Wahlplakate prägen im Wahlkampf das Straßenbild in vielen Städten. Gleichzeitig wünschen sich viele Bürger mehr Inhalte und direkten Dialog mit Politikerinnen und Politikern. Foto: Mirko Müller/Die Knipser

Im Wahlkampf gehören sie zum gewohnten Bild: große Plakate mit lächelnden Kandidatinnen und Kandidaten, daneben ein kurzer Slogan. Wochen vor einer Wahl prägen sie Straßen, Kreuzungen und Laternenmasten. Auch in Worms bestimmen Wahlplakate derzeit das Stadtbild. Sie machen auf Parteien und Kandidaten aufmerksam und erinnern daran, dass eine wichtige Entscheidung bevorsteht. Gleichzeitig wird immer wieder darüber diskutiert, wie viel politische Aussagekraft tatsächlich in diesen Bildern steckt.
 
Wahlplakate sind seit Jahrzehnten Teil demokratischer Wahlkämpfe. Sie schaffen Sichtbarkeit und Präsenz im öffentlichen Raum. Doch auf einem Plakat bleibt meist nur Platz für ein Gesicht und wenige Worte. Für komplexe Themen, Programme oder konkrete Lösungsansätze ist dort kaum Raum. Viele Menschen wünschen sich deshalb mehr als reine Präsenz auf Papier. Politik müsse stärker durch Inhalte überzeugen und den direkten Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen.
 
Gerade junge Menschen finden über klassische Wahlplakate oft nur schwer Zugang zur Politik. Wenn Botschaften auf Schlagworte reduziert werden, fehlen häufig Hintergründe und Orientierung. Wer sich informieren möchte, sucht eher Gespräche, Diskussionen oder Veranstaltungen, bei denen Themen ausführlicher erklärt werden können.
 
Auch beim Aufhängen der Plakate gelten klare Regeln. In Worms dürfen Parteien ihre Wahlwerbung nur innerhalb bestimmter Vorgaben anbringen. Die Plakatierung begann mehrere Wochen vor der Landtagswahl und ist seit Anfang Februar erlaubt. Grundsätzlich dürfen Plakate an vielen Stellen im öffentlichen Raum angebracht werden, jedoch nicht überall.
 
So ist Wahlwerbung in unmittelbarer Nähe von Wahllokalen untersagt. In einem Abstand von etwa 15 Metern rund um den Eingang dürfen keine Plakate hängen. Ebenso sind bestimmte Bereiche aus Gründen der Verkehrssicherheit tabu. Dazu zählen unter anderem Kreuzungen, Einmündungen, Kreisverkehre sowie Fußgängerüberwege oder Verkehrsinseln. Auch an diesen Stellen muss ein ausreichender Abstand eingehalten werden, damit die Sicht im Straßenverkehr nicht eingeschränkt wird.
 
Darüber hinaus gelten genaue Vorgaben für die Befestigung der Plakate. Pro Mast dürfen maximal zwei Plakate übereinander angebracht werden, jeweils auf Vorder- und Rückseite. Andere Parteien dürfen dabei nicht überplakatiert werden. Die Größe der Wahlplakate ist ebenfalls begrenzt und darf höchstens dem Format DIN A0 entsprechen. Befestigt werden dürfen sie beispielsweise an Laternen- oder Fahnenmasten. Verkehrszeichen, Brückengeländer oder Bäume sind hingegen tabu.
 
Auch auf Gehwegen müssen bestimmte Abstände eingehalten werden, damit Fußgänger ausreichend Platz haben. Zudem dürfen Plakate nicht so angebracht sein, dass sie Ein- und Ausfahrten verdecken oder die Sicht im Straßenverkehr beeinträchtigen. Werden Plakate in größerer Höhe befestigt, gelten Mindesthöhen über Gehwegen, Radwegen oder Fahrbahnen.
 
Die Parteien sind selbst dafür verantwortlich, dass ihre Plakate sicher angebracht sind und keine Gefährdung darstellen. Dazu gehört auch, beschädigte oder umgestürzte Plakate zu kontrollieren und gegebenenfalls wieder zu befestigen oder zu entfernen. Werden die Vorgaben nicht eingehalten, kann die zuständige Behörde eingreifen und die Plakate entfernen lassen. Die entstehenden Kosten müssen dann von den Verantwortlichen getragen werden.
 
Auch nach der Wahl endet die Pflicht der Parteien nicht sofort. Spätestens einige Tage nach dem Wahltag müssen die Wahlplakate wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Damit soll verhindert werden, dass sie dauerhaft im öffentlichen Raum hängen bleiben.
 
Trotz aller Regeln bleibt die Frage, welche Rolle Wahlplakate heute noch spielen. Sie sorgen für Aufmerksamkeit und gehören traditionell zum Wahlkampf. Doch sie ersetzen nicht den persönlichen Austausch. Wer Menschen überzeugen will, muss mehr bieten als ein freundliches Foto und einen kurzen Slogan. Entscheidend bleibt, ob Politik bereit ist zuzuhören, Inhalte zu vermitteln und mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.
 
Text: LC/Redaktion Die Knipser