Im Ein-Mann-Theaterstück „Einigkeit und Recht und Freiheit“ bringt Schauspieler Tino Leo die Demokratiegeschichte von 1848/49 vor Wormser Schülerinnen und Schülern lebendig auf die Bühne und kommt anschließend mit ihnen über die Bedeutung demokratischer Werte ins Gespräch. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser
Der Schauspieler und Autor Tino Leo hat an den Wormser Gymnasien erneut für Begeisterung gesorgt: Vor Schülerinnen und Schülern des Gauß- sowie des Rudi-Stephan-Gymnasiums präsentierte er sein Ein-Personen-Stück „Einigkeit und Recht und Freiheit“, das im Auftrag der Landesregierungen Rheinland-Pfalz und Hessen entstanden ist. Im Anschluss an die Aufführung entwickelte sich ein lebendiger Austausch über historische Ereignisse und ihre Bedeutung für die Gegenwart.
Reise in eine Zeit im Umbruch
In seinem Stück beleuchtet Leo die politischen Spannungen des 19. Jahrhunderts – vom Wiener Kongress 1815 bis zum Scheitern der Revolution 1848/49. Dabei schlüpft er in die Rollen bedeutender Persönlichkeiten dieser Epoche, darunter Staatsmann Metternich oder der preußische Monarch Friedrich Wilhelm IV.
Im Zentrum der Erzählung steht die Lebensgeschichte des rheinhessischen Politikers Johann Adam von Itzstein, der als liberaler Vordenker gilt und im Paulskirchenparlament eine zentrale Rolle einnahm. Viele der damals formulierten Grundrechte – inspiriert von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – bilden heute das Fundament des deutschen Grundgesetzes.
Schüler erleben Geschichte in direkter Form
Die Schülerinnen und Schüler verfolgten die Darbietung aufmerksam und beteiligten sich anschließend rege an der Diskussion. Viele zeigten sich beeindruckt davon, wie Leo mit minimalen Requisiten verschiedenste Charaktere darstellt – oft nur durch Gestik, Sprache oder kleine Veränderungen im Kostüm.
Eine Schülerin verglich die damalige politische Unruhe mit der heutigen gesellschaftlichen Situation, in der demokratische Werte wieder stärker unter Druck geraten. Andere bemerkten, wie ungewohnt es sei, die deutsche Flagge im ursprünglichen, historischen Kontext zu betrachten und nicht nur als Fanartikel bei sportlichen Ereignissen.
Bezug zur heutigen Demokratie
Leos Botschaft war klar: Die Errungenschaften der Revolution von 1848/49 wirken bis heute nach – und Freiheit und Grundrechte seien keine Selbstverständlichkeit.
Auch Julian Kallmann, Schulleiter des Gauß-Gymnasiums, unterstrich die Bedeutung historischer Aufklärung: In einer Zeit, in der Menschenrechte zunehmend infrage gestellt werden, sei es wichtig, junge Menschen für demokratische Werte zu sensibilisieren.
Besonders eindrücklich wirkte das abschließende Zitat des Abgeordneten Robert Blum, das Leo den Jugendlichen mit auf den Weg gab:
„Es hätte nie etwas Großes gegeben, wenn jeder gedacht hätte: Du änderst ja doch nichts.“
„Es hätte nie etwas Großes gegeben, wenn jeder gedacht hätte: Du änderst ja doch nichts.“
Engagement fördern – auch außerhalb des Unterrichts
Leo, der für die Aufführung bereits zum 199. Mal auf der Bühne stand, berichtete auch von den Recherchen, die dem Stück zugrunde liegen: Besuche originaler Schauplätze in Frankfurt und dem Rheingau sowie das Studium historischer Quellen.
Sein Appell an die Jugendlichen war deutlich: Sich aktiv einzubringen – in Schule, Verein oder Gesellschaft – sei der entscheidende Schritt, um unsere Demokratie lebendig zu halten.
Ermöglicht wurde die Aufführung durch das „Bündnis für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“ Worms, dem Schulleiter Kallmann seinen ausdrücklichen Dank aussprach.
Text: VM/Redaktion Die Knipser





























