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Wenn der Rhein fehlt, rollt die Ware über die Straße: Niedrigwasser verändert den Güterverkehr

Wenn der Rhein fehlt, rollt die Ware über die Straße: Niedrigwasser verändert den Güterverkehr
Das extreme Niedrigwasser des Rheins auch in Worms im Hafen hat längst Folgen für den Frachtschiffsverkehr. Weil Frachtschiffe weniger Ladung aufnehmen können, werden Transporte teilweise auf Straße und Schiene verlagert. Rheinland-Pfalz erlaubt deshalb bestimmte vom Niedrigwasser betroffene Lkw-Transporte vorübergehend auch an Sonn- und Feiertagen. Foto: Mirko Müller/Die Knipser

Der niedrige Rheinpegel ist zwischen Worms, der Verbandsgemeinde Eich und dem Bereich Oppenheim-Nierstein längst nicht mehr nur an freiliegenden Ufern und ungewöhnlich großen Kiesflächen zu erkennen. Das Niedrigwasser hat inzwischen unmittelbare Auswirkungen auf den Güterverkehr. Weil Schiffe weniger Ladung aufnehmen können, werden Transporte verstärkt auf Straße und Schiene verlagert. Rheinland-Pfalz hat dafür sogar das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für bestimmte Lastwagen vorübergehend gelockert.

Auch am Mittwoch, 12. August, bleibt die Situation am Rhein außergewöhnlich. In Worms liegt der Pegel weiterhin auf einem extrem niedrigen Niveau. Auch weiter nördlich in Richtung Oppenheim und Nierstein sowie entlang der Altrheinbereiche rund um Eich, Hamm und Gimbsheim sind die Folgen der langen Trockenperiode deutlich sichtbar.

Frachtschiffe können nicht mehr voll beladen werden

Für die Binnenschifffahrt bedeutet jeder weitere Zentimeter weniger Wasser zusätzliche Einschränkungen. Viele Frachtschiffe können zwar weiterhin fahren, müssen ihre Ladung jedoch reduzieren, damit ihr Tiefgang zur verfügbaren Fahrrinnentiefe passt.

Damit werden für die gleiche Gütermenge mehr Fahrten oder alternative Transportwege benötigt. Besonders relevant ist das für Rohstoffe, Kraftstoffe und andere Massengüter, die normalerweise in großen Mengen über den Rhein transportiert werden.

Die Transportkosten sind dadurch bereits erheblich gestiegen. Auf einzelnen Routen haben sich die Frachtraten für Tankschiffe zuletzt vervielfacht.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger rechnet damit, dass die Probleme durch das Niedrigwasser noch den gesamten August anhalten könnten. 

Rheinland-Pfalz lässt bestimmte Lkw jetzt auch sonntags fahren

Um Lieferketten trotz der Einschränkungen auf dem Rhein aufrechtzuerhalten, hat Rheinland-Pfalz reagiert. Das normalerweise geltende Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen wurde für bestimmte Transporte vorübergehend außer Kraft gesetzt. 

Die Ausnahme gilt für Fahrten, die unmittelbar oder mittelbar mit dem Niedrigwasser und den dadurch notwendigen Ersatztransporten zusammenhängen. Auch damit verbundene Leerfahrten sind eingeschlossen. Die Regelung gilt nach aktuellem Stand längstens bis zum 30. September 2026. Großraum- und Schwertransporte fallen nicht unter diese allgemeine Ausnahme.

Damit können Waren, die derzeit nicht oder nur eingeschränkt auf Schiffen transportiert werden können, zusätzlich über die Straße bewegt werden. Rheinland-Pfalz ist damit nicht allein: Mehrere Bundesländer haben vergleichbare Maßnahmen beschlossen. 

Von einer vollständigen Absicherung aller Transporte kann allerdings nicht gesprochen werden. Die Lockerung soll vielmehr zusätzliche Kapazitäten schaffen und helfen, Warenströme trotz der Einschränkungen auf den Wasserstraßen aufrechtzuerhalten. Auch die Bahn soll bei der Verlagerung von Gütertransporten eine größere Rolle spielen.

Zwischen Worms und Nierstein verändert sich das Bild des Rheins

Für die Menschen in der Region zeigt sich das Niedrigwasser dagegen vor allem optisch. Entlang des Rheins treten Flächen hervor, die bei normalen Wasserständen überspült sind. Auch an den Altrheinbereichen in der VG Eich verändert die Trockenheit das gewohnte Landschaftsbild.

Was für Spaziergänger zunächst spektakulär aussehen kann, ist für Schifffahrt und Wirtschaft eine ernsthafte Herausforderung. Der Rhein gehört zu den bedeutendsten europäischen Transportwegen. Können Schiffe nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen, wirkt sich das auf die gesamte Logistikkette aus.

Eine schnelle und nachhaltige Entspannung ist derzeit nicht absehbar. Dafür wären vor allem länger anhaltende Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet des Rheins notwendig. Einzelne Gewitter oder lokale Regenschauer reichen kaum aus, um den Wasserstand dauerhaft deutlich anzuheben.

Während also zwischen Worms, Eich, Gimbsheim, Oppenheim und Nierstein weiterhin ungewöhnlich große Uferbereiche sichtbar bleiben, findet hinter den Kulissen bereits eine Verschiebung der Warenströme statt: Was der Rhein momentan nicht in gewohntem Umfang tragen kann, muss teilweise über Autobahn und Schiene weitertransportiert werden.

Text: ML/Redaktion Die Knipser