Landrat Heiko Sippel informierte beim Stammtisch der SPD Osthofen über das neue Behältertarifmodell im Landkreis Alzey-Worms. Foto: Ephraim Härer / SPD Osthofen

Die neuen Abfallgebühren im Landkreis Alzey-Worms standen im Mittelpunkt eines Stammtischgesprächs der SPD Osthofen mit Landrat Heiko Sippel. In der Gaststätte La Quercia – Zur Eiche informierte Sippel über das seit Juli 2025 geltende Behältertarifmodell, die Hintergründe der Reform und erste Erfahrungen mit dem neuen System.

Das neue Gebührenmodell war notwendig geworden, da der Landkreis Alzey-Worms bei der Restmüllmenge lange Zeit einen Spitzenplatz in Rheinland-Pfalz einnahm. Pro Person fielen zuletzt rund 17 Liter Restmüll pro Woche an. Gleichzeitig stiegen die Kosten durch einen neuen Vertrag mit den Entsorgungsdienstleistern um rund 1,6 Millionen Euro.

Nach Angaben von Sippel bestanden große Teile des Restmülls aus Wertstoffen, die eigentlich über andere Entsorgungswege hätten gesammelt werden können. Pro Einwohner entstanden jährlich etwa 180 Kilogramm Restmüll, obwohl ein erheblicher Anteil davon aus Papier, Plastik oder Biomüll bestand. Dies führte nicht nur zu höheren Entsorgungskosten, sondern verhinderte auch eine bessere Nutzung recyclingfähiger Materialien.

Der Landrat erläuterte, dass eine konsequente Mülltrennung sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich Vorteile bringe. Während Restmüll überwiegend verbrannt werde und dadurch weitere Kosten entstünden, könnten Papier und Biomüll sinnvoll weiterverarbeitet werden. Papier werde recycelt und wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt. Biomüll werde gemeinsam mit Grünschnitt auf der Vergärungsanlage in Framersheim zu Kompost verarbeitet und anschließend wieder in der Landwirtschaft eingesetzt.

„Trennen lohnt sich also“, betonte Sippel. Dieser Grundsatz spiegele sich auch im neuen Gebührenmodell wider. Die grauen Restmülltonnen werden kleiner, gleichzeitig verlängert sich der Abfuhrrhythmus von zwei auf drei Wochen. Wer weniger Restmüll produziert und die Tonne seltener zur Leerung bereitstellt, kann Gebühren sparen. „Wenn Sie die graue Tonne nicht regelmäßig alle drei Wochen herausstellen, können Sie bis zu 13-mal die Leerungsgebühr sparen“, erklärte der Landrat.

Beim bisherigen Modell waren alle Leerungen bereits über die Grundgebühr abgedeckt. Dadurch bestand kaum ein Anreiz, Müll zu vermeiden oder besser zu trennen. Das neue System setzt nun stärker auf den Gedanken: „Weniger Leerungen bedeutet geringere Gebühren.“ Vier Leerungen pro Jahr bleiben weiterhin inklusive.

Bei der Biomüllentsorgung gibt es dagegen nur geringe Veränderungen. Die zweiwöchentliche Abholung bleibt bestehen, allerdings wird künftig stärker auf die Qualität des Bioabfalls geachtet. Mithilfe einer Fotosensorik an den Abfuhrfahrzeugen wird die oberste Schicht der Biotonne auf Störstoffe überprüft. Enthält die Tonne zu viel Plastik oder andere Fremdstoffe, kann sie stehen bleiben.

Trotz anfänglicher Kritik an der Reform sieht Sippel erste positive Entwicklungen. Bereits im Juli und August 2025 sei deutlich weniger Restmüll angefallen, während die Mengen an sortenreinem Papiermüll gestiegen seien. Auch die Qualität des Bioabfalls habe sich verbessert. Die steigende Nachfrage nach gelben und blauen Tonnen wertet der Landkreis als Zeichen dafür, dass die Bevölkerung das neue System zunehmend annimmt.

Um die Mülltrennung weiter zu erleichtern, plant der Landkreis zudem den Ausbau seiner Wertstoffhöfe. Zunächst soll der Standort in Gundersheim erweitert werden, langfristig ist auch eine Erweiterung des Wertstoffhofs in Osthofen vorgesehen. Ziel sei es, die Restmüllmenge im Landkreis weiter zu reduzieren und die bisherige Spitzenposition bei den Abfallmengen zu verlassen.

Neben dem Thema Abfallwirtschaft nahm auch der neue Landtagsabgeordnete Joshua Schmitt am Gespräch teil. Für eine der nächsten Veranstaltungen des SPD-Stammtischs ist ein Antrittsbesuch des Abgeordneten geplant.

Text: LC/Redaktion Die Knipser/SPD Osthofen