Die Gedenkstätte KZ Osthofen erinnert an die Schicksale der Menschen, die im Nationalsozialismus ausgegrenzt und verfolgt wurden. Archivfoto: Mirco Metzler/Die Knipser

Am Mittwoch, den 27. Mai 2026 um 18 Uhr laden der Förderverein Projekt Osthofen e.V. und die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (LpB) zum Vortrag „Eine ‚asoziale‘ Pfälzer Familie. Wie in der NS-Zeit aus einem Sozialfall moralische Minderwertigkeit gemacht wurde“ in die Gedenkstätte KZ Osthofen (Am Ziegelhüttenweg 38) ein. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Sonderausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute“ statt.

Alfons Ludwig Ims, geboren 1949 in Kaiserslautern, spricht über seine im Nationalsozialismus und nach 1945 als „asozial“ stigmatisierte Familie. Seine Großeltern kamen aus Sankt Alban, der Vater wurde 1900 in Kaiserslautern geboren und hatte in erster Ehe neun Kinder. Der Nazi-Ideologie zufolge war die Familie aber keine kinderreiche Familie, sondern eine „asoziale Großfamilie“. Sie lebte in Armut und unter schwierigen Bedingungen. Statt Hilfe erwartete sie im Nationalsozialismus Zwangsmaßnahmen: Die erste Ehefrau wurde zwangssterilisiert und verstarb, die Kinder kamen in Heime. Ims‘ Vater heiratete erneut. Seine zweite Ehefrau und Mutter von Alfons Ludwig Ims kämpfte bis 1951 dafür, dass alle Geschwister zur Familie zurückkommen konnten. Unter ihnen war auch eine spätere Bewohnerin von Göllheim, die 1938 zur Fürsorgeerziehung eingewiesen worden war. 15-jährig ist sie durch Bombardierung von Frankenthal der Zwangssterilisation entronnen und wurde erst 1946 wieder nach Hause entlassen.

Der studierte Mathematiker Alfons Ludwig Ims war 40 Jahre in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig. Seit 2010 befasst er sich mit den Themen „NS-Euthanasie“, Zwangssterilisation und der „Asozialen“-Politik der Nationalsozialisten. Er engagiert sich dazu in verschiedenen Gremien. Alfons Ludwig Ims hat die Geschichte seiner Familie recherchiert und diese 2022 unter dem Titel „Eine ‚asoziale‘ Pfälzer Familie. Wie in der NS-Zeit aus einem Sozialfall moralische Minderwertigkeit gemacht wurde“ veröffentlicht.

Eine Anmeldung unter 06242/910810 oder info@ns-dokuzentrum-rlp.de ist erbeten. Die Teilnahme ist kostenlos.

Zur Sonderausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute“:

Die Ausstellung erinnert an Menschen, die im Nationalsozialismus als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verfolgt wurden. Zwischen 1933 und 1945 griffen Behörden und Polizei gesellschaftliche Vorurteile auf. Sie kontrollierten, drangsalierten und beraubten Zehntausende ihrer Freiheit. Viele wurden ermordet. Die Bundesrepublik, die DDR und Österreich verweigerten den Betroffenen eine Entschädigung, ihre Unrechtserfahrungen wurden verleugnet. Erst 2020 beschloss der Deutsche Bundestag ihre Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus.

Die Sonderausstellung ist vom 22. April bis zum 19. Juni in der Gedenkstätte KZ Osthofen zu sehen.

Die Öffnungszeiten der Gedenkstätte KZ Osthofen

Di – Fr: 9.00 – 17.00 Uhr Sa: 13.00 – 17.00 Uhr So/Feiertage: 11.30 – 17.00 Uhr