Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz begeisterte beim Neujahrskonzert in Worms mit einer mutigen Uraufführung und klassischen Neujahrsklängen. Solistin Asya Fateyeva überzeugte mit virtuosem Saxofonspiel. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser

Mit einem ebenso mutigen wie glanzvollen Programm ist die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz am 28. Dezember 2025 in Worms musikalisch ins neue Jahr gestartet. Ein Neujahrskonzert soll Leichtigkeit, Zuversicht und musikalischen Glanz vermitteln – und genau das gelang dem Orchester eindrucksvoll. Statt sich ausschließlich auf Bewährtes zu verlassen, setzte die Staatsphilharmonie ein künstlerisches Ausrufezeichen und wagte mit der Uraufführung eines neu komponierten „Nussknacker“-Arrangements für Saxofon einen spannenden Blick nach vorn.
 
Im Zentrum des Abends stand das Werk „Nuts, Crackers and Borrowed Pieces for Saxophone and Orchestra“, 2025 komponiert von Wolf Kerschek. Das Arrangement nach Motiven aus Tschaikowskys „Der Nussknacker“ entstand eigens für die vielfach ausgezeichnete Saxofonistin Asya Fateyeva und die Staatsphilharmonie und entfaltete im Konzertsaal eine schillernde, mitreißende Klangwelt.
 
Den Auftakt bildete die „Suite Arlésienne“ von Georges Bizet aus dem Jahr 1872, in der das Saxofon bereits solistisch hervortritt. Unter der Leitung von Dirigent Vilmantas Kaliunas überzeugte das Orchester von Beginn an mit klarer Struktur, präziser Motivik und fein austarierter Dynamik. Kaliunas, selbst ehemaliger Solo-Oboist, versteht es, musikalische Energie spürbar zu machen – was das Publikum mit spontanem Zwischenapplaus honorierte.
 
Diese Energie trug das Orchester auch in Kerscheks Neuschöpfung. Asya Fateyeva wechselte souverän zwischen Sopran- und Altsaxofon und entlockte beiden Instrumenten eine beeindruckende klangliche Vielfalt. Mit warmer, inniger Tongebung und technischer Brillanz stand sie im Zentrum eines Werks, das jazzige Elemente, musikalische Zitate und klassische Motive raffiniert miteinander verbindet. Die Zugabe „Devils Rag“ wurde mit teuflischem Temperament und sichtbarer Spielfreude von Solistin und Orchester gefeiert.
 
Traditionell wurde das Konzert moderiert, in diesem Jahr von Mitgliedern der Staatsphilharmonie, ergänzt durch den Dirigenten. In der Pause betonte Fateyeva, wie sehr ihr das Musizieren mit einem sinfonischen Orchester am Herzen liege und dass sie das Saxofon wieder stärker in der klassischen Musik verankern wolle.
 
Der zweite Teil des Abends setzte ganz auf beschwingte Neujahrsklänge. Mit der Ouvertüre zu „Ruslan und Ljudmila“ von Michail Glinka, dem „Tanz der Stunden“ von Amilcare Ponchielli, dem „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß, der „Favorit-Polka“ von Joseph Lanner sowie dem Walzer aus Tschaikowskys „Schwanensee“ unterhielt die Staatsphilharmonie das Publikum bestens.
 
Bei langanhaltendem Stehbeifall bedankte sich das Orchester mit einer temperamentvollen Polka-Samba-Kombination und dem euphorisch mitgeklatschten Radetzky-Marsch.
 
Text: VM/Redaktion Die Knipser