Foto: TV Hüttenberg / Eulen Ludwigshafen

2. Weihnachtsfeiertag, Sportzentrum Hüttenberg, 1450 Zuschauer – ausverkauft: Die Eulen Ludwigshafen entführen beim 27:27 nach 10:13-Halbzeitrückstand einen Punkt beim TV Hüttenberg. Und das obwohl sie 1:5, 10:13 und 15:18 zurücklagen. Also ein Punktgewinn? Andererseits führten die Eulen auch 10:9, 21:18 und 26:23. Also doch ein Punktverlust? „Wir sind mit dem einen Punkt sehr zufrieden. Für uns als Eulen ist das nicht selbstverständlich“, relativiert Eulen-Coach Michael Haaß, der aber auch gestand, angesichts des Spielverlaufs mit dem zweiten Punkt geliebäugelt zu haben. Der war nach der atemberaubenden Berg- und Talfahrt greifbar nahe: 83 Sekunden vor Schluss warf der unermüdliche Marc-Robin Eisel die Eulen in Führung: 27:26.

Dann egalisierte Tim Rüdiger vom Siebenmeterstrich zum 27:27-Endstand. Die Schiedsrichter hatten Kian Schwarzer im Kreis gesehen. „Im Kampf um den Klassenerhalt hilft uns das Unentschieden immens“, sagte der Eulen-Trainer. Am 23. Januar (18 Uhr) schon gibt’s ein Wiedersehen der Eulen mit dem TV Hüttenberg in einem Vorbereitungsspiel in der Günter-Braun-Halle in Ludwigshafen. „Mit Platz 10 bis 12 ist keiner zufrieden“, grollt TVH-Coach Stefan Kneer. 2013/14 spielte er mit Michael Haaß beim SC Magdeburg in der Bundesliga.

Zur Pause 10:13 in Rückstand

Die Eulen erleben in den ersten sieben Minuten des Weihnachtsspiels ein Waterloo. Drei technische Fehler tragen zum 1:5-Rückstand bei, die Eulen agieren vogelwild und irritiert ob der offensiven Deckung der Hüttenberger. Es schien, als sei ihr Navi im Funkloch. Michael Haaß gelingt in der frühen ersten Auszeit die Kurskorrektur, obwohl der sonst so abschlussstarke Theo Straub (0 von 2) nach Stübers perfektem Pass die Konterchance aus der Hand gibt. Aber die Variante mit dem siebten Feldspieler, Lars Röller als zweitem Kreisläufer neben Freddy Stüber, fruchtet. In der 16. Minute trifft Friedrich Schmitt zum 7:7. Auch den neuerlichen Rückstand stecken die mental starken Eulen weg, die in Žiga Urbič erneut einen starken Rückhalt wissen. Nach 19 Minuten führt der TVH 9:7, dann trifft Tim Schaller vom Punkt und Schmitt hämmert das Runde zum 9:9 ins Eckige.

In der 24. Minute gehen die Eulen durch Schmitt nach Zuspiel von Finn Leun erstmals in dieser Partie in Führung. Doch das 10:9 hat nicht lange Bestand, Paul Ohl gleicht aus. Die Eulen bleiben dann sechs Minuten ohne eigenen Treffer, schießen sich mit drei Fehlpässen selbst ab. Zweimal gibt Finn Leun den Fehlerteufel, TVH-Kapitän Hendrik Schreiber trifft zum 11:10 und 12:10 ins leere Tor. Das ist verwaist, weil Urbič nach Mihailo Ilics zweiter Zeitstrafe draußen ist. Gegentor Nummer 13 leitet Matteo Menges mit einem Fehlpass ein, Phil Spandau nimmt die Einladung dankend an – 13:10 zur Pause. Nach dem 0:4-Lauf zwischen Minute 3 und Minute 7 ist es zwischen der 25. und 30. Minute die zweite fatale 0:4-Serie in diesem Spiel.

Die erkämpfte Wende

Nach der Pause drehen Finn Leun (6 von 8), Marc-Robin Eisel (7 von 10) und Friedrich Schmitt (6 von 8) auf. Nach Foul an Leun verkürzt Tim Schaller per Siebenmeter: 12:14 (32.), Eisel schafft den Anschluss (13:14). Die Chance zum Ausgleich gibt Schaller dann aus der Hand, scheitert beim Gegenstoß an Shamir (33.). Leun und Eisel, den Leun klasse bedient, gleichen aus. Ein Stürmerfoul von Paul Ohl bleibt ungesühnt – der TVH führt 16:15, Phil Spandau erhöht auf 17:15, Schallers Konter endet am Innenpfosten, Lasse Ohl markiert das 18:15 (39.). Die Eulen stehen an der Wand und stehen wieder auf. Sie beweisen Moral, Charakter, Resilienz: 18:16 Leun, 18:17 Stüber, 18:18 Schaller, 18:19 Schaller nach perfektem Gegenstoß über Ilic und Stüber, 18:20 Eisel, 18:21 Leun.

Finn Leun ist wieder da

Es bleibt bis zum Ende spannend, es ist eng. Dramatik pur! Beim Stand von 23:25, von Linksaußen Kian Schwarzer von rechts erzielt (52.), sieht TVH-Mittelmann Kompenhans nach Foul an Schwarzer die Rote Karte (53.). Eine zu harte Entscheidung! Sechs Minuten vor Schluss sorgt Eulen-Torjäger Schmitt für die 26:23-Führung der Eulen. Ein technischer Fehler Eisels bringt die Mittelhessen wieder in Ballbesitz und durch Schreiber zum 24:26. Dann verzieht „Vorarbeiter“ Eisel. Lasse Ohl – 25:26. Die Fehlerkette: technischer Fehler Schmitt, Leun am Tor vorbei – Ausgleich Rüdiger. Aus den Lautsprechern erklingt der Beatles-Hit Hey Jude. Die Hallenuhr steht bei 58.37 Minuten, da wirft Eisel mit aller Entschlossenheit die Eulen in Führung: 27:26! Sie bringen die zwei Punkte aber nicht über die Ziellinie.

„Ein Punkt ist immer ein gewonnener Punkt. Das ist immer positiv. Hüttenberg hat eine sehr gute Mannschaft, ist daheim eine Macht. Für uns ist das ein weiterer Schritt nach vorne“, bekundet Kian Schwarzer. „Die Eulen waren auswärts zuletzt nicht erfolgreich. Die vier Punkte aus den Spielen in Potsdam, Ferndorf und Hüttenberg sind dann schon mal gut“, frohlockte Finn Leun nach seinem bisher besten Saisonspiel. Leun: „Es war ein Spiel mit sehr unterschiedlichen Phasen. Wir lagen dreimal deutlich zurück, kommen zurück, liegen am Ende vorne … Es ist ein gerechtes Unentschieden. Ich kam gut ins Spiel, dann die zwei Fehlpässe mit der Doppelstrafe ins leere Tor. Am Ende dürfen wir zufrieden sein.“

Danke, Mannschaft!

„Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen, weil sie zweimal einen 3- bis 4 Tore-Rückstand wettgemacht hat, ohne die Linie zu verlieren, ohne komplett unruhig zu werden. Das spricht so ein bisschen für die Entwicklung, die wir in letzter Zeit genommen haben“, erklärt „Micha“ Haas: „Ich finde, wir haben über 60 Minuten eine überragende Abwehr mit einem überragenden Torhüter gespielt, tun uns aber im Angriff gegen eine sehr starke Abwehr schwer, die uns vor Aufgaben stellt und geben viele leichte Bälle her…“

Geschäftsstelle in der Winterpause

Die neu gestaltete, optisch merklich aufgefrischte Eulen-Geschäftsstelle in der Luitpoldstraße 42 in Friesenheim ist bis zum 12. Januar 2026 in der Winterpause. Ab 13. Januar 2026 ist die Geschäftsstelle zu den üblichen Zeiten wieder besetzt.