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Neuronetz Westhofen wächst rasant: Große Nachfrage sorgt bereits für neues Konzept

Neuronetz Westhofen wächst rasant: Große Nachfrage sorgt bereits für neues Konzept
Initiatorin Julia Deibert vor dem Bürgerhaus in Westhofen. Dort finden regelmäßig die Treffen des „Neuronetz Westhofen“ statt, das Menschen und Familien zusammenbringt, deren Alltag von ADHS und Autismus geprägt ist. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser

Was als neue Anlaufstelle für Menschen mit Berührungspunkten zu ADHS und Autismus begann, hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem stark nachgefragten Angebot entwickelt. Das von Julia Deibert gegründete „Neuronetz Westhofen“ soll Betroffenen, Eltern, Großeltern und Betreuenden einen geschützten Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und praktische Informationen bieten. Bereits zum ersten Treffen kamen 35 Menschen. 

Aufgrund dieser großen Resonanz wurde das ursprüngliche Konzept inzwischen angepasst. Wie Julia Deibert der Redaktion Die Knipser mitteilte, werden mittlerweile zwei getrennte Gesprächsgruppen angeboten. Damit soll den unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Lebenssituationen der Teilnehmer besser Rechnung getragen werden. 

Im Mittelpunkt der Treffen stehen Themen, die viele Familien unmittelbar im Alltag beschäftigen. Dazu gehören Erfahrungen mit Schule und Kindergarten, Therapien, Reha-Möglichkeiten, familiäre Herausforderungen und die Suche nach geeigneten Unterstützungsangeboten. Auch der Umgang mit Medikamenten und die damit verbundenen Fragen und Unsicherheiten werden innerhalb der Gruppen thematisiert.

Dabei versteht sich das Neuronetz nicht als medizinische oder therapeutische Beratungsstelle. Vielmehr geht es darum, Erfahrungen miteinander zu teilen und voneinander zu lernen. Familien können erfahren, welche Wege andere Betroffene gegangen sind, welche Anlaufstellen ihnen geholfen haben und welche Herausforderungen dabei aufgetreten sind.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den unterschiedlichen Belastungen von Kindern mit ADHS oder Autismus. Während Schwierigkeiten bei einigen bereits in Kindergarten oder Schule sichtbar werden, können andere Kinder dort zunächst unauffällig wirken und erst im vertrauten häuslichen Umfeld deutliche Zeichen der Überforderung zeigen.

Für Angehörige bedeutet das häufig, individuelle Verhaltensweisen ihres Kindes gegenüber anderen Menschen erklären zu müssen. Genau hier soll das Neuronetz ansetzen und einen Raum schaffen, in dem solche Erklärungen nicht ständig notwendig sind.

Deibert bringt dabei auch persönliche Erfahrungen in die Initiative ein. Wie sie gegenüber der Redaktion Die Knipser schilderte, haben ihre beiden erwachsenen Kinder ADHS. Ihr elfjähriger Sohn lebt mit ADHS und Autismus und besucht aufgrund seiner starken Überforderung seit Mai keine Schule mehr. Auch eine zeitliche Reduzierung des Schulbesuchs habe keine dauerhafte Lösung gebracht. Die Familie wartet derzeit auf einen Platz für eine Beschulung von zu Hause aus.

Neben ihren Erfahrungen innerhalb der eigenen Familie fließen auch Eindrücke aus Deiberts Tätigkeit in der Nachmittagsbetreuung einer Grundschule ein. Dort zeigt sich beispielsweise, welchen Einfluss Lärm, zahlreiche gleichzeitige Geräusche oder andere äußere Reize auf einzelne Kinder haben können. Individuelle Anpassungen können in solchen Situationen dazu beitragen, den Alltag für betroffene Kinder besser zu gestalten.

Aus den Gesprächsgruppen soll deshalb zunehmend auch ein Netzwerk entstehen, das vorhandenes Wissen und hilfreiche Anlaufstellen bündelt. Auf der Internetseite werden unter anderem Informationen zu Unterstützungsangeboten, Veranstaltungen und Literatur zusammengestellt. Künftig sollen auch Erfahrungen und Hinweise aus dem Kreis der Teilnehmer einfließen. 

Das Neuronetz hat inzwischen auch bei Fachstellen und Einrichtungen Interesse geweckt. Nach Angaben von Deibert haben bereits verschiedene Stellen Kontakt aufgenommen. Unter anderem wurde von einer Praxis aus Oppenheim ein kostenloser Informationsabend zum Thema Autismus angeboten. Auch eine Veranstaltung rund um ADHS ist im Gespräch.

Für die weitere Entwicklung ist vorgesehen, die Gesprächsgruppen regelmäßig fortzuführen und zusätzliche Fachleute für Informationsveranstaltungen zu gewinnen. Der persönliche Austausch soll dennoch das Herzstück des Neuronetzes bleiben. Fachliche Informationen sollen das Angebot ergänzen und den Familien zusätzliche Orientierungsmöglichkeiten geben.

Aufgrund der mittlerweile hohen Nachfrage ist für die Treffen eine vorherige Anmeldung erforderlich. Termine und weitere Informationen werden unter basarteam-westhofen.de/Veranstaltungen veröffentlicht. 

Damit ist aus einer zunächst spontanen Idee innerhalb weniger Monate ein wachsendes Netzwerk entstanden, das Familien aus Westhofen und der Umgebung miteinander verbindet und ihnen eine Möglichkeit bietet, Erfahrungen auszutauschen, Informationen zu bündeln und sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen.

Text: LC/ Redaktion Die Knipser