Politik

Timo Horst muss sich geschlagen geben – im Rathaus folgt die Umarmung mit Wahlsiegerin Stephanie Lohr

Timo Horst muss sich geschlagen geben – im Rathaus folgt die Umarmung mit Wahlsiegerin Stephanie Lohr
Nach der Entscheidung im Wormser Rathaus: Timo Horst gratulierte Stephanie Lohr persönlich zu ihrem Sieg bei der Oberbürgermeisterwahl. Handschlag und Umarmung vor den Kameras markierten das Ende eines Wahlkampfs, den Lohr mit 53,0 zu 47,0 Prozent für sich entschied. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser

Am Ende eines langen Wahlkampfs stand für Timo Horst (SPD) nicht der Einzug an die Spitze des Wormser Rathauses, sondern die Anerkennung einer demokratischen Entscheidung. Der Stadtentwicklungsdezernent unterlag am Sonntagabend in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt seiner bisherigen Kollegin in der Stadtspitze, Bürgermeisterin Stephanie Lohr (CDU). Lohr erreichte nach dem veröffentlichten Ergebnis 53,0 Prozent, Horst 47,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 38,5 Prozent.

Horst hatte den Wahlabend zunächst gemeinsam mit seinen Unterstützern im Gerd-Lauber-Haus verfolgt. Noch vor dem für den Abend vorgesehenen Pressetermin im Rathaus war er dort bei seinem Team, bevor er sich auf den Weg zum Marktplatz machte.

Als Horst im Rathaus eintraf, war die Entscheidung gefallen. Der von ihm erhoffte Wechsel vom Stadtentwicklungsdezernenten zum Oberbürgermeister würde nicht stattfinden. Dennoch stellte er sich der Situation und den wartenden Medienvertretern.

Gegenüber der Presse fand Horst nach der Niederlage deutliche Worte: „Das ist eine demokratische Wahl, da muss man damit rechnen, dass man verliert. Jetzt habe ich Zeit für andere Sachen und wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.“

Es war eine kurze Aussage, die zugleich den Schlusspunkt unter seinen Wahlkampf setzte. Eine öffentliche Abrechnung blieb aus. Stattdessen akzeptierte Horst das Ergebnis.

Wenig später kam auch Stephanie Lohr ins Rathaus. Vor den anwesenden Fotografen und Kameras folgte die Begegnung der beiden bisherigen Konkurrenten. Horst und Lohr gaben sich die Hand und umarmten sich. Horst gratulierte der Gewinnerin der Stichwahl persönlich.

Für die Presse entstanden damit jene Bilder, die den Abschluss dieses Wormser Wahlabends dokumentierten: der unterlegene Kandidat und die Wahlsiegerin gemeinsam nach einer über Wochen geführten politischen Auseinandersetzung.

Dabei war das Rennen nach dem ersten Wahlgang noch deutlich enger gewesen. Am 13. September hatte Lohr 44,1 Prozent der Stimmen erreicht, Horst kam auf 40,5 Prozent. Da keiner der ursprünglich vier Bewerber die absolute Mehrheit erzielte, war die Stichwahl am 27. September notwendig geworden.

In der zweiten Runde konnte Lohr ihren Vorsprung schließlich ausbauen. Mit 53,0 zu 47,0 Prozent lagen zwischen beiden Kandidaten sechs Prozentpunkte. Damit steht fest, dass Stephanie Lohr die neue Oberbürgermeisterin von Worms wird.

Auffällig niedrig war allerdings die Beteiligung an dieser Entscheidung. Rund 61.000 Bürgerinnen und Bürger waren zur Wahl aufgerufen, doch lediglich 38,5 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich an der Stichwahl. Bereits im ersten Wahlgang hatte die Beteiligung nur 44,1 Prozent betragen. Damit sank sie in der entscheidenden zweiten Runde noch einmal um 5,6 Prozentpunkte.

Dass deutlich weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgab, gehört damit ebenfalls zu den wesentlichen Zahlen dieses Wahlabends. Über die Gründe für die geringe Beteiligung lässt sich aus dem Ergebnis allein allerdings keine belastbare Aussage treffen.

Für Horst bedeutet die Niederlage zunächst das Ende seiner Bewerbung um das höchste Amt der Stadt. Wie es für ihn persönlich und politisch weitergeht, ließ er am Wahlabend offen. Seine Aussage, dass sich nach einer geschlossenen Tür eine andere öffnen könne, war zunächst der einzige Hinweis darauf, wie er selbst auf die Zeit nach dem Wahlkampf blickt.

Nach dem gemeinsamen Auftritt mit Lohr verließ Horst das Rathaus wieder. Nach Informationen unserer Redaktion führte sein Weg anschließend zurück zu seinen Unterstützern ins Gerd-Lauber-Haus.

Im Rathaus verlagerte sich die Aufmerksamkeit unterdessen auf die Wahlsiegerin. Stephanie Lohr stellte sich den anwesenden Medienvertretern, beantwortete Fragen und gab erste Interviews nach ihrem Wahlerfolg. Für Fotografen und Kamerateams folgten weitere Aufnahmen des Wahlabends.

Auch mit dem derzeitigen Oberbürgermeister Adolf Kessel (CDU) entstanden Bilder. Kessel hatte bereits angekündigt, sein Amt vorzeitig zum Jahresende abzugeben und in den Ruhestand zu gehen. Seine reguläre Amtszeit wäre ursprünglich noch bis Ende Juni 2027 gelaufen.

Damit bekam der Abend auch symbolisch den Charakter einer Übergabe: Auf der einen Seite der amtierende Oberbürgermeister, auf der anderen seine gewählte Nachfolgerin. Stephanie Lohr wird als erste Frau das Oberbürgermeisteramt der Stadt Worms übernehmen. Das Wahlergebnis selbst ist eindeutig: 53,0 Prozent für Lohr, 47,0 Prozent für Horst.

Für Timo Horst blieb an diesem Abend die Rolle des unterlegenen Kandidaten. Doch sein Auftritt im Rathaus endete nicht mit Distanz zu seiner Konkurrentin, sondern mit Handschlag, Umarmung und persönlicher Gratulation. Wenige Minuten später stand Stephanie Lohr vor der Presse und im Mittelpunkt der Kameras – während für Horst ein Wahlkampf zu Ende ging, an dessen Abschluss seine eigenen Worte standen: Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf.

Text: VM/Redaktion Die Knipser

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Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser und Mirko Müller/Die Knipser