Politische Debatte über Pflanzenschutz, Pfalzmarkt in Mutterstadt (Rheinland-Pfalz): v. l. n. r. Johannes Steiniger, MdB (CDU), Paul Bunjes (Bündnis 90/Die Grünen), Isabel Mackensen-Geis, MdB (SPD), Marco Weber, MdL (FDP). Foto: Industrieverband Agrar e. V.

Wie kann die heimische Landwirtschaft unter zunehmendem Krankheits- und Schädlingsdruck weiterhin ausreichend und qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Praxis trifft Politik“ in Mutterstadt. Eingeladen hatten die Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG, die Raiffeisen Agrarhandel Pfalz GmbH und der Industrieverbands Agrar e. V. (IVA).

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Handel und Industrie diskutierten im Vorfeld der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im März 2026 über die Zukunft der regionalen Erzeugung. Im Fokus stand vor allem die aus Sicht der Branche problematische Entwicklung im Pflanzenschutz.

Weniger Wirkstoffe, lange Verfahren

Nach Angaben des IVA ist seit 2019 in der Europäischen Union kein neuer chemischer Wirkstoff mehr genehmigt worden, gleichzeitig seien zahlreiche Mittel vom Markt genommen worden. Für Landwirte bedeute das einen schrumpfenden „Werkzeugkasten“ zur Bekämpfung von Unkräutern, Pilzkrankheiten und Schädlingen. Gleichzeitig nähmen Wetterextreme und neuer Schädlingsdruck zu.

IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer forderte risikobasierte, wissenschaftlich fundierte und vor allem zügigere Zulassungsentscheidungen. Planbare Verfahren seien notwendig, um Innovationen auf die Felder zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern.

Praxis berichtet von steigenden Risiken

Landwirt Hartmut Magin schilderte die Folgen aus betrieblicher Sicht: Fehlende oder verspätet verfügbare Pflanzenschutzmittel führten zu höheren Arbeitsaufwänden, größeren Ertrags- und Qualitätsrisiken sowie steigenden Kosten. Ohne verlässliche Lösungen werde es zunehmend schwierig, die vom Markt geforderte Qualität zu liefern.

Auch Dr. Raffael Wesoly, Geschäftsführer der Raiffeisen Agrarhandel Pfalz GmbH, kritisierte, dass sogenannte Notfallzulassungen immer häufiger notwendig würden. Diese seien jedoch kein Ersatz für reguläre, planbare Verfahren und erschwerten Beratung und Saisonplanung erheblich.

Hans-Jörg Friedrich, Vorstand der Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG, verwies auf die Folgen für die Vermarktung: Qualitätsschwankungen führten zu mehr Ausschuss und geringerer Lieferstabilität. Gleichzeitig steige der Wettbewerbsdruck durch Importe aus Ländern, in denen eine größere Auswahl an Wirkstoffen zur Verfügung stehe.

Politik sieht Handlungsbedarf – unterschiedliche Akzente

An der Podiumsdiskussion beteiligten sich Johannes Steiniger (CDU), Isabel Mackensen-Geis (SPD), Paul Bunjes (Bündnis 90/Die Grünen) und Marco Weber (FDP). Einig waren sich die Diskutierenden darin, dass die Herausforderungen real sind. In der Frage der politischen Konsequenzen zeigten sich jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

Während Vertreter von CDU und FDP vor allem schnellere und effizientere Zulassungsverfahren forderten, betonte die SPD die Stärkung behördlicher Zusammenarbeit und integrierter Pflanzenschutzstrategien. Die Grünen verwiesen darauf, dass bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe Umweltfolgen konsequent mitgedacht werden müssten.

Ernährungssicherheit als zentrales Thema

Die Veranstalter machten deutlich, dass es aus ihrer Sicht nicht nur um einzelne Wirkstoffe, sondern um die langfristige Sicherung der regionalen Produktion geht. Fehlende Pflanzenschutzoptionen könnten zu sinkenden Erträgen, steigenden Importabhängigkeiten und wirtschaftlichen Nachteilen für heimische Betriebe führen.

Die Diskussion zeigte: Zwischen Umwelt-, Gesundheits- und Wettbewerbsaspekten einen tragfähigen Ausgleich zu finden, bleibt eine der zentralen agrarpolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre.

Text: LC/Redaktion Die Knipser/Industrieverband Agrar e. V. (IVA)