Die Liebfrauenkirche in den Wormser Weinbergen: ein Juwel gotischer Baukunst, dessen Sanierung derzeit aus finanziellen Gründen stillsteht. Experten warnen: Ohne weitere Förderung ist ihr Erhalt langfristig gefährdet. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser
Sie gilt als die „Perle der Stadt“: die Liebfrauenkirche inmitten der Wormser Weinberge. Ihr Bild prägt seit Jahrhunderten das Panorama der Nibelungenstadt – doch nun steht ihre dringend benötigte Sanierung auf der Kippe. Die Mittel aus dem bisherigen Förderprogramm von Bund, Land und Bistum sind erschöpft. Weitere Arbeiten können derzeit nicht fortgesetzt werden.
Eine Kirche mit bewegter Geschichte
Die ehemalige Stiftskirche hat im Lauf der Jahrhunderte viele Prüfungen überstanden: Kriege, Brände, Plünderungen. 1689 wurde sie beim Stadtbrand durch französische Truppen schwer beschädigt, diente später sogar als Heulager, ehe sie im 19. Jahrhundert dank engagierter Pfarrer und Gemeindemitglieder wiederhergestellt wurde.
Seit 2004 laufen umfangreiche Außenrenovierungen, die zuletzt unter der Bauleitung des Architekturbüros Jürgen Hamm durchgeführt wurden. Nach sorgfältiger Restaurierung von Westwerk, Dachstuhl und nördlichem Chorhaus erstrahlt ein Teil der Kirche bereits in neuem Glanz – doch an der nordöstlichen Polygonseite endet die neue Farbfassung abrupt. Hier musste die Arbeit gestoppt werden.
Seit 2004 laufen umfangreiche Außenrenovierungen, die zuletzt unter der Bauleitung des Architekturbüros Jürgen Hamm durchgeführt wurden. Nach sorgfältiger Restaurierung von Westwerk, Dachstuhl und nördlichem Chorhaus erstrahlt ein Teil der Kirche bereits in neuem Glanz – doch an der nordöstlichen Polygonseite endet die neue Farbfassung abrupt. Hier musste die Arbeit gestoppt werden.
Sanierungsbedarf enorm – aber kein Geld in Sicht
Wie Johannes Krämer, Baudirektor des Bistums Mainz, Regionalarchitekt Rainer Cebulla und Britta Hedtke, Konservatorin der kirchlichen Denkmalpflege, erläutern, stehen die nächsten Arbeitsschritte längst fest:
„Geplant ist die Fertigstellung der Chorwand und des Südquerhauses sowie die Dachsanierung, um den historischen Dachstuhl vor Feuchtigkeit zu schützen“, erklärt Cebulla. Doch derzeit fehlt das Geld.
„Geplant ist die Fertigstellung der Chorwand und des Südquerhauses sowie die Dachsanierung, um den historischen Dachstuhl vor Feuchtigkeit zu schützen“, erklärt Cebulla. Doch derzeit fehlt das Geld.
Bereits eine Notsicherung – inklusive provisorischem Dach, Schutz der gotischen Maßwerke und Sicherung der Steinsubstanz – würde rund 1,5 Millionen Euro kosten. Für die Gesamtsanierung veranschlagt das Bistum etwa 13 Millionen Euro. „Diese Summe können weder die Pfarrei noch das Bistum alleine tragen“, betont Krämer. „Die abnehmende pastorale Nutzung steht in deutlichem Gegensatz zur herausragenden kunsthistorischen Bedeutung der Kirche. Ihr Erhalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – ohne Unterstützung von Stadt, Land und Bund wird es nicht gehen.“
Ein Stück europäischer Baugeschichte
Besonders tragisch: Neue bauhistorische Untersuchungen haben ergeben, dass die Liebfrauenkirche ursprünglich über ein vollständig ausgeprägtes Strebewerk verfügte – ähnlich den großen Kathedralen Frankreichs. „Damit wird ihre Bedeutung für die europäische Gotik noch einmal deutlich“, erklärt Hedtke. „Wir haben es hier nicht mit einem einfachen Kirchenbau zu tun, sondern mit einem kunsthistorischen Zeugnis von nationaler Bedeutung.“
Zwischen Glauben, Geschichte und Verantwortung
Die gotische Liebfrauenkirche war über Jahrhunderte Wallfahrtsziel und spiritueller Mittelpunkt der Region. Schon Kaiserin Maria Bianca Sforza, Gemahlin Kaiser Maximilians, soll sich hier im späten 15. Jahrhundert ehrfürchtig vor dem Gnadenbild verneigt haben. Heute zieht sie Gläubige, Touristen und Kunstinteressierte gleichermaßen an – doch ihr Zustand ist alarmierend.
Die Fachleute sind sich einig: Ohne baldige Fortführung der Sanierung droht eines der bedeutendsten Gotteshäuser Rheinhessens schweren Schaden zu nehmen. „Der Wormser Dom ist die Krone der Stadt“, heißt es in der Gemeinde, „doch die Liebfrauenkirche bleibt ihre Perle – und die darf nicht verloren gehen.“
Text: MM/Redaktion Die Knipser




























