Osthofens Malzturm wächst in den Himmel: 60 Meter Rohbau geschafft – Fertigstellung für Ende 2027 geplant

Mitten in Osthofen nimmt eines der markantesten Bauprojekte der Region immer deutlicher Gestalt an. Der Malzturm hat inzwischen seine geplante Rohbauhöhe von rund 60 Metern erreicht. Nach Jahren intensiver Planung, einem anspruchsvollen Abriss und aufwendigen Bauarbeiten steht das Projekt damit vor einem wichtigen Meilenstein: Am Samstag 14.11.2026 soll das Richtfest mit geladenen Gästen gefeiert werden.
Hinter den Verantwortlichen liegen Jahre voller Herausforderungen. Nun richtet sich der Blick zunehmend auf den Innenausbau, die technische Ausstattung und die spätere Nutzung des 18-geschossigen Gebäudes. Die geplante Inbetriebnahme Ende 2027 bleibt nach Angaben der Projektverantwortlichen Jörg Deibert, Harry Käfer und Benjamin Platt weiterhin das Ziel.
Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Bereits die Planungsphase erforderte die Zusammenarbeit von zeitweise bis zu 13 Fachplanern sowie zahlreiche Abstimmungen mit Behörden und Sachverständigen. Besonders anspruchsvoll gestaltete sich anschließend der Abriss des früheren Bauwerks. Die dichte Bebauung im direkten Umfeld stellte hohe Anforderungen an die Sicherheit und verlangte den beteiligten Firmen einiges ab.
Auch für die Nachbarschaft bedeuteten die Arbeiten erhebliche Belastungen. Lärm, Staub und notwendige Sicherheitsmaßnahmen prägten über längere Zeit das unmittelbare Umfeld. Deibert betont im Interview gegenüber der Medienagentur Die Knipser, dass die Anwohner von Beginn an in die Abläufe eingebunden und über die anstehenden Schritte informiert worden seien. Wo erforderlich, habe man mit zusätzlichen Maßnahmen und finanziellen Ausgleichen reagiert.
Selbst der Artenschutz spielte bei dem außergewöhnlichen Bauvorhaben eine Rolle. Für einen Turmfalken wurde eine alternative Unterkunft geschaffen. Die Entwicklung werde weiterhin fachlich begleitet. Nach Abschluss der Arbeiten soll der Vogel wieder die Möglichkeit erhalten, an seinen bisherigen Standort zurückzukehren.
Auch der Neubau selbst verlangte besondere technische Lösungen. Die Fundamente reichen nach Angaben des Projektverantwortlichen bis zu vier Meter tief in den Boden. Darüber entstand Geschoss für Geschoss die Stahlbetonkonstruktion des Hochhauses. In besonders produktiven Bauphasen konnte die Mannschaft innerhalb eines Monats ein vollständiges Geschoss errichten. Das Gebäude ist nach Angaben der Verantwortlichen in Stahlbetonbauweise und unter Berücksichtigung der Anforderungen an die Erdbebensicherheit ausgeführt worden.
Neben den baulichen Schwierigkeiten musste das Projekt auch wirtschaftliche Unsicherheiten bewältigen. Die Folgen der Corona-Pandemie, internationale Konflikte, steigende Kosten und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen hätten die Umsetzung immer wieder erschwert. Als wichtige und langjährige Finanzierungspartner nennt Deibert die Volksbank und die Rheinhessen Sparkasse.
Inzwischen ist der Rohbau weitgehend abgeschlossen. Während außen die endgültige Gestalt des Turms sichtbar wird, laufen im Inneren bereits zahlreiche Arbeiten parallel. Elektriker, Heizungs-, Sanitär- und Lüftungsfachleute sind ebenso beschäftigt wie Aufzugsbauer und Spezialisten für den Brandschutz. Dazu gehören auch technische Anlagen zur Druckbelüftung.
Gleichzeitig werden die Fenster und die Türen zu den beiden Panorama-Dachterrassen geschossweise eingebaut. Erste Musterwohnungen sind bereits weitgehend eingerichtet. Interessenten konnten sich nach Angaben der Projektverantwortlichen bei Besichtigungen schon einen Eindruck von den künftigen Wohnräumen verschaffen. Auch die Vermarktung der Wohnungen läuft bereits.
Mit zunehmender Höhe eröffnet der Turm weite Ausblicke über Osthofen und die rheinhessische Landschaft. Gerade diese Perspektive soll zu den besonderen Merkmalen des Wohnprojekts gehören. Die beiden Panorama-Dachterrassen unterstreichen den Anspruch, nicht nur neuen Wohnraum zu schaffen, sondern ein außergewöhnliches Wohnerlebnis mitten in der Stadt zu ermöglichen.
Der weitere Bauablauf ist bereits vorgesehen. Ende Dezember soll voraussichtlich der rund 75 Meter hohe Baukran abgebaut werden. Für Februar oder März 2027 ist geplant, die Antennentechnik neu zu ordnen. Ein kompakter, quadratisch gestalteter Antennenträger soll die bestehende Anlage ergänzen und die beiden provisorischen Sondermasten ersetzen.
Der Malzturm ist dabei weit mehr als ein einzelnes Hochhausprojekt. Er bildet nach Darstellung der Verantwortlichen einen zentralen Baustein der langjährigen Entwicklung der Osthofener Innenstadt. In den vergangenen Jahren entstanden im Zuge der Neugestaltung bereits mehr als 100 Wohnungen. Hinzu kamen Veränderungen im Straßenraum, der Marktplatz, das Umfeld des Alten Rathauses, die Bäckerei Görtz und das Ärztehaus am Bahnhof.
Und die Planungen reichen bereits über den Malzturm hinaus. Ab März 2027 sollen nach derzeitiger Planung weitere Vorhaben folgen. Vorgesehen sind unter anderem eine Tiefgarage am Malzturm, betreutes Wohnen sowie ein eigenes Quartiersparkhaus. Ein Platz mit Bäumen und einem Kinderspielplatz soll das neue Stadtquartier ergänzen und die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessern.
Mit dem Richtfest im November soll zunächst der Abschluss einer besonders aufwendigen Bauphase gewürdigt werden. Erwartet werden unter anderem der Bundestagsabgeordnete Jan Metzler, Kathrin Anklam-Trapp, Thomas Goller, Walter Wagner und Landrat Heiko Sippel. Auch frühere Bürgermeister sowie Vertreter der beteiligten Banken und zahlreiche Projektbegleiter stehen auf der Einladungsliste.
Bis zur geplanten Inbetriebnahme bleibt allerdings noch viel zu tun. Vor allem die technischen Anlagen, der Innenausbau und die abschließenden Arbeiten werden die kommenden Monate bestimmen. Ob der vorgesehene Termin Ende 2027 eingehalten werden kann, hängt auch vom weiteren Baufortschritt und den Witterungsbedingungen ab.
Fest steht bereits jetzt: Mit dem 60 Meter hohen Malzturm verändert sich die Silhouette Osthofens nachhaltig. Nach einer langen und schwierigen Bauphase rückt die Fertigstellung des außergewöhnlichen Wohnprojekts nun ein großes Stück näher.
Die Bedeutung des Bauvorhabens reicht dabei weit über die 33 geplanten Wohnungen hinaus. Der ehemalige Malzturm der Mälzerei Schill, der in den 1960er-Jahren errichtet wurde, gehört seit Jahrzehnten zu den auffälligsten Gebäuden Osthofens. Einst diente er der Lagerung von Malz. In den 1970er-Jahren gab es in der obersten Etage sogar ein Café mit weitem Ausblick über die Region. Nun soll aus dem früheren Industriebau ein modernes Wohnhochhaus werden.
Das Konzept sieht Wohnungen mit ein bis drei Zimmern und Wohnflächen zwischen 78 und 126 Quadratmetern vor. Auch die Energieeffizienz spielt eine wichtige Rolle: Laut Projektbeschreibung wird der Effizienzhausstandard 40 EE angestrebt. Damit soll der Umbau des markanten Bauwerks auch unter energetischen Gesichtspunkten zukunftsfähig gestaltet werden.
Wie groß das öffentliche Interesse an dem Vorhaben ist, zeigte sich bereits Anfang 2024. Damals besuchten nach Angaben der Stadt rund 140 Menschen eine Informationsveranstaltung zum Umbau des Schillturms. Die Verantwortlichen erläuterten die Planungen und beantworteten Fragen aus der Bevölkerung. Zu den besonderen Herausforderungen gehörte von Beginn an auch die Sicherstellung des Mobil- und Richtfunks während der Bauarbeiten. Dafür wurden zeitweilige Ersatzmasten vorgesehen.
Mit dem nun erreichten Baufortschritt zeichnet sich ab, wie stark der neue Wohnturm künftig das Stadtbild prägen wird. Zugleich beginnt eine Phase, in der weniger die weithin sichtbaren Betonarbeiten als vielmehr die technische Ausstattung und der Ausbau der Wohnungen über den weiteren Zeitplan entscheiden.
Text: MM/Redaktion Die Knipser
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