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100 Jahre Denkmalfriedhof Mainz: Studientag beleuchtet jüdische Geschichte und Erinnerungskultur

100 Jahre Denkmalfriedhof Mainz: Studientag beleuchtet jüdische Geschichte und Erinnerungskultur
Der Denkmalfriedhof am Mainzer Judensand wurde am 3. Oktober 1926 eingeweiht. Zum 100-jährigen Jubiläum widmet sich ein Studientag seiner Geschichte, Bedeutung und Zukunft als jüdischer Erinnerungsort. Foto: Stadtarchiv Mainz

Der Denkmalfriedhof auf dem Alten Jüdischen Friedhof am Judensand in Mainz feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums veranstalten der SchUM-Städte e.V., die Landeshauptstadt Mainz und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz am Donnerstag, 29. Oktober 2026, einen Studientag im Landesmuseum Mainz. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte des bedeutenden jüdischen Erinnerungsortes, unterschiedliche Bestattungstraditionen sowie aktuelle Herausforderungen der Denkmalpflege.

Die Veranstaltung findet von 10 bis 18 Uhr statt und richtet sich an alle, die sich für die jüdische Geschichte und das kulturelle Erbe der Region interessieren.

Ein Jahrhundert jüdische Erinnerungskultur

Am 3. Oktober 1926 wurde der Denkmalfriedhof auf dem historischen Friedhofsgelände am Mainzer Judensand feierlich eingeweiht. Er bewahrt mittelalterliche Grab- und Memorialsteine und dokumentiert damit die jahrhundertealte Geschichte der jüdischen Gemeinde in Mainz.

Der Alte Jüdische Friedhof zählt zu den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfen Europas. Seine Ursprünge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück.

Nach der Vertreibung der jüdischen Gemeinde aus Mainz im Jahr 1438 wurde der Friedhof aufgegeben und geschändet. Das Gelände diente später unter anderem als Weinberg. Zahlreiche Grabsteine wurden entfernt und als Baumaterial wiederverwendet.

Erst im 17. Jahrhundert konnten sich erneut jüdische Familien in Mainz niederlassen. Die Gemeinde erwarb einen Teil des früheren Friedhofsgeländes entlang der heutigen Mombacher Straße zurück und nutzte diesen bis 1880 wieder für Bestattungen.

Im 19. Jahrhundert wurden bei Bauarbeiten wiederholt mittelalterliche Grabsteine entdeckt. Die Mainzer Rabbiner Siegmund Salfeld und Sali Levi setzten sich dafür ein, diese historischen Zeugnisse zu bewahren und wissenschaftlich zu untersuchen. Die Steine wurden schließlich auf dem oberen Teil des Friedhofsgeländes zusammengeführt. Daraus entstand der heutige Denkmalfriedhof.

Studientag mit drei Themenschwerpunkten

Das Programm am 29. Oktober gliedert sich in drei wissenschaftliche Sektionen.

Der erste Teil beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung des Judensands und der Entstehung des Denkmalfriedhofs. Dabei wird auch dessen Bedeutung als jüdischer Wallfahrtsort betrachtet. Zu den Referierenden gehören Prof. Dr. Andreas Lehnardt, Uwe Bergmann-Deppisch und Prof. Dr. Lucia Raspe.

In der zweiten Sektion stehen jüdische und christliche Bestattungs- und Erinnerungstraditionen im Mittelpunkt. Nathanja Hüttenmeister, Prof. Dr. Andreas Lehnardt und Dr. Claudia Sticher befassen sich unter anderem mit jüdischen Friedhöfen der Frühen Neuzeit, der Beerdigungsbruderschaft der jüdischen Gemeinde Mainz und Aspekten christlicher Bestattungskultur.

Der dritte Programmteil widmet sich archäologischen Fragestellungen und der Denkmalpflege. Dabei geht es um die Bewahrung jüdischer Friedhöfe als Kulturerbe, Herausforderungen bei der Konservierung und Pflege sowie um historische Grabsteinfunde im Mainzer Stadtgebiet. Referieren werden Dr. Markus Fritz-von Preuschen, Dr. Kathrin Nessel und Dr. Marion Witteyer.

Fünf Jahre UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten

Neben dem 100-jährigen Bestehen des Denkmalfriedhofs gibt es 2026 einen weiteren Anlass zum Rückblick: Seit fünf Jahren gehören die SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz zum UNESCO-Welterbe.

Die Auszeichnung erfolgte am 27. Juli 2021. Zum Welterbe zählen neben dem Alten Jüdischen Friedhof am Judensand auch der Judenhof in Speyer sowie der Synagogenbezirk und der Alte Jüdische Friedhof Heiliger Sand in Worms.

Birgit Kita, Site-Managerin der SchUM-Stätten und Geschäftsführerin des SchUM-Vereins, sieht im Jubiläum die Gelegenheit, sowohl die historische Entwicklung als auch die künftige Bedeutung des Erinnerungsortes zu betrachten. Der Judensand stehe für die lange und wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Mainz und das besondere kulturelle Erbe der SchUM-Gemeinden.

Anmeldung bis zum 22. Oktober möglich

Der Studientag findet am Donnerstag, 29. Oktober 2026, von 10 bis 18 Uhr im Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49–51, statt.

Die Teilnahme kostet 25 Euro, ermäßigt 15 Euro. Ein Mittagessen kann für weitere 20 Euro hinzugebucht werden.

Eine Anmeldung ist bis Donnerstag, 22. Oktober 2026, per E-Mail an info@schumstaedte.de erforderlich.

Die Veranstaltungen zum fünfjährigen UNESCO-Jubiläum werden unter anderem von der Angelika und Uwe Wöhlert-Stiftung, der BASF SE, dem Bistum Mainz, der Kulturstiftung Speyer sowie der Rheinhessen Sparkasse und der Sparkasse Vorderpfalz gefördert.

Text: LC/ Redaktion Die Knipser · Quelle: SchUM-Städte e.V.