb 1535. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihre Dichtung und gilt heute als erste evangelische Kirchenlieddichterin.
Vom Kloster nach Wittenberg
Seit ihrer Kindheit lebte Cruziger im Kloster Marienbusch in Treptow an der Rega. Später verließ sie das Kloster und ging nach Wittenberg. Damit folgte sie ihrem protestantisch gesinnten Lehrer Johannes Bugenhagen (1485–1558), der sie dort aufnahm und mit dem Umfeld Martin Luthers bekannt machte.
Zu diesem Kreis gehörte auch Caspar Cruciger, ein enger Freund Luthers und ihr späterer Ehemann. Elisabeth Cruziger beschäftigte sich intensiv mit Musik, Gesang und Dichtung.
Noch vor ihrer Heirat soll sie das Kirchenlied „Herr Christ, der einig Gottes Sohn“ verfasst haben. Das Werk wird als erstes evangelisches Jesuslied bezeichnet und verbindet theologische Aussagen mit einer für die damalige Zeit besonderen persönlichen und gefühlsbetonten Ausdrucksweise.
Ihre Verse erschienen zunächst anonym. Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Lied häufig veröffentlicht, ohne Elisabeth Cruziger als Verfasserin zu nennen.
Präsentation im Museum Andreasstift
Porträts von Elisabeth Cruziger selbst sind nicht überliefert. Um dennoch einen Eindruck von musizierenden Frauen ihrer Epoche zu vermitteln, greift das Museum auf zeitgenössische Darstellungen zurück.
Für einen Monat ist im Museum Andreasstift eine Abbildung des Gemäldes „Mädchen am Virginal“ der flämischen Renaissance-Malerin Catharina van Hemessen zu sehen. Das 1548 entstandene Werk zeigt ihre Schwester Christina van Hemessen. Ergänzt wird die Präsentation durch Verse von Elisabeth Cruziger und eine im frühen 16. Jahrhundert entstandene Darstellung der weiblichen Personifikation der Musik von Peter Flötner.
Die Präsentation ist Teil der Sonderausstellung „Made in Worms. William Tyndale’s New Testament 1526“, mit der das Museum Andreasstift zugleich weniger bekannte Perspektiven auf die Reformationszeit eröffnet.
Text: ML/Redaktion Die Knipser · Quelle: Kultur und Veranstaltungs GmbH Worms
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