Foto: VG Eich

In ganz Europa erinnern Menschen an vielen Orten an die Opfer des Nationalsozialismus. Ein besonders eindrucksvoller Teil dieser Erinnerungskultur sind die sogenannten Stolpersteine. Sie holen die Geschichte zurück in den Alltag. Dorthin, wo sie einst geschah.

Jeder dieser Steine ist einem einzelnen Menschen gewidmet. Sie erinnern an jüdische Bürgerinnen und Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln sind in den Gehweg eingelassen, meist vor den letzten freiwillig gewählten Wohnorten der Opfer. Sie tragen Namen, Geburtsjahr sowie Informationen über Deportation und Schicksal. So geben sie den Menschen, die vertrieben oder deren Leben ausgelöscht wurde, symbolisch ihren Platz im öffentlichen Gedächtnis zurück.

Das europaweite Projekt wurde von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Mittlerweile hat er weit über 100.000 Stolpersteine verlegt und wurde für sein Engagement unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Steine (mit einer Kantenlänge von 96 Millimetern) sind bewusst so gestaltet, dass Passanten im übertragenen Sinne darüber „stolpern“ und innehalten und werden dabei in der Regel von ihm selbst verlegt.

Am Mittwoch, 15. April wurden nun auch in den Gemeinden Hamm am Rhein und Eich mit der Verlegung von Stolpersteinen wichtige Zeichen gesetzt. Sie erinnern an das Leid der Familien, die einst hier lebten.

In Hamm am Rhein wurde in der Neugasse 20 Frieda, Lina, Melanie und Alma Hess sowie Arthur Kaiser gedacht, sie lebten seit 1908 in der Gemeinde. Sie waren Teil der Gemeinschaft und führten ein zufriedenes und erfülltes Leben, bis sie 1938 Opfer der nationalsozialistischen Pogrome wurden.

In Eich erinnern ab sofort Stolpersteine in der Altrheinstraße 54 an die Familie Jakobi. Lina, Edith, Helene und Otto Jakobi lebten dort über viele Jahrzehnte. Bis Mitte der 1930er-Jahre war Eich ihr Zuhause. Mit der Verlegung der Steine wird ihre Geschichte sichtbar gemacht – und deutlich, dass sie nicht vergessen sind.

Besonders bewegend war die Anwesenheit der Nachfahren beider Familien, die zur Verlegung aus USA angereist waren und dankbar an der Gedenkveranstaltung teilnahmen.

Unsere Region war über einen langen Zeitraum Heimat jüdischer Familien. Sie waren fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, bis die nationalsozialistische Gewaltherrschaft dieses Zusammenleben zerstörte. Die Stolpersteine leisten einen wichtigen Beitrag dazu, Erinnerung lebendig zu halten. Sie regen zum Nachdenken an und schaffen Bewusstsein für die Geschichte vor der eigenen Haustür. Sie bringen Vergangenheit in die Gegenwart. Leise, aber eindringlich.

Ein herzlicher Dank gilt den Initiatoren der Stolpersteinverlegung, die mit großem Engagement und persönlichem Einsatz dazu beitragen, die Erinnerung lebendig zu halten. Ebenso allen, die sich um die Pflege der Stolpersteine kümmern und sie regelmäßig reinigen. Ebenso verdienen die Sponsoren große Anerkennung für ihre Unterstützung.

Die Opfer von damals dürfen nicht vergessen werden. Durch die Stolpersteine bleiben sie ein Teil von Hamm am Rhein und Eich. Sichtbar, würdig und dauerhaft im Gedächtnis verankert.