Grenzen erkennen und richtig handeln: Fachtag in Worms gegen sexualisierte Gewalt

Wann beginnt eine Grenzverletzung – und wie lässt sich angemessen reagieren, wenn eine Situation ein ungutes Gefühl auslöst? Mit diesen Fragen haben sich rund 40 Haupt- und Ehrenamtliche beim zweiten Fachtag zur Prävention sexualisierter Gewalt des Evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau beschäftigt.
Die Veranstaltung fand am Samstag, 26. September 2026, statt und knüpfte an einen ersten Studientag an, bei dem Grundlagen und die Sensibilisierung für sexualisierte Gewalt im Mittelpunkt gestanden hatten. Dieses Mal lag der Schwerpunkt auf konkreten Situationen aus dem Alltag und möglichen Handlungsweisen. Vorbereitet wurde der Fachtag von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe des Dekanats mit Fachleuten unter anderem aus Pfarrdienst, Psychologie, Sozialarbeit sowie der Kinder- und Jugendarbeit.
Wo beginnt eine Grenzverletzung?
Gleich zum Auftakt wurden die Teilnehmer mit einer Situation aus dem Gemeindealltag konfrontiert. In einem Rollenspiel kommentierte ein erwachsener Mann das Aussehen einer 13-jährigen Konfirmandin, die sich dadurch unwohl fühlte. Die unterschiedlichen Reaktionen der Umstehenden verdeutlichten, wie verschieden eine solche Situation wahrgenommen und bewertet werden kann.
Anhand weiterer Fallbeispiele aus Kita und Gemeinde sowie aus dem Besuchsdienst und der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit beschäftigten sich die Teilnehmer anschließend damit, wo Grenzen verlaufen und wie in entsprechenden Situationen reagiert werden kann.
„Unser Ziel ist, dass immer mehr Menschen wahrnehmen statt wegsehen“, erklärte Dekanin Jutta Herbert. Ebenso wichtig sei es, zu wissen, was zu tun ist, wenn eine Grenzverletzung beobachtet werde oder ein ungutes Gefühl entstehe. Neben der Sensibilisierung müsse deshalb auch Sicherheit im Handeln vermittelt werden.
Schutzkonzepte sollen im Alltag funktionieren
Am Nachmittag rückte die Entwicklung von Schutzkonzepten in den Mittelpunkt. Nach einer Einführung in deren grundlegende Bestandteile erarbeiteten die Teilnehmer in einem World-Café praktische Ansätze zu Beteiligung, Risikoanalyse, Beschwerdemechanismen und Notfallmanagement.
Dabei geht es nach Angaben des Dekanats darum, Schutzkonzepte in Gemeinden und Einrichtungen nicht nur formal zu erstellen, sondern sie so zu gestalten, dass sie im Alltag tatsächlich greifen.
Zum Abschluss erklärten sich die Teilnehmer auf Anregung der Dekanin dazu bereit, das erworbene Wissen weiterzugeben. Als Multiplikatoren sollen sie die Inhalte des Fachtags unter anderem in Kindertagesstätten, Kirchenvorstände, die Kinder- und Jugendarbeit sowie weitere Bereiche des kirchlichen Lebens tragen.
Text: ML/Redaktion Die Knipser · Quelle: Evangelisches Dekanat Worms‐Wonnegau
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