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Klinikum Worms bietet vertrauliche Hilfe für Gewaltopfer – auch ohne Strafanzeige

Klinikum Worms bietet vertrauliche Hilfe für Gewaltopfer – auch ohne Strafanzeige
Im Klinikum Worms wurde das neue Hilfsangebot „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ vorgestellt. Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Politik und Wormser Unterstützungseinrichtungen informierten über die vertrauliche Versorgung und Spurensicherung nach häuslicher und sexualisierter Gewalt. Foto: Klinikum Worms

Menschen, die häusliche oder sexualisierte Gewalt erlebt haben, können am Klinikum Worms ab sofort rund um die Uhr medizinische Hilfe erhalten und mögliche Beweisspuren vertraulich sichern lassen. Eine vorherige Strafanzeige ist dafür nicht erforderlich. Das neue Angebot „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ wurde am Donnerstag, 15. Oktober 2026, offiziell vorgestellt und wird vom Land Rheinland-Pfalz gefördert.

Das Hilfsangebot richtet sich an Betroffene, die nach einer Gewalterfahrung medizinische Unterstützung benötigen, aber noch nicht entscheiden können oder möchten, ob sie Anzeige bei der Polizei erstatten. Neben der Behandlung möglicher Verletzungen können Spuren fachgerecht dokumentiert und gesichert werden, um sie gegebenenfalls für ein späteres Strafverfahren nutzen zu können.

Beweissicherung ohne Polizei möglich

Nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt können Verletzungen und andere körperliche Spuren wichtige Beweismittel darstellen. Da diese häufig nur für einen begrenzten Zeitraum nachweisbar sind, ist eine möglichst zeitnahe Untersuchung entscheidend.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz ermöglicht das Klinikum Worms eine professionelle Dokumentation und Sicherung solcher Spuren.

„Viele Betroffene befinden sich nach einer Gewalterfahrung in einer Ausnahmesituation und können oder möchten nicht sofort entscheiden, ob sie Anzeige erstatten“, erklärt Prof. Dr. Thalia Erbes, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Worms.

Das neue Angebot soll den Betroffenen die Möglichkeit geben, zunächst medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ohne sich unmittelbar auf weitere rechtliche Schritte festlegen zu müssen.

Auch Univ.-Prof. Dr. Tanja Germerott, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz, betont die Bedeutung einer frühzeitigen Spurensicherung. Diese könne entscheidend sein, um mögliche Beweise für eine spätere strafrechtliche Verfolgung zu erhalten und gleichzeitig die Selbstbestimmung der Betroffenen zu wahren.

Mehrere Fachbereiche arbeiten zusammen

Für die Umsetzung des Angebots arbeiten verschiedene Abteilungen des Klinikums Worms eng zusammen. Dazu gehören die Frauenklinik, die Zentrale Notaufnahme, die Unfallchirurgie und Orthopädie sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Neben der medizinischen Behandlung ist auch die psychosoziale Unterstützung ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Hierfür kooperiert das Klinikum mit dem Frauennotruf Worms und dem Frauenhaus Worms.

Die Einrichtungen bieten weiterführende Beratung und Unterstützung an und helfen Betroffenen dabei, individuelle Perspektiven und mögliche nächste Schritte zu entwickeln.

Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler bezeichnete das neue Angebot bei der Vorstellung als wichtigen Beitrag zum Schutz von Menschen, die Gewalt erfahren haben. Betroffene müssten sich darauf verlassen können, zeitnah und unkompliziert vertrauliche Hilfe zu erhalten.

Hilfe rund um die Uhr und ohne Anmeldung

Die „Vertrauliche Hilfe nach Gewalt“ steht am Klinikum Worms an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr zur Verfügung. Eine vorherige Anmeldung ist ebenso wenig notwendig wie eine Strafanzeige.

Zentrale Anlaufstelle ist die Notaufnahme des Klinikums Worms in der Gabriel-von-Seidl-Straße 81, 67550 Worms.

Als Ansprechpartnerinnen stehen Prof. Dr. Thalia Erbes und Johanna Buchholz zur Verfügung.

Das Angebot ist kostenfrei und soll Betroffenen ermöglichen, unabhängig von einer möglichen Strafanzeige medizinische Versorgung, vertrauliche Spurensicherung und weiterführende Unterstützung zu erhalten.

Text: ML/ Redaktion die Knipser · Quelle: Klinikum Worms