Archivfoto: Mirco Metzler/Die Knipser

Für Samstag, den 17. Januar 2026, ist in Alzey eine Demonstration angekündigt, die dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird und sich inhaltlich auf die Gründung des Deutschen Reiches bezieht. Parallel dazu ist in der Innenstadt eine Gegendemonstration geplant. Beide Veranstaltungen sind bei den zuständigen Behörden angemeldet.

Nach Angaben der Kreisverwaltung findet die Demonstration am 17. Januar statt. Zeitgleich ruft das Bündnis „Alzey zeigt Gesicht“ ab 14 Uhr auf dem Roßmarkt zu einer Gegendemonstration auf. Mit Blick auf den Termin erklärte ein Sprecher des Bündnisses, dass der Jahrestag der Reichsgründung seit Jahren in der rechten Szene aufgegriffen werde und entsprechende Anmeldungen daher nicht überraschend seien.

Historischer Bezug auf das „Deutsche Reich“

Der Begriff „Deutsches Reich“ bezeichnet den deutschen Staat in unterschiedlichen historischen Phasen zwischen 1871 und 1945. Historiker unterscheiden dabei das Deutsche Kaiserreich (1871–1918), die Weimarer Republik (1918–1933) sowie die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur (1933–1945), die von den Nationalsozialisten selbst als „Drittes Reich“ bezeichnet wurde.

Das Deutsche Kaiserreich entstand 1871 nach dem Sieg Preußens über Frankreich aus dem Norddeutschen Bund und den süddeutschen Staaten. Die staatliche Ordnung war föderal organisiert, die demokratische Mitbestimmung jedoch stark eingeschränkt.

Politische Strukturen im Kaiserreich

Staatsoberhaupt des Kaiserreichs war der deutsche Kaiser, der zugleich König von Preußen war. Er ernannte den Reichskanzler, der dem Parlament politisch nicht verantwortlich war. Zwar existierte mit dem Reichstag ein gewähltes Parlament, die maßgebliche politische Entscheidungsgewalt lag jedoch beim Kaiser und beim Bundesrat, in dem Preußen eine dominierende Rolle einnahm.

Die politische Entwicklung des Kaiserreichs wurde insbesondere durch den ersten Reichskanzler Otto von Bismarck geprägt. Seine Regierungszeit war gekennzeichnet durch ein autoritär geprägtes Staatsverständnis sowie durch Maßnahmen gegen sozialdemokratische und liberale Bewegungen. Gleichzeitig wurden in dieser Zeit soziale Sicherungssysteme eingeführt.

Einordnung durch die Geschichtswissenschaft

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs brach das Kaiserreich 1918 zusammen. Die politischen und wirtschaftlichen Krisen der folgenden Jahre mündeten schließlich in die nationalsozialistische Diktatur. Vor diesem Hintergrund weisen Historiker darauf hin, dass Bezüge auf das „Deutsche Reich“ nicht losgelöst von dieser historischen Entwicklung betrachtet werden können.

Da nationalsozialistische Symbole in Deutschland verboten sind, werden bei Demonstrationen aus dem rechtsextremen Spektrum häufig historische Ersatzsymbole verwendet, darunter die schwarz-weiß-rote Flagge des Kaiserreichs. Diese ist rechtlich zulässig, wird in der Forschung jedoch als politisches Symbol interpretiert, das mit einer Ablehnung der heutigen parlamentarischen Ordnung in Verbindung gebracht wird.

Auswirkungen auf Verkehr und öffentliche Ordnung

Die Demonstration ist bei der Kreisverwaltung ordnungsgemäß angemeldet. Entlang der geplanten Route kann es am Samstag, 17. Januar 2026, zu kurzfristigen Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Größere Einschränkungen werden nach Angaben der Verwaltung nicht erwartet. Angaben zur genauen Route wurden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht.

Text: SR/Redaktion Die Knipser