Künstliche Intelligenz macht Betrugsmaschen immer schwerer erkennbar. Polizei und Verbraucherzentrale warnen vor Deepfakes, gefälschten Stimmen und manipulierten Nachrichten. Foto: Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz (KI-generiert)

Künstliche Intelligenz eröffnet nicht nur neue technische Möglichkeiten, sondern wird zunehmend auch von Kriminellen genutzt. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnen aktuell vor KI-gestützten Betrugsmaschen, mit denen Täter klassische Tricks deutlich glaubwürdiger gestalten können.

Mithilfe moderner KI-Technologien können Stimmen, Bilder, Videos und Texte täuschend echt nachgebildet werden. Ziel der Betrüger ist es, Vertrauen aufzubauen, persönliche Daten zu erlangen oder Opfer zu Geldzahlungen zu bewegen.

Gefälschte Identitäten beim Love Scamming

Bei sogenannten Love-Scamming-Fällen erstellen Täter mithilfe künstlicher Intelligenz künstliche Identitäten. KI-generierte Fotos und automatisch erstellte Nachrichten lassen die Profile besonders überzeugend wirken.

Über Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke entsteht zunächst ein intensiver Kontakt. Nach einer längeren Phase des Vertrauensaufbaus bitten die Betrüger plötzlich um Geld – beispielsweise für eine angebliche Operation, eine Notlage oder eine Reise, um ein persönliches Treffen zu ermöglichen.

Digitale Erpressung mit manipulierten Bildern

Auch bei der sogenannten Sextortion nutzen Täter zunehmend KI. Vor allem junge Menschen werden über soziale Medien kontaktiert. Anschließend werden manipulierte Bilder erstellt oder verbreitet und die Opfer mit der Veröffentlichung gegenüber Freunden oder Familie erpresst.

Die Täter fordern meist eine schnelle Geldzahlung und setzen ihre Opfer massiv unter Druck.

Gefälschte Anlageangebote mit prominenten Gesichtern

Eine weitere Gefahr sind manipulierte Videos, sogenannte Deepfakes. Dabei werden bekannte Persönlichkeiten täuschend echt dargestellt, um für vermeintlich sichere Finanzanlagen, Kryptowährungen oder Gesundheitsprodukte zu werben.

Wer solchen Angeboten vertraut und Geld investiert, überweist dieses häufig direkt an Betrüger.

Perfekte Fake-Nachrichten per KI

Künstliche Intelligenz ermöglicht es Kriminellen außerdem, professionell wirkende E-Mails, SMS oder Messenger-Nachrichten zu erstellen. Diese können aussehen, als stammten sie von Banken, Behörden oder bekannten Unternehmen.

Ziel solcher Phishing-Nachrichten ist meist der Diebstahl von Passwörtern, Zugangsdaten oder Kreditkarteninformationen.

Schockanrufe mit geklonter Stimme

Besonders gefährlich sind sogenannte Schockanrufe mit KI-generierten Stimmen. Aus kurzen Sprachaufnahmen, etwa aus sozialen Medien, können Täter inzwischen Stimmen nachbilden.

Angehörige werden dann scheinbar von einer vertrauten Person angerufen. Vorgetäuscht werden beispielsweise schwere Unfälle, Notoperationen oder andere Notsituationen. Anschließend wird dringend Geld gefordert.

Die Polizei rät: Auch wenn Stimme und Gesicht vertraut wirken – niemals unter Druck handeln.

So schützen Sie sich vor KI-Betrug

  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – auch nicht von vertraut klingenden Stimmen oder bekannten Gesichtern.
  • Beenden Sie im Zweifel das Gespräch und kontaktieren Sie die betreffende Person über eine bekannte Telefonnummer.
  • Geben Sie keine Passwörter, Zugangsdaten oder andere sensible Informationen weiter.
  • Überweisen Sie kein Geld, ohne die Angaben unabhängig geprüft zu haben.
  • Vereinbaren Sie innerhalb der Familie ein gemeinsames Kennwort für Notfälle.
  • Gehen Sie sparsam mit persönlichen Fotos, Videos und Sprachaufnahmen in sozialen Netzwerken um.
  • Erstatten Sie bei Betrugsverdacht Anzeige bei der Polizei. Dies ist auch online über die Onlinewache möglich.

Polizei entwickelt KI gegen Deepfakes

Auch die Polizei Rheinland-Pfalz setzt auf moderne Technik, um den neuen Herausforderungen durch digitale Manipulationen zu begegnen. Das Landeskriminalamt und das Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik haben gemeinsam einen KI-basierten „Deepfake Detector“ entwickelt.

Mit der Anwendung können Bilddatenbestände analysiert und künstlich erzeugte Inhalte erkannt werden. Das System wird vollständig auf polizeieigener Infrastruktur betrieben und befindet sich derzeit in der Erprobung.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung einfließen, um die Anwendung künftig landesweit einsetzen zu können.

Die Polizei betont: Technik kann helfen – der wichtigste Schutz bleibt jedoch Aufmerksamkeit und ein gesundes Misstrauen gegenüber unerwarteten Geldforderungen und digitalen Kontakten.

Text: SSP/Redaktion Die Knipser/Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz