Argula von Grumbach: Eine Frau, die sich in die Reformation einmischte

Frauen hatten es in der Reformationszeit schwer, sich öffentlich zu Wort zu melden. Dennoch gab es Frauen, die sich aktiv an den religiösen und politischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts beteiligten. Eine von ihnen war Argula von Grumbach (1490–1554). Ihr widmet die Reihe „Worms Stück für Stück“ im Rahmen der Sonderausstellung „Made in Worms. William Tyndale‘s New Testament 1526“ derzeit besondere Aufmerksamkeit.
Mit zehn Jahren eine deutsche Bibel
Argula von Grumbach gilt als erste Frau, deren reformatorische Schriften gedruckt und verbreitet wurden. Bereits im Alter von zehn Jahren erhielt sie von ihrem Vater eine deutschsprachige Bibel. Obwohl das Studium der Bibel in deutscher Sprache von der katholischen Kirche nicht erlaubt war, setzte sie sich intensiv mit den Texten auseinander. Beim Vergleich mit den Schriften Martin Luthers fand sie nach eigener Überzeugung Belege für dessen reformatorische Positionen.
1523 griff sie selbst öffentlich in die Auseinandersetzungen ein. Anlass war die Inhaftierung des evangelischen Magisters Arsacius Seehofer an der Universität Ingolstadt. Seehofer war zum Widerruf seiner reformatorischen Ansichten gezwungen worden. Argula von Grumbach schrieb daraufhin an die Professoren der Universität und an den bayerischen Herzog, um sich für den jungen Gelehrten einzusetzen.
Eine Antwort erhielt sie nicht. Ihre Schreiben wurden jedoch als Flugblätter verbreitet. Ihr Engagement hatte auch persönliche Konsequenzen: Ihr Ehemann verlor aufgrund ihres öffentlichen Aufbegehrens seinen Dienst beim Herzog. Argula von Grumbach ließ sich davon dennoch nicht davon abbringen, ihre Meinung weiterhin zu vertreten.
Frauen der Reformationszeit im Mittelpunkt
Dass Frauen wie Argula von Grumbach heute überhaupt greifbar sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Im 16. Jahrhundert waren Frauen in öffentlichen Debatten weitgehend unerwünscht. Zudem waren sie aufgrund ihrer Erziehung und Bildung häufig von theologischen und politischen Diskussionen ausgeschlossen. Auch die Geschichtsschreibung bewertete ihre Beiträge lange als weniger bedeutend und überlieferte sie entsprechend selten.
Dass Frauen dennoch Einfluss nahmen, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 1524. Damals zogen Frauen, teilweise bewaffnet, zum Rathaus im baden-württembergischen Waldshut. Sie wollten den Prediger Balthasar Hubmaier (1485–1528) verteidigen, der dem Protestantismus zugeneigt war.
Flugblatt erinnert an engagierte Frauen
Für einen Monat ist nun im Rahmen von „Worms Stück für Stück“ eine Abbildung eines Flugblatts zu Argula von Grumbach zu sehen. Ergänzt wird sie durch Darstellungen der weiblichen Personifikationen von Grammatik, Rhetorik und Dialektik, die der Künstler Peter Flötner (gestorben 1546) im frühen 16. Jahrhundert entwarf.
Die Exponate stehen sinnbildlich für die Möglichkeiten von Frauen, sich an Diskussionen zu beteiligen – ob mündlich oder schriftlich. Argula von Grumbach ist dabei ein besonders frühes Beispiel für eine Frau, die sich nicht mit einer Zuschauerrolle zufriedengab, sondern selbstbewusst in die Debatten der Reformationszeit eingriff.
Text: LC/ Redaktion Die Knipser · Quelle: Museum Andreasstift
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