Wormser Jahresempfang stellt Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt

Demokratie, gesellschaftliche Verantwortung und die aktive Beteiligung der Bürger standen im Mittelpunkt des diesjährigen Jahresempfangs der Stadt Worms. Unter dem Motto „Demokratie, die wertvollste Selbstverständlichkeit der Welt?!“ kamen zahlreiche Gäste zusammen, um sich mit der Bedeutung und den Herausforderungen demokratischer Strukturen auseinanderzusetzen. Für Oberbürgermeister Adolf Kessel war es zugleich der letzte Jahresempfang während seiner Amtszeit.
In seiner Begrüßung machte Kessel deutlich, dass Demokratie keineswegs als selbstverständlich betrachtet werden dürfe. Sie lebe von unterschiedlichen Meinungen, dem politischen Austausch und der Bereitschaft, trotz verschiedener Interessen gemeinsame Lösungen zu finden. Insbesondere der respektvolle Umgang miteinander und die Fähigkeit zum Kompromiss seien entscheidende Grundlagen einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft.
Dabei blickte der Oberbürgermeister auch auf seine eigene berufliche und politische Laufbahn zurück. Mehr als fünf Jahrzehnte war Kessel im öffentlichen Dienst und in der Politik tätig – vom Polizeidienst über seine Arbeit im Landtag und in der Kommunalpolitik bis hin zum Amt des Wormser Oberbürgermeisters. Ein besonderes Anliegen sei ihm während dieser Zeit auch die Beteiligung junger Menschen gewesen. Als Beispiel dafür hob er die Arbeit des Wormser Jugendparlaments hervor.
Den inhaltlichen Schwerpunkt des Abends setzte der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte. Er machte deutlich, dass eine Demokratie von der aktiven Beteiligung ihrer Bürger lebt und sich diese nicht allein auf die Teilnahme an Wahlen beschränken könne. Zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten wie Bürgerräte, digitale Angebote und weitere Orte des demokratischen Austauschs könnten das bestehende repräsentative System ergänzen.
Neben stärkerer Beteiligung spielte auch die gesellschaftliche Zuversicht eine wichtige Rolle. Statt politische und gesellschaftliche Debatten vor allem von Problemen, Ängsten und gegenseitigen Schuldzuweisungen bestimmen zu lassen, brauche es einen stärkeren Blick auf funktionierende Strukturen und gemeinsame Erfolge. Zusammengehörigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, seien wichtige Voraussetzungen für eine stabile freiheitliche Demokratie.
Auch die Perspektive junger Menschen fand beim Jahresempfang ihren Platz. Gloria und Serena Okonkwo vom Wormser Jugendparlament machten deutlich, wie wichtig tatsächliche Mitwirkungsmöglichkeiten für Jugendliche sind. Das Jugendparlament arbeitet überparteilich und verfolgt das Ziel, die Interessen junger Menschen in die kommunalpolitische Arbeit einzubringen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Antragsrecht im Wormser Stadtrat zu.
Ein weiterer Programmpunkt des Abends war die Verleihung der Verdienstmedaillen der Stadt Worms. Oberbürgermeister Kessel zeichnete Annelie Büssow und Christina Heimlich für ihr langjähriges gesellschaftliches Engagement aus. Büssows Wirken umfasst unter anderem kommunalpolitische Verantwortung, gesellschaftliches Engagement und frauenpolitische Arbeit. Heimlich wurde für ihr bürgerschaftliches Engagement, die Übernahme sozialer Verantwortung und ihren Einsatz für die Stadt gewürdigt. Krankheitsbedingt konnte sie die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen.
Für den musikalischen und kulturellen Rahmen sorgten der Musikverein Harmonie Herrnsheim mit „Best of the Temptations“ sowie Kinder und Jugendliche des Vereins Rockin’ Wormel Herrnsheim mit verschiedenen Tanzeinlagen. Beim anschließenden Ausklang wurde der Abend musikalisch von Saxofonistin Gesa Marie Schulze begleitet.
Der letzte Jahresempfang unter Oberbürgermeister Adolf Kessel verband damit den Rückblick auf dessen langjährige Tätigkeit mit einem Thema, das weit über seine Amtszeit hinausreicht: Demokratie lebt von Beteiligung, gegenseitigem Respekt und Menschen, die bereit sind, Verantwortung für ihre Stadt und die Gesellschaft zu übernehmen.
Text: ML/Redaktion Die Knipser
Weitere Artikel aus Lokales

Stroke Unit des Klinikums Worms erneut erfolgreich zertifiziert
Die Schlaganfallversorgung am Klinikum Worms erfüllt weiterhin hohe Qualitätsstandards.
6. Oktober 2026

206 neue Fahrradstellplätze für Schulen und Verwaltung im Landkreis Alzey-Worms
Der Landkreis Alzey-Worms will die Bedingungen für Radfahrer an Schulen und Verwaltungsgebäuden verbessern.
6. Oktober 2026

Elisabeth Cruziger – die erste evangelische Kirchenlieddichterin
Im Rahmen der Sonderausstellung „Made in Worms. William Tyndale’s New Testament 1526“ rückt das Museum Andreasstift in Worms für drei Monate verschiedene Frauen der Reformationszeit in den Mittelpunkt.
6. Oktober 2026

