Politik

Lohr und Horst im direkten Duell: Worms entscheidet in der Stichwahl über die Rathausspitze

Lohr und Horst im direkten Duell: Worms entscheidet in der Stichwahl über die Rathausspitze
Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD) gehen ins entscheidende Duell um die Wormser Rathausspitze. Lohr erreichte im ersten Wahlgang 44,1 Prozent, Horst 40,5 Prozent. Am 27. September fällt in der Stichwahl die Entscheidung über das Amt des Oberbürgermeisters. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser

Die Oberbürgermeisterwahl in Worms geht in die Verlängerung. Nach dem ersten Wahlgang am 13. September steht fest: Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD) kämpfen am 27. September in einer Stichwahl um das höchste Amt der Stadt. Ein genauer Blick auf die Ergebnisse zeigt dabei nicht nur ein vergleichsweise enges Rennen zwischen den beiden erfahrenen Kommunalpolitikern, sondern auch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Wormser Stadtteilen.

Stephanie Lohr ging mit 44,1 Prozent als stärkste Kandidatin aus dem ersten Wahlgang hervor. Timo Horst folgte mit 40,5 Prozent und damit nur 3,6 Prozentpunkte dahinter. Frank Senger (AfD) erreichte 13,1 Prozent, Ali Kesler (FDP) kam auf 2,2 Prozent. Da keiner der vier Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen auf sich vereinen konnte, fällt die endgültige Entscheidung nun zwischen Lohr und Horst.

Das Wahlergebnis unterstreicht zugleich die starke Stellung der beiden Kandidaten in der Wormser Kommunalpolitik. Lohr und Horst sind seit Jahren in der Stadt politisch präsent und verfügen über Erfahrung in der Verwaltung. Während Lohr derzeit Bürgermeisterin ist, verantwortet Horst als Beigeordneter unter anderem den Bereich Stadtentwicklung. Beide kennen zudem die kommunalpolitische Arbeit aus ihren jeweiligen Heimatstadtteilen besonders gut – und genau dort konnten sie am Wahlsonntag auch punkten.

In Abenheim, wo Lohr lebt und bereits Ortsvorsteherin war, erreichte die CDU-Kandidatin 56 Prozent. Horst kam dort auf 28,7 Prozent, Senger auf 12,8 Prozent und Kesler auf 2,5 Prozent. Noch etwas stärker schnitt Lohr in Wiesoppenheim ab: Mit 56,1 Prozent erzielte sie dort ihr bestes Ergebnis. Insgesamt gelang es ihr in fünf der 13 Wormser Stadtteile, die Marke von 50 Prozent zu überschreiten.

Timo Horst konnte dagegen insbesondere in seinem Heimatstadtteil Hochheim überzeugen. Dort erhielt der SPD-Kandidat 53 Prozent und damit sein stärkstes Ergebnis. Lohr kam auf 38,6 Prozent, während Senger mit sieben Prozent und Kesler mit 1,4 Prozent deutlich zurückblieben. Für den AfD-Kandidaten war Hochheim zugleich der schwächste Stadtteil.

Bemerkenswert ist Hochheim auch aus einem anderen Grund: Mit 65,1 Prozent wurde dort die höchste Wahlbeteiligung im gesamten Stadtgebiet erreicht. Dahinter folgen Leiselheim mit 63,7 Prozent und Wiesoppenheim mit 61,8 Prozent. Gerade diese Zahlen stehen in deutlichem Kontrast zu anderen Teilen der Stadt, in denen nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Wahlberechtigten seine Stimme abgab.

Das stärkste Stadtteilergebnis für Frank Senger verzeichnete die AfD in Neuhausen. Dort erreichte Senger 21 Prozent. Horst lag mit 41,3 Prozent vorne, Lohr kam auf 35,3 Prozent und Kesler auf 2,4 Prozent. Gleichzeitig war die Beteiligung in Neuhausen mit 36,7 Prozent die niedrigste unter den 13 Stadtteilen. Noch geringere Beteiligungswerte wurden lediglich in einzelnen Bereichen der Kernstadt registriert.

Das Abschneiden Sengers fällt auch vor dem Hintergrund zurückliegender Wahlen auf. Bei der Landtagswahl hatte die AfD in Worms noch rund ein Viertel der Stimmen erhalten. Bei der Oberbürgermeisterwahl blieb ihr Kandidat mit stadtweit 13,1 Prozent deutlich darunter. In keinem der Wormser Stadtteile gelang es Senger, Lohr oder Horst hinter sich zu lassen. Das Ergebnis zeigt damit auch, dass sich die Zustimmung zu einer Partei bei einer Landtagswahl nicht automatisch auf eine kommunale Persönlichkeitswahl übertragen lässt. Bekanntheit vor Ort, kommunalpolitische Erfahrung und die persönliche Verankerung in der Stadt dürften bei der Entscheidung über die Rathausspitze eine besondere Rolle gespielt haben.

Für Ali Kesler blieb der Wahlabend ebenfalls ohne Aussicht auf die zweite Runde. Sein bestes Ergebnis unter den Stadtteilen erreichte der FDP-Kandidat in Horchheim mit drei Prozent. Dort lag Lohr mit 50,3 Prozent vorne, gefolgt von Horst mit 35,6 Prozent und Senger mit 11,1 Prozent. Im Bereich Innenstadt Südwest kam Kesler auf 4,9 Prozent. Sein niedrigstes Stadtteilergebnis verzeichnete er in Ibersheim mit 1,2 Prozent.

Neben dem Ausgang der Wahl dürfte vor der Stichwahl insbesondere die Wahlbeteiligung in den Mittelpunkt rücken. Insgesamt machten lediglich 44,1 Prozent der 63.386 Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch – im Wahllokal oder per Briefwahl. Damit sank die Beteiligung gegenüber der Oberbürgermeisterwahl 2018 nochmals leicht. Damals waren es 45,6 Prozent. Bei der OB-Wahl 2011 hatten sich im ersten Wahlgang noch 54,93 Prozent beteiligt.

Die Unterschiede innerhalb des Stadtgebietes sind erheblich. Während in Hochheim, Leiselheim und Wiesoppenheim deutlich mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten, blieb die Beteiligung in vier der 13 Stadtteile unter der 50-Prozent-Marke. In Herrnsheim waren es 49,6 Prozent, in Rheindürkheim 48,5 Prozent, in Ibersheim 43,5 Prozent und in Neuhausen lediglich 36,7 Prozent.

Noch niedriger waren die Werte in Teilen der Kernstadt. Im Stadtzentrum beteiligten sich 26,6 Prozent, im Bereich Worms-Süd 28 Prozent und in Worms-Nord lediglich 24 Prozent der Wahlberechtigten. Gerade dort liegt für die Stichwahl ein erhebliches Wählerpotenzial, das im ersten Wahlgang nicht ausgeschöpft wurde.

Für Lohr und Horst beginnt damit eine neue Phase des Wahlkampfs. Nachdem vier Kandidaten um das Rathaus angetreten waren, reduziert sich die Entscheidung nun auf ein direktes Duell. Rechnerisch spielen dabei nicht nur die Stimmen der bisherigen Anhänger von Senger und Kesler eine Rolle. Entscheidend könnte vielmehr werden, welchem der beiden verbliebenen Kandidaten es gelingt, zusätzliche Menschen zur Stimmabgabe zu bewegen.

Die Ausgangslage verspricht Spannung: Lohr geht mit einem Vorsprung aus dem ersten Wahlgang hervor, Horst liegt jedoch nur wenige Prozentpunkte zurück. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Stadtteile, dass beide über eigene Hochburgen verfügen. Während Lohr in mehreren Stadtteilen bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erreichte, konnte Horst insbesondere in Hochheim deutlich punkten.

Am 27. September werden die Karten deshalb noch einmal neu gemischt. Dann entscheidet nicht mehr ein Viererfeld, sondern der direkte Vergleich zwischen Stephanie Lohr und Timo Horst. Für beide wird es darauf ankommen, die eigenen Wähler erneut zu mobilisieren, Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten zu gewinnen und vor allem jene Wormserinnen und Wormser zu erreichen, die am 13. September nicht gewählt haben. Erst dann steht fest, wer künftig an der Spitze der Stadt Worms stehen wird.

Text: VM/Redaktion Die Knipser