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„Giganten im Garten“: Neue Sonderausstellung im Museum Alzey zeigt die Begeisterung für die Antike

„Giganten im Garten“: Neue Sonderausstellung im Museum Alzey zeigt die Begeisterung für die Antike
Rund 600 Exponate zeigen in der neuen Sonderausstellung „Giganten im Garten“ im Museum Alzey, wie sich die Menschen zwischen 1900 und 1914 mit der Antike beschäftigten. Die Ausstellung ist bis Ende Dezember 2026 zu sehen. Foto: Stadtverwaltung Alzey

Wie beschäftigten sich die Menschen in Alzey vor mehr als 100 Jahren mit der Antike? Dieser Frage widmet sich die neue Sonderausstellung „Giganten im Garten – Alzeyer entdecken ihre Antike (1900–1914)“ im Museum Alzey. Rund 600 Exponate geben Einblicke in eine Zeit, in der archäologische Entdeckungen, private Sammlungen und die Begeisterung für die Geschichte das gesellschaftliche Leben der Stadt prägten.

Rund 80 Gäste nahmen an der Eröffnung der Ausstellung teil. Auf etwa 130 Quadratmetern präsentiert das Museumsteam um Museumsleiter Prof. Dr. Tim Kerig zahlreiche Fundstücke, historische Planzeichnungen, vollständige Privatsammlungen und Alltagsgegenstände aus der Zeit zwischen 1900 und 1914. Einige der Objekte werden erstmals öffentlich gezeigt.

Wenn die Antike zum Teil des Alltags wurde

Um die Jahrhundertwende beschäftigten sich zahlreiche Alzeyer Bürger intensiv mit der Geschichte ihrer Stadt. Archäologische Ausgrabungen, das Sammeln antiker Gegenstände und die Auseinandersetzung mit historischen Vorbildern waren nicht nur wissenschaftliche Tätigkeiten, sondern auch Ausdruck persönlicher Interessen und gesellschaftlichen Ansehens.

Die Ausstellung zeigt, wie stark die Antike damals den Alltag beeinflusste. Historische Motive fanden sich beispielsweise auf Möbeln, an Gebäuden und in Schulen wieder. Gleichzeitig entstanden private Sammlungen, die heute wichtige Einblicke in die damalige Begeisterung für die Vergangenheit ermöglichen.

Bürgermeister Steffen Jung betonte bei der Eröffnung die besondere Bedeutung des Museums als Ort der Geschichte. „Man steht hier nicht vor einem Bildschirm, sondern vor echten Objekten, echter Historie und einer Geschichte, die mit diesem Ort und unserer Stadt verbunden ist.“

Bekannte Altertumsforscher und vergessene Perspektiven

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Menschen, die sich damals mit der Erforschung der Alzeyer Geschichte beschäftigten.

Zu ihnen gehört Jean Braun, der maßgeblich an der Gründung des Altertumsvereins sowie an Sammlungen und Ausgrabungen beteiligt war. Auch Jakob Curschmann spielte eine wichtige Rolle. Er dokumentierte 1905 eine römische Villa bei Dautenheim so detailliert, dass im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz ein dreidimensionales Gipsmodell entstand.

Ein weiterer bedeutender Name ist Wilhelm Unverzagt. Er sammelte in Alzey erste Erfahrungen bei archäologischen Ausgrabungen und beschäftigte sich später im Rahmen seiner Doktorarbeit mit der spätantiken Keramik des Alzeyer Kastells.

Museumsleiter Tim Kerig möchte mit der Ausstellung jedoch nicht ausschließlich die bekannten Persönlichkeiten der damaligen Forschung würdigen. Auch die Perspektiven weniger beachteter Bevölkerungsgruppen sollen sichtbar werden.

Dazu gehören beispielsweise Bahnarbeiter, Winzerinnen und Hausmädchen, deren Erfahrungen in historischen Aufzeichnungen häufig kaum dokumentiert sind. Die Ausstellung beschäftigt sich deshalb auch mit der Frage, wie diese Menschen die damalige Begeisterung für die Antike wahrgenommen haben könnten.

Altertumsverein prägt die Stadtgeschichte

Eng mit der Entwicklung des Museums verbunden ist der Altertumsverein für Alzey und Umgebung. Der Verein wurde 1906 gegründet und beeinflusste über Jahrzehnte das kulturelle Leben der Stadt.

Steffen Unger, Verbandsbürgermeister und Vorsitzender des Altertumsvereins, erinnerte bei der Eröffnung an diese gemeinsame Geschichte. Im Jahr 1983 übergab der Verein das Museum an die Stadt Alzey. Die Zusammenarbeit besteht bis heute fort.

An der Vorbereitung der Sonderausstellung waren zahlreiche Einrichtungen und Privatpersonen beteiligt. Leihgaben stammen unter anderem vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt, der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts sowie von privaten Sammlern aus Alzey.

Auch ehrenamtliche Helfer unterstützten das Projekt. Nach Angaben von Museumsleiter Kerig investierten sie insgesamt mehrere Hundert Arbeitsstunden in die Vorbereitung.

Ausstellung bis Ende Dezember zu sehen

Die Sonderausstellung „Giganten im Garten – Alzeyer entdecken ihre Antike (1900–1914)“ ist zunächst bis Ende Dezember 2026 im Museum Alzey zu sehen.

Museumsleiter Kerig ermutigt Besucher dazu, sich auch mehrfach Zeit für die Ausstellung zu nehmen. „Immer wieder zehn Minuten ins Museum kommen und entdecken macht mehr Spaß als alle zehn Jahre drei Stunden“, erklärte er bei der Eröffnung.

Der Eintritt in das Museum ist kostenlos. Führungen für Schulklassen und Kindergruppen können per E-Mail an jutta.goettel-becker@alzey.de vereinbart werden.

Öffnungszeiten des Museums Alzey

Das Museum befindet sich in der Antoniterstraße 41 in Alzey und ist zu folgenden Zeiten geöffnet:

  • Montag bis Freitag: 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16.30 Uhr

  • Samstag, Sonntag und Feiertage: 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr

Text: LC/ Redaktion Die Knipser · Quelle: Stadtverwaltung Alzey