Fotos: UNESCO Welterbe
Mit dem anstehenden Saisonauftakt setzen die Welterbestätte Kloster Lorsch und das dazugehörige Experimentalarchäologische Freilichtlabor Lauresham zwei inhaltliche Schwerpunkte, die das Jahresprogramm 2026 prägen: zum einen das 1150. Todesjahr König Ludwigs des Deutschen zum anderen das Thema „Immaterielles Kulturerbe“.
Anlass für das Themenjahr zu König Ludwig dem Deutschen (*um 805, +876) ist seine enge Verbindung zum Kloster Lorsch, wo er am 29. August 876, einen Tag nach seinem Tod, beigesetzt wurde. Ludwig, ein Enkel Karls des Großen, war seit dem Vertrag von Verdun im Jahr 843 König des Ostfrankenreichs. Wie viele karolingische Herrscher stützte er seine Macht gezielt auf bedeutende Reichsklöster – Kloster Lorsch nahm dabei eine
herausragende Stellung ein, es war eines der wichtigsten geistlichen, kulturellen und politischen Zentren des Reiches. Mit dem Begräbnis des Königs erreichte die Abtei den Höhepunkt ihrer politischen und geistlichen Bedeutung.
Warum „der Deutsche“?
Den Beinamen „der Deutsche“ erhielt Ludwig erst im 18. Jahrhundert. Zeitgenossen bezeichneten ihn als rex Germaniae – „König von Germanien“. Der Begriff „Germania“ bedeutete damals allerdings nicht das, was wir heute unter „Deutschland“ verstehen, sondern bezeichnete das rechtsrheinische Gebiet außerhalb des ehemaligen Römischen Reiches. Im Jubiläumsjahr widmen sich zahlreiche Veranstaltungen der historischen Persönlichkeit Ludwigs des Deutschen sowie der Entwicklung des Begriffs „deutsch“.
Den Auftakt bildet am 20. Februar um 18 Uhr ein Vortrag des Saarbrücker Germanisten Professor Wolfgang Haubrichs. Unter dem Titel „Was ist deutsch?“ führt er durch die lange Geschichte dieses Wortes, das zwar seinen Ursprung im Frühmittelalter hat, dessen Bedeutung in den folgenden Jahrhunderten jedoch großen Wandlungen unterworfen war. Höhepunkt des Themenjahres ist ein Festvortrag am 28. August 2026 mit dem Tübinger Professor Wilfried Hartmann, einem der renommiertesten Kenner Ludwigs des Deutschen. Am folgenden Tag schließt sich eine geistliche Feierstunde im Fragment der Klosterbasilika an, die das Begräbnis des Herrschers aufgreift.
Historische Gewerke als Immaterielles Kulturerbe
Das Programm des Freilichtlabors Lauresham steht 2026 ganz im Zeichen des Immateriellen Kulturerbes. Seit 2003 fördert ein UNESCO-Übereinkommen die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung dieses lebendigen Erbes, das Bräuche, Feste und traditionelle Handwerkstechniken ebenso umfasst wie Musik oder Naturwissen. Viele der in Lauresham praktizierten historischen Arbeitsweisen sind als Immaterielles Kulturerbe anerkannt, darunter das Reet- und Strohdachdecken, das Flechthandwerk und die Handweberei. Das Jahr beginnt am 8. März beim „Frühlingsfest mit Feldtag“, bei dem in diesem Jahr Praktiken, Bräuche und handwerkliche Traditionen der Landwirtschaft im Vordergrund stehen, welche in vielen Ländern bereits als Immaterielles Kulturerbe anerkannt sind.
Gleichzeitig startet im Besucherinformationszentrum des Freilichtlabors eine Ausstellung, die bis Oktober mit Fotos und Multimediastationen Einblick in die Themenwelt des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland und darüber hinaus gibt. Vom 5. bis 9. März findet zudem die Internationale Tagung Agrarhistorischer Museen statt, die das Immaterielle Kulturerbe im Museumskontext thematisiert.
Bis zum Saisonabschluss beim „Herbstfest mit Handwerkermarkt“ am 18. Oktober macht ein breit gefächertes Programm mit Aktionstagen, Workshops und Vorführungen zu traditionellen Handwerken, landwirtschaftlichen Praktiken, Brotkultur, Falknerei, Spiel- und Weinkultur das Immaterielle Kulturerbe anschaulich erlebbar. Eine Übersicht über das vollständige Programm gibt es hier: https://kloster-lorsch.de/freilichtlabor/jahr-des-immateriellen- kulturerbes-2026/
Mit den beiden Themenjahren 2026 verbindet die UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch historische Tiefe mit lebendiger Vermittlung und unterstreicht seine Rolle als Ort, an dem Geschichte, Wissen sowie kulturelle Praxis zusammengeführt und für Menschen begreifbar gemacht werden.































