Pressereise israelischer Journalist:innen. Foto: SchUM-Städte e.V.
Eine Gruppe israelischer Journalist:innen unternahm vergangene Woche eine besondere Pressereise. Auf Einladung des Auswärtigen Amtes besuchten sie auch das UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten in Mainz und Worms. Die Reise wurde vom Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut sowie dem SchUM-Städte e.V. unterstützt. Vom 16. bis 23. November erkundete die Gruppe anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen ein modernes Deutschland, seinen Einsatz gegen Antisemitismus und das heutige jüdische Leben. Begleitet vom Besucherdienst des Goethe-Instituts führte die Reise zunächst nach Berlin. Dort standen Gespräche mit Vertreter:innen des Auswärtigen Amts, der jüdischen Gemeinden, dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung sowie der überregionalen Presse auf dem Programm. Auch das jüdische Erbe und das Jüdische Museum Berlin wurden besucht. Anschließend ging es ins Rhein-Main-Gebiet – zum ersten jüdischen UNESCO-Welterbe in Deutschland.
In Mainz beeindruckte der „Alte Jüdische Friedhof auf dem Judensand“, der älteste jüdische Friedhof Europas. Die Gäste erfuhren viel über die Geschichte der jüdischen Muttergemeinde Magenza und besuchten die Gräber bedeutender Persönlichkeiten. In der Neuen Synagoge Mainz wurden sie von Rabbiner Vernikovsky herzlich empfangen. Dort lernten sie das lebendige Gemeindeleben kennen und diskutierten die aktuelle Situation jüdischer Gemeinden in Deutschland und Israel. In Worms führte der Weg zum „Heiligen Sand“, dem ältesten in situ erhaltenen jüdischen Friedhof Europas, und ins „Jüdische Museum Raschi-Haus“. Dr. Gerold Bönnen, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, gab Einblicke in die fast 1000-jährige Geschichte der jüdischen Gemeinde. Besonders faszinierte die Gäste der jüdische Gelehrte Raschi, der berühmte Bibel- und Talmudkommentator des Mittelalters. Seine Kommentare werden bis heute weltweit studiert. Eindruck hinterließ auch die Einbuchtung im Mauerwerk der Wormser Synagoge – der Legende nach entstand sie, als Raschis Mutter von einem Pferdefuhrwerk bedrängt wurde und die Mauer zurückwich, um den ungeborenen Raschi zu schützen.
Den Abschluss bildete eine Führung durch Synagoge und Frauenschul mit Frau Schindler-Siegreich. Der Neubau der Wormser Synagoge von 1174/75 – der erste Bau an gleicher Stelle stammt von 1034 und ist durch die erhaltene Inschrift eindrucksvoll nachgewiesen – wurde zum Vorbild für viele Synagogen in Europa, etwa Prag, Krakau und Wien. Nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 konnten Teile des Portals, Kapitelle und
Mauerreste in die 1961 wiedereröffnete Synagoge integriert werden. Ein besonders bewegender Moment: Zum Anfang des neuen Monats im jüdischen Kalender hielten die Journalist:innen in der Synagoge inne, beteten und sangen gemeinsam.
Für die israelischen Gäste war die Reise weit mehr als ein Pressetermin. Der Besuch des UNESCO-Welterbes SchUM-Stätten – Wiege des aschkenasischen Judentums in Nord-, Mittel- und Osteuropa – wurde zu einer Begegnung mit den Ursprüngen ihrer eigenen Religionskultur und Traditionen.






























