Archivfoto: Mirco Metzler/ Die Knipser

Landkreis steuert auf Rekorddefizit zu – Situation nicht hausgemacht

In der letzten Sitzung des Jahres 2025 hat der Kreistag des Landkreises Alzey-Worms den Haushalt für das Jahr 2026 einstimmig beschlossen. Nach intensiven Beratungen in den Fachausschüssen legte Landrat Heiko Sippel den Kreistagsmitgliedern das umfangreiche Zahlenwerk vor, das nun offiziell verabschiedet worden ist.

Der Haushalt 2026 weist ein deutliches Defizit auf: Rund 19,6 Millionen Euro fehlen im kommenden Jahr, trotz der eingeplanten 8,3 Millionen Euro aus dem Landeszuschuss im Rahmen des Programms „Handlungsstarke Kommunen“. Landrat Heiko Sippel kommentierte die Haushaltslage mit besorgniserregenden Worten: „Es droht ein Finanzgewitter. Die finanzielle Situation des Landkreises ist derzeit so angespannt wie nie zuvor.“ Diese Situation sei nicht hausgemacht, sondern vielmehr ein Resultat der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen sowie der stark wachsenden Sozial- und Jugendhilfekosten. „Angesichts der aktuellen Konjunkturlage und der steigenden Kosten reicht es hinten und vorne nicht mehr“, konstatierte Sippel.

 Im Finanzhaushalt klafft ein Fehlbetrag von 13,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug der Fehlbetrag nach einem Nachtrag noch 7,1 Millionen Euro. Trotz jährlich steigender Einnahmen (306 Millionen Euro im Jahr 2026 gegenüber 292 Millionen Euro im Jahr 2025) wächst der Schuldenberg des Landkreises weiter an. Der Landrat machte deutlich, dass die Ursachen hierfür klar seien: „Der Kreis muss immer mehr Pflichtaufgaben übernehmen, ohne dass Bund und Land die Kosten ausreichend refinanzieren. Deshalb müssen zentrale Aufgaben zunehmend über Kredite finanziert werden. Das Ergebnis: Die Zinslast steigt, ein Schuldenabbau rückt in weite Ferne. Der erhoffte Entlastungseffekt durch das Entschuldungsprogramm verpufft vollständig.“ Ein wesentlicher Treiber des Defizits sind die explodierenden Kosten im Bereich der Sozial- und Jugendhilfe. Allein im Bereich der Jugendhilfe steigen die Kosten im Jahr 2026 um rund neun Millionen Euro. Der Sozialhaushalt benötigt zusätzlich fast sechs Millionen Euro. „Die Verwaltung spart bereits, wo es geht“, betonte der Landrat. Um die Ausgaben in diesem Bereich zu optimieren, erhofft man sich künftig Unterstützung von einem Controller, der die Kosten im Sozialbereich einer kritischen Prüfung unterziehen soll.

Trotz der angespannten Haushaltslage gibt es auch positive Entwicklungen: „Die Wirtschaft im Landkreis ist robust und gut aufgestellt“, stellte Sippel fest. Der Anteil der Gemeinden an der Einkommensteuer wächst um 5 Millionen Euro, die Gewerbesteuer bringt den Gemeinden 3,6 Millionen Euro mehr. Über die Kreisumlage, deren Hebesatz unverändert bleibt, erhält der Landkreis einen Anteil von 48,4 % der Steuereinnahmen. Diese positiven Indikatoren zeigten, dass der Landkreis wirtschaftlich gut aufgestellt sei. Allerdings gebe es durch die Reform der Grundsteuer auch Einnahmeausfälle, sodass die Summe der Kreisumlage nur um insgesamt knapp 3 Millionen ansteigt.

Die freiwilligen Leistungen des Landkreises machen nur noch 0,54 Prozent des Gesamthaushalts aus. Hierzu zählen unter anderem der Mitgliedsbeitrag an die Rheinhessen-Touristik (plus 30.000 Euro), die Sanierung des Zeltplatzes in Nieder-Wiesen (40.000 Euro) sowie die Kreismusikschule und Zuschüsse an Beratungsstellen. Einstimmig verabschiedet wurde auch der Wirtschaftsplan des Abfallwirtschaftsbetriebes. Das neue Gebührensystem, das am 1. September dieses Jahres in Kraft trat, zeigt bereits Wirkung: Die Abfallmenge konnte im zweiten Halbjahr dieses Jahres um 40 Prozent reduziert werden, was zu Einsparungen bei der teuren Verbrennung führt. Auch der Wirtschaftsplan des Kreiskrankenhauses wurde ohne Gegenstimme angenommen. Trotz der angespannten Haushaltslage zeigt die einstimmige Verabschiedung des Haushaltsplans die Handlungsfähigkeit des Kreistags und die konstruktive Zusammenarbeit aller Fraktionen. Der Kreistag ist entschlossen, die Herausforderungen des kommenden Jahres gemeinsam zu meistern und Lösungen zu finden, um die finanzielle Lage langfristig zu stabilisieren