Die neue Rheinhessische Weinkönigin Kathrin Knierim (Mitte) aus Osthofen mit ihren Prinzessinnen Jil Kleber (rechts) aus Dorn-Dürkheim und Charlotte Dürk (links) aus Bingen-Dromersheim nach der Krönung in Worms. Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser
Rheinhessen hat eine neue Majestät: Kathrin Knierim aus Osthofen ist am Samstagabend im Kultur- und Veranstaltungszentrum Das Wormser zur 75. Rheinhessischen Weinkönigin gekrönt worden. Die 26-Jährige setzte sich nach einem fast vierstündigen Wahlabend gegen starke Konkurrenz durch und tritt damit die Nachfolge von Levin McKenzie an – dem ersten männlichen Weinkönig eines deutschen Anbaugebiets.

Ein Wahlabend voller Spannung und Emotionen

Schon früh am Abend war die Spannung im Saal spürbar. Rund 1.000 Gäste, darunter zahlreiche Vertreter aus Politik, Weinwirtschaft und Vereinen, hatten sich versammelt, um den Höhepunkt des rheinhessischen Weinjahres mitzuerleben. Auf der Bühne präsentierten die drei Kandidatinnen nicht nur ihr Weinwissen, sondern auch ihre Persönlichkeit. Mit kleinen Filmporträts, Quiz- und Spielrunden sowie der Präsentation ausgewählter Weine zeigten sie, wie sie für ihre Region brennen.
 
Charlotte Dürk aus Bingen-Dromersheim, erfahren durch ihre Rolle als Eisweinprinzessin, machte den Anfang und brach souverän das Eis. Jil Kleber aus Dorn-Dürkheim überzeugte mit Charme und Schlagfertigkeit. Und schließlich Kathrin Knierim: Als Moderator Tobias Bieker sie mit einem „rheinhessischen Sommergewitter“ ankündigte, war schnell klar, dass sie ihr Herz auf der Zunge trägt. Authentisch, direkt und humorvoll – so begeisterte sie das Publikum.

Ein moderner Wettstreit

Neu in diesem Jahr war der legere Umgangston auf der Bühne: Das klassische „Sie“ wich einem „Du“, das Nähe und Natürlichkeit vermittelte. Dazu sorgten Spiele wie das Emoji-Quiz oder die „Fake-News“-Runde für Auflockerung. Immer wieder lachte das Publikum herzlich, wenn die Kandidatinnen vermeintlich absurde Geschichten entlarven mussten – etwa von einem überdimensionalen Kühlschrank in Dromersheim, der künftige Eisweinernte sichern sollte.
 
Doch bei allem Humor zeigte sich auch die Ernsthaftigkeit: Wer Weinkönigin werden will, muss mehr können als charmant lächeln. Weinwissen, Sprachgefühl, Bühnenpräsenz und ein sicherer Umgang mit Publikum und Medien sind Pflicht. Kathrin Knierim meisterte diese Aufgaben mit Bravour.

Abschied und Neuanfang

Bevor die neue Majestät gekürt wurde, hieß es Abschied nehmen. Der bisherige Weinkönig Levin McKenzie aus Wackernheim blickte gemeinsam mit seinen Prinzessinnen Laura Schlösser (Ingelheim) und Katha Klemmer (Westhofen) auf ein intensives Amtsjahr zurück: 496 Termine, zahlreiche Reisen und unzählige Begegnungen. Humorvoll präsentierten sie Outtakes aus ihren Social-Media-Videos – ein würdiger und sympathischer Abschluss.
 
McKenzie selbst hat noch große Pläne: In Neustadt will er sich dem Wettbewerb um die Krone der Deutschen Weinkönigin stellen. Dort tritt er gegen elf Kandidatinnen aus ganz Deutschland an. Seine eigens entworfene Amtskette, geschmiedet von einem Mainzer Juwelier, ist dabei schon jetzt Symbol für ein Stück Wein-Geschichte.

„Wir werden Rheinhessen nach vorne bringen“

Kurz nach der Verkündung konnte die frisch gekrönte Königin ihre Freude kaum in Worte fassen. „Ich hab selbst nicht damit gerechnet, denn ich hatte starke Konkurrentinnen“, sagte sie ins Mikrofon. „Aber ich denke, wir drei werden ein tolles Team und wir werden Rheinhessen nach vorne bringen.“
 
Für die Osthofenerin beginnt damit ein Jahr, das gefüllt sein wird mit Auftritten, Festen, Messebesuchen und Terminen rund um die größte Weinregion Deutschlands. Als Botschafterin soll sie den rheinhessischen Wein und die Kultur weit über die Grenzen der Region hinaus vertreten – von Mainz bis München, von Berlin bis vielleicht sogar nach Übersee.

Rheinhessen setzt auf Tradition und Innovation

Die Wahl zeigte einmal mehr, wie sehr Rheinhessen seine Traditionen pflegt, dabei aber auch offen für Neues bleibt. Dass nach 75 Jahren erstmals ein Mann das Amt der Weinkönigin inne hatte, ist ein Beweis dafür. Nun knüpft Kathrin Knierim an diese Offenheit an: bodenständig, frisch und voller Energie.
 
Für sie ist die Krönung der Beginn einer neuen, noch nicht ganz fassbaren Geschichte – und für Rheinhessen die Aussicht auf ein Jahr voller königlicher Momente.
 
Text: MM /Redaktion Die Knipser