Ministerin Dörte Schall (3. von links) besuchte die Fachberatungsstelle Wohnraumsicherung des DRK Kreisverbandes. Mit ihr im Bild: Heiner Illing (von links), Caroline Müller, Walter Wagner und Marlon Schmitt. Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser
Das Problem der Wohnungsnot ist längst nicht mehr nur ein Großstadtthema – auch in Alzey wächst der Druck auf dem Wohnungsmarkt spürbar. Um die Versorgung wohnungssuchender Menschen zu verbessern, erhielt der DRK-Kreisverband nun eine Förderung in Höhe von 97.500 Euro, die Sozialministerin Dörte Schall persönlich übergab. Die Mittel sollen gezielt die Arbeit der Wohnraumsicherung stärken und ausbauen.
DRK: Hilfe reicht weit über die Wohnungssuche hinaus
Wohnungssuche bedeutet beim DRK mehr als das Finden einer freien Wohnung. Oft stehen verschiedenste Probleme zwischen den Betroffenen und einer neuen Bleibe: finanzielle Schwierigkeiten, fehlende Unterlagen, persönliche Krisen oder mangelnde Orientierung im Behördenwesen. Genau an diesen Punkten setzt das DRK mit Beratung, Begleitung und einem wachsenden Netzwerk an.
Walter Wagner, Präsident des Kreisverbands, betonte den modernen Ansatz des DRK: Die Bereiche Jugend, Beratung und Wohnraumsicherung arbeiten eng zusammen. Aktuell wird sogar über eine Wohnraumgruppe für Jugendliche nachgedacht.
1.576 Beratungsgespräche in nur einem Jahr
Seit Caroline Müller im Juni 2023 die Arbeit in der Wohnraumsicherung aufgenommen hat, zeigt sich, wie groß der Bedarf ist. Ohne Werbung startete sie im August 2023 mit den ersten Beratungen. Bis Jahresende betreute sie bereits 44 Fälle in der Stadt Alzey – neun davon konnten erfolgreich in Wohnraum vermittelt werden.
Im Jahr 2024 kamen insgesamt 1.576 Beratungsgespräche zustande. Rund 70 Fälle laufen derzeit parallel, teilweise auch mehr. Viele Menschen suchen frühzeitig Unterstützung, andere wiederum erst dann, wenn es bereits kritisch wird.
Ein besonderes Erfolgserlebnis tritt im Dezember 2025 ein: Drei obdachlose Männer können dank enger Vermieterkontakte zum 15. Dezember in neue Wohnungen einziehen. Für Müller ein Meilenstein ihrer bisherigen Arbeit.
Miteinander statt Anonymität: Frühzeitig Hilfe suchen
Für Caroline Müller ist klar: Die wachsende Wohnungsnot verstärkt auch die soziale Verantwortung aller Beteiligten. Wichtig sei, dass Menschen mit absehbaren Zahlungsschwierigkeiten frühzeitig Beratung aufsuchen. Wer ein Jahr lang keine Miete zahlt, habe es anschließend deutlich schwerer.
Auch Vermieter werden ermutigt, aktiv zu werden, bevor sich Probleme verfestigen. Nicht jede Mietbeziehung lasse sich retten – doch viele Vermieter seien durchaus bereit, Mieter in schwierigen Lebenslagen zu halten, wenn es Unterstützung gibt.
Lob für regionale Wohnungsunternehmen
Müller hebt besonders die Zusammenarbeit mit der Alzeyer Baugesellschaft und dem Kreisbauverein Alzey-Worms hervor. Beide seien verlässliche Partner und zeigten Verständnis für die Situation vieler Menschen. Auffällig sei, dass die Bindung zur Kommune stark ist – die meisten Betroffenen möchten unbedingt in Alzey bleiben, trotz der angespannten Lage.
Gleichzeitig trifft neuer Wohnbau häufig nicht die finanziellen Möglichkeiten vieler Menschen. Die Herausforderung liege daher auch darin, passende Mieter-Vermieter-Konstellation en zu finden. Für Müller ein tägliches Puzzlespiel.
Versteckte Wohnungslosigkeit nimmt zu
Ein weiteres wachsendes Problem ist die verdeckte Wohnungslosigkeit: Menschen, die bei Bekannten unterkommen, in Notlösungen leben oder kurz vor dem Verlust ihrer Wohnung stehen. Auch aus dem Landkreis erreichen das DRK hierzu vermehrt Anfragen.
Förderung soll Arbeit langfristig sichern
Mit dem Förderbescheid des Landes und der Unterstützung durch die ISB wird die Arbeit der Wohnraumsicherung weiter gefestigt. Ziel ist es, Beratung, Netzwerkaufbau und Vermittlung von Wohnraum dauerhaft zu stärken, um Menschen in schwierigen Lebenslagen gezielt zu unterstützen.
Text: SP/MM/Redaktion Die Knipser





























