Straßenschild „Kehillot SchUM“ in Jerusalem. Foto: Rainer Josef Barzen

Die tief verwurzelte Verbundenheit der jüdischen SchUM-Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz reicht bis in die Anfänge jüdischer Niederlassungen in diesen Kathedralstädten zurück. Bereits im 10. Jahrhundert sind die ersten Juden in Mainz nachgewiesen, während die Gemeindegründungen wenig später in Worms und ab dem 11. Jahrhundert in Speyer durch eben jene jüdischen Familien aus Mainz erfolgten. Diese engen familiären Verbindungen der drei Gemeinden führten zur Entstehung gemeinsamer Rechts- und Lehrtraditionen, die den Grundstein für die aschkenasisch-jüdische Zivilisation legten – eine Tradition, die bis heute nachwirkt.

Im Mittelalter wurden diese Verbindungen durch gemeinsame Rechtsvorschriften, die sogenannten „Taqqanot SchUM“, formalisiert. Spätestens seit dem 14. Jahrhundert trat der einzigartige Verbund der drei SchUM-Gemeinden unter der Eigenbezeichnung „Kehillot SchUM“ auch nach außen hin in Erscheinung. Ein wenig bekannter Aspekt dieser historischen Entwicklung ist die Parallele zu zeitgenössischen christlichen Städtebünden, die sich ebenfalls in der mittelalterlichen Stadtlandschaft herausbildeten.

In einem hybriden Vortrag wird Dr. Rainer Josef Barzen vom Institut für Jüdische Studien der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Formen, Akteure und Entwicklungen dieser besonderen jüdischen Verbindung nachzeichnen und eine tiefgehende Analyse der SchUM- Gemeinden von ihren Ursprüngen bis ins 15. Jahrhundert sowie ihre Bedeutung im mittelalterlichen und im zeitgenössischen Kontext beleuchten. Die Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe „SchUM Insights“ des SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz e.V., die sich den vielfältigen Facetten des jüdischen Erbes in Deutschland und der Geschichte der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz widmet. Der Vortrag findet in Kooperation mit dem Landesmuseum Mainz – Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – statt.