Die Mitglieder des Synodalvorstands des Evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau sammelten bei ihrer Fortbildungsreise nach Hamburg neue Impulse für die zukünftige kirchliche Arbeit und besuchten Projekte, die neue Wege der Begegnung und Seelsorge aufzeigen. Fotos: Franziska Endres

Wie kann Kirche Menschen erreichen, die kaum Berührungspunkte mit ihr haben? Wie gelingt Seelsorge dort, wo Menschen leben und arbeiten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Synodalvorstand des Evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau bei einer mehrtägigen Fortbildungsreise nach Hamburg. Dort informierte sich das Leitungsgremium über kirchliche Projekte, die mit kreativen Konzepten und persönlichem Engagement neue Wege gehen.

„Wir wollten bewusst über den eigenen Tellerrand schauen und uns inspirieren lassen“, sagt Dekanin Jutta Herbert. „Viele Gemeinden stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Deshalb lohnt sich der Blick auf Projekte, die Menschen auf ungewöhnliche Weise erreichen.“

Seemannsmission setzt auf Menschlichkeit

Besonders beeindruckt zeigte sich die Delegation vom Seemannsclub „Duckdalben“ der Deutschen Seemannsmission. Seit mehr als 30 Jahren bietet die Einrichtung Seeleuten aus aller Welt einen Ort, an dem sie den oft harten Arbeitsalltag für einige Stunden hinter sich lassen können. Mitarbeitende holen die Seeleute mit eigenen Fahrzeugen direkt von ihren Schiffen ab. Vor Ort können sie mit ihren Familien telefonieren, das Internet nutzen, Geld überweisen, einkaufen oder sich beraten lassen. Haupt- und Ehrenamtliche stehen zudem für Gespräche zur Verfügung – unabhängig von Nationalität oder Religion.

Ein sichtbares Zeichen dieser Offenheit ist der Gebetsraum des Hauses, der so gestaltet wurde, dass Menschen verschiedener Religionen dort ihren Glauben ausüben können.

„Hier holt Diakonie die Menschen tatsächlich ab – im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Dekanatspräses Alexander Ebert. „Es geht nicht darum, Menschen für die Kirche zu gewinnen, sondern ihnen mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen. Das hat uns tief beeindruckt.“

Gottesdienst einmal anders

Wie Gottesdienste neue Formen annehmen können, erlebte der Synodalvorstand in der Christianskirche im Hamburger Stadtteil Ottensen. Siebenmal im Jahr verwandelt sich der Kirchenraum dort in eine „Wohnzimmerkirche“. Sofas, Sessel und Stehlampen ersetzen die gewohnte Bestuhlung. Musik, persönliche Gespräche, gemeinsames Essen und eine offene Atmosphäre schaffen einen niedrigschwelligen Zugang zum Glauben.

Im Austausch mit Pastor Matthias Lemme wurde deutlich, dass das Konzept nicht auf Unterhaltung setzt, sondern auf echte Begegnung. Viele Besucherinnen und Besucher nehmen dafür lange Anfahrtswege aus dem gesamten Hamburger Stadtgebiet in Kauf.

Seelsorge direkt am Hafen

Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch der Flussschifferkirche im Hamburger Hafen – der einzigen Kirche Deutschlands auf einem Schiff. Von dort aus sind die Seelsorgenden mit einer Barkasse unterwegs und besuchen Binnenschiffer direkt an ihren Liegeplätzen.

Viele Besatzungen verbringen Tage oder sogar Wochen im Hafen und können ihre Schiffe aufgrund abgelegener Liegeplätze oder der Gezeiten kaum verlassen. Die Schifferseelsorge bringt deshalb Hilfe, Gespräche und praktische Unterstützung direkt zu ihnen – oft entstehen intensive Begegnungen von Reling zu Reling.

„Hier geht Kirche wirklich hinaus zu den Menschen“, sagt Dekanin Herbert. „Dieses Selbstverständnis hat uns an vielen Stationen der Reise begegnet. Nicht warten, bis jemand kommt, sondern den ersten Schritt machen – das ist ein Auftrag, den wir mit nach Hause nehmen.“

Den Abschluss der Reise bildete eine Andacht, die Herbert in der Flussschifferkirche für die Mitglieder des Synodalvorstandes hielt.

Neue Perspektiven für die Arbeit im Dekanat

Mit zahlreichen Anregungen und neuen Perspektiven kehrte der Synodalvorstand nach Worms zurück. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Kirche dort besonders wirksam ist, wo sie Menschen aufmerksam zuhört, ihre Lebenswirklichkeit ernst nimmt und praktische Hilfe mit Seelsorge verbindet. Die Reise habe gezeigt, dass der Kern kirchlicher Arbeit – Nähe zu den Menschen, gelebte Nächstenliebe und die Verkündigung des Evangeliums – auch in einer sich wandelnden Gesellschaft nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Text: LC/Redaktion Die Knipser/Evangelisches Dekanat Worms‐Wonnegau