Weißstörche auf dem Zug, Foto: NABU/Mathias Schäf

Mitte Januar kreiste der erste Storch über das NABU-Zentrum Rheinauen in Bingen-Gaulsheim, wenige Tage später beobachteten ehrenamtliche Storchenhorstbetreuer und -betreuerinnen des NABU ein Storchenpaar auf einem Nest in den Binger Rheinauen. Die Tiere waren bereits mit dem Nestbau beschäftigt. Die frühe Rückkehr ist ein Indiz dafür, dass die Tiere im Süden Deutschlands oder auch Europas überwintert und im vergangenen Herbst nicht die beschwerliche Passage übers Mittelmeer nach Afrika auf sich genommen hat.

Warum unternehmen Zugvögel überhaupt den strapaziösen Zug gen Süden, um im Frühjahr wieder nach Norden zurückzukehren? Es sind weniger die kalten Wintertemperaturen, die Zugvögel zur Wanderung „ins Warme“ veranlassen, sondern vielmehr das im Winter häufig knappe Nahrungsangebot in ihren Brutgebieten weiter im Norden, weiß NABU-Auenservice-Leiterin Daniela Schaefer-Krolla. „Im Gegensatz zu Vogelarten, die sich von Körnern, Sämereien und Kleinsäugern ernähren, finden Würmer- und Insektenfresser bei den im nord- und mitteleuropäischen Winter herrschenden klimatischen Bedingungen keine Nahrung.“ 

Im Gegenzug würden aber die Nahrungsressourcen in den südlichen Überwinterungsquartieren nicht für die Aufzucht von Jungtieren einer solch riesigen Zahl an Tieren ausreichen. Daher zögen die Tiere zurück in die europaweit verbreiteten Brutgebiete. 

Nur etwa ein Zehntel der in Deutschland auftretenden Arten sind sog. Standvögel, die ganzjährig hier leben, die überwiegende Mehrzahl unserer Vögel sind Zugvögel. Neben Weißstorch zählen auch Kuckuck, Kranich und Kiebitz, Feldlerche, Nachtigall  und Hausrotschwanz zu denjenigen Arten, die in Deutschland nur während der Brutsaison anzutreffen sind. Schätzungen zufolge sind jährlich allein zwischen Europa und Afrika ca. 5 Milliarden, weltweit sogar etwa 50 Milliarden (!) Individuen „auf Tour“.     

Das Zugverhalten bedeutet eine extreme körperliche Anstrengung für die Tiere: Sie legen teils mehrere Tausend Flugkilometer zurück, bei Tag und Nacht und selbst bei widrigen Witterungsverhältnissen. Daneben setzen den Tieren weitere Faktoren zu:

„Der Verlust von Rastplätzen, Kollisionen mit Stromleitungen, Windkraftanlagen, Hochhäusern und Fensterfronten, die Lichtverschmutzung, der fortschreitende Klimawandel und nicht zuletzt die anhaltende Bejagung führen dazu, dass schätzungsweise pro Jahr mehrere hundert Millionen europäischer Zugvögel ihre Wanderung mit dem Leben bezahlen.“, berichtet Diplom-Biologin Schaefer-Krolla. Gerade in den Schutzgebieten am Inselrhein sei es äußerst wichtig, dass die Tiere nach ihrer Rückkehr zur Ruhe kommen könnten. Der NABU bittet daher darum, die in den Naturschutzgebieten geltenden Regeln einzuhalten und insbesondere die Wege nicht zu verlassen, Hunde anzuleinen und nicht zu lärmen.