Aus der Geschäftswelt

Landwirtschaft unter Preisdruck: Fairtrade fordert faire Erzeugerpreise

Landwirtschaft unter Preisdruck: Fairtrade fordert faire Erzeugerpreise
Millionen landwirtschaftliche Betriebe weltweit stehen unter erheblichem Preisdruck. Fairtrade Deutschland fordert deshalb verbindliche Regeln, die den Einkauf landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der Produktionskosten verhindern sollen. Foto: Fairtrade Sweden/Fabian Sturm

Kaffee für wenige Euro, Baumwolle zu niedrigen Weltmarktpreisen und Lebensmittel, die im Supermarkt möglichst günstig angeboten werden sollen: Für die Menschen, die diese Produkte anbauen, kann die Rechnung längst nicht mehr aufgehen. Fairtrade Deutschland warnt vor einem zunehmenden Preisdruck auf landwirtschaftliche Betriebe weltweit und fordert ein Verbot des Einkaufs landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der Produktionskosten.

Besonders deutlich wird die Situation beim Kaffee- und Baumwollanbau. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO leben rund 5,5 Millionen kleinbäuerliche Kaffeeproduzentinnen und -produzenten in Brasilien, Kolumbien, Indonesien und Äthiopien von weniger als 3,20 US-Dollar am Tag. Auch viele der rund 25 Millionen Baumwollbäuerinnen und -bauern weltweit verdienen lediglich ein bis drei Dollar täglich.

Doch nicht nur im globalen Süden geraten landwirtschaftliche Betriebe zunehmend unter Druck. Auch in Europa sinkt die Zahl der Höfe. Zwischen 2005 und 2023 ging sie in der Europäischen Union von 14,4 Millionen auf 8,8 Millionen zurück. Das entspricht einem Rückgang um rund 5,6 Millionen Betriebe.

Wenn der Preis nicht einmal die Kosten deckt

Steigende Energie- und Betriebskosten, höhere Personalausgaben und zunehmende Klimaextreme treffen die Landwirtschaft gleichzeitig. Bleiben die Erzeugerpreise niedrig, fehlt den Betrieben das Geld für dringend notwendige Investitionen.

Dabei geht es nicht nur um die Existenz der einzelnen Höfe. Investitionen in moderne Technik, Bodenschutz oder Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind entscheidend dafür, wie zukunftsfähig die Landwirtschaft sein kann.

„Im Vergleich zu früher ist die Situation schlecht. Mit den aktuellen Preisen haben wir gerade so die Kosten gedeckt. Es wäre so viel möglich, wenn wir faire Preise für unsere Baumwolle bekämen“, sagt Ramji Bhika Mukwana, Baumwollbauer der RDFC-Kooperative in Indien.

Fairtrade sieht Lücke im europäischen Recht

Fairtrade Deutschland und 13 weitere Organisationen wollen deshalb die europäischen Regeln gegen unfaire Handelspraktiken erweitern. Die sogenannte UTP-Richtlinie schützt landwirtschaftliche Betriebe bereits vor bestimmten Geschäftspraktiken – etwa verspäteten Zahlungen oder kurzfristigen Stornierungen verderblicher Waren.

Eine entscheidende Lücke bleibt nach Ansicht der Initiatoren jedoch bestehen: Der Einkauf landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der Produktionskosten gilt bislang nicht als unlautere Handelspraktik.

Genau das soll sich ändern. Mit dem Appell „Landwirtschaft braucht Fairness“ fordern Fairtrade Deutschland und seine Mitinitiatoren verbindliche Regeln für Erzeugerpreise. Zu den Unterstützern gehören unter anderem Oxfam Deutschland, das Bischöfliche Hilfswerk Misereor und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

„Faire Erzeugerpreise sind die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, hier wie weltweit“, erklärt Claudia Brück, Vorständin Politik und Kommunikation bei Fairtrade Deutschland.

Faire Preise als Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit

Auch höhere Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards lassen sich nach Ansicht von Fairtrade nur dauerhaft umsetzen, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe dafür angemessen bezahlt werden.

Die Landwirtin und Agrar-Influencerin Marie Hoffmann bringt das Problem auf den Punkt: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wenig vom Verkaufspreis eines Lebensmittels bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommt.“

Die Diskussion um faire Preise betrifft damit nicht nur Bauern und Händler, sondern letztlich auch Verbraucher. Denn zwischen dem Wunsch nach möglichst günstigen Lebensmitteln und den steigenden Anforderungen an eine nachhaltige Produktion klafft ein Spannungsfeld.

Fairtrade ist überzeugt: Landwirtschaft kann nur dann eine Zukunft haben, wenn diejenigen, die Lebensmittel und Rohstoffe produzieren, von ihrer Arbeit auch leben können.

Text: ML/Redaktion Die Knipser · Quelle: Fairtrade Deutschland e.V.