Startschuss für ein innovatives Zukunftsprojekt: Markus Conrad (Bürgermeister VG Wörrstadt), Christian Wertke (Ortsbürgermeister Armsheim), Anke Schäfer (Lohnunternehmen Schäfer, Armsheim) und Dr. Michael Peters (Geschäftsführer Ylektra GmbH) informieren sich über die geplante Agri-PV-Anlage in Armsheim. Fotos: VG Wörrstadt
Landwirtschaft und Energiewende miteinander verbinden – genau diesen Ansatz verfolgt ein neues Agri-Photovoltaik-Projekt in Armsheim. Der Ortsgemeinderat hat in seiner Sitzung am 10. Juni 2026 den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages für die geplante Anlage westlich der Autobahn A 61 beschlossen und damit einen wichtigen Schritt für die Umsetzung des Vorhabens gemacht.
Geplant ist eine Agri-PV-Anlage der Ylektra GmbH mit einer Leistung von rund 50 Megawatt auf einer Fläche von etwa 70 Hektar. Die Besonderheit: Die Flächen sollen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, während gleichzeitig erneuerbarer Strom erzeugt wird. Die erwartete Stromproduktion entspricht dem jährlichen Verbrauch von rund 20.000 Haushalten.
Dem Ratsbeschluss gingen umfangreiche Abstimmungen mit Fachbehörden und weiteren Beteiligten voraus. Eingebunden waren unter anderem die Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe, die Kreisverwaltung Alzey-Worms, die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sowie weitere Träger öffentlicher Belange. Das Projekt wurde außerdem im Ausschuss für Bauen, Planen und Infrastruktur der Verbandsgemeinde Wörrstadt sowie im Ortsgemeinderat Armsheim vorgestellt und beraten.
Mit dem städtebaulichen Vertrag werden nun die Grundlagen für das weitere Verfahren geschaffen. Im nächsten Schritt können die erforderlichen Bauleitplanverfahren eingeleitet werden. Dabei werden sowohl die Öffentlichkeit als auch die zuständigen Behörden umfassend beteiligt. Parallel wird die Änderung des Flächennutzungsplans der Verbandsgemeinde Wörrstadt vorbereitet.
Landwirtschaft bleibt erhalten
Ein zentraler Vorteil des Projekts liegt in der Kombination von Energieerzeugung und landwirtschaftlicher Nutzung. Nach Angaben der Ylektra GmbH können rund 90 Prozent der Fläche weiterhin bewirtschaftet werden. Die bestehende Fruchtfolge mit Zuckerrüben und Getreide soll erhalten bleiben.
Möglich machen dies einachsig nachgeführte Solarmodule mit einem Reihenabstand von 13,5 Metern. Dadurch bleibt eine Arbeitsbreite von zwölf Metern erhalten, sodass die Flächen weiterhin mit herkömmlichen Landmaschinen bewirtschaftet werden können. Unterhalb der Modulreihen sind Blüh- und Grünstreifen geplant, die zusätzlich zur Förderung der Artenvielfalt beitragen.
Neben der Stromerzeugung können die Module auch positive Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten zeigen, dass die Beschattung dazu beitragen kann, die Verdunstung zu verringern und den Wasserhaushalt des Bodens insbesondere in längeren Hitze- und Trockenperioden zu verbessern.
Batteriespeicher entlastet Stromnetz
Bestandteil des Projekts ist außerdem ein Großspeicher, der den erzeugten Strom für zwei bis vier Stunden zwischenspeichern kann. Dadurch lässt sich die Einspeisung zeitlich steuern und das lokale Stromnetz insbesondere bei hoher Auslastung entlasten.
Die Ylektra GmbH hat sich auf hybride Agri-PV-Anlagen mit Batteriespeichern spezialisiert und entwickelt Projekte, bei denen Landwirtschaft und erneuerbare Energieerzeugung gemeinsam gedacht werden.
Auch die Ortsgemeinde Armsheim profitiert von dem Vorhaben. Neben Beteiligungsmöglichkeiten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) können langfristig zusätzliche Einnahmen für die Kommune entstehen.
„Mit diesem Leuchtturmprojekt in der Verbandsgemeinde Wörrstadt zeigen wir: Energiewende und Landwirtschaft schließen sich nicht aus – sie gehören zusammen“, erklärt Bürgermeister Markus Conrad. Gerade in Rheinhessen mit seinen hochwertigen Ackerflächen sei es wichtig, landwirtschaftliche Produktion und regenerative Energiegewinnung miteinander zu verbinden. „Dieses Projekt hat das Zeug, weit über die Verbandsgemeinde Wörrstadt hinaus als Modell zu wirken.“
Auch Armsheims Ortsbürgermeister Christian Wertke sieht große Chancen: „Das Projekt lässt unsere landwirtschaftlichen Flächen fast vollständig produktiv – und bringt der Gemeinde gleichzeitig eine verlässliche Einnahmequelle. Wir verbinden hier lokale Verantwortung für die Energiewende mit einem echten wirtschaftlichen Mehrwert für Armsheim.“
Dr. Michael Peters, Geschäftsführer der Ylektra GmbH, bezeichnet den Beschluss als wichtigen Meilenstein: „Er beweist, dass vorausschauende Kommunen die Weichen für eine intelligente Energiewende stellen können. Wir werden das Projekt nun mit Hochdruck und in enger Abstimmung mit Bürgerinnen und Bürgern sowie der Ortsgemeinde vorantreiben.“
Hintergrund: Agri-PV verbindet Landwirtschaft und Energie
Agri-Photovoltaik bezeichnet die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für den Anbau von Pflanzen und die Erzeugung von Solarstrom. Das Konzept gilt als wichtiger Baustein, um erneuerbare Energien auszubauen, ohne wertvolle landwirtschaftliche Flächen vollständig aus der Produktion zu nehmen.
Gerade wegen der hochwertigen Böden in Rheinhessen sei eine klassische Freiflächen-Photovoltaikanlage mit ausschließlicher Energienutzung für die Verbandsgemeinde und ihre Gemeinden keine überzeugende Lösung. Die Agri-PV-Technologie bietet dagegen die Möglichkeit, beide Interessen miteinander zu verbinden.
Text: MS/Redaktion Die Knipser/VG Wörrstadt





























