Große Hilfe für kleine Tiere: Cavia Care aus Saulheim als „Ehrenamt des Monats“ ausgezeichnet

Rund 150 Meerschweinchen in etwa 60 Pflegestellen und mehr als 100 Menschen, die sich für Tiere in Not engagieren: Der Verein Cavia Care – Notnager e.V. kümmert sich seit mehr als einem Jahrzehnt um Meerschweinchen, die abgegeben wurden, aus Tierschutzfällen stammen oder besondere Hilfe benötigen. Für dieses Engagement hat Landrat Heiko Sippel den Verein nun als „Ehrenamt des Monats September“ ausgezeichnet.
Cavia Care wurde 2013 in Saulheim gegründet und hat dort bis heute seinen Vereinssitz. Ein klassisches Tierheim oder Vereinsheim gibt es nicht. Stattdessen arbeitet der Verein mit einem überregionalen Netzwerk von rund 60 Pflegestellen zusammen, in denen derzeit insgesamt etwa 150 Meerschweinchen betreut werden. Das Netzwerk reicht von Marburg über Mannheim und Köln bis nach Nürnberg.
Stellvertretend für die rund 114 Engagierten wurden die Vereinsvorsitzende Vanessa Koch und Kai Lennerth von der Pflegestelle in Saulheim für ihren Einsatz gewürdigt.
Besondere Hilfe für schwer vermittelbare Tiere
Der Name Cavia Care bedeutet übersetzt „Meerschweinchenfürsorge“ – und genau darauf hat sich der Verein spezialisiert. Die Ehrenamtlichen nehmen Tiere aus privaten Abgaben, Tierschutzfällen und akuten Notlagen auf, versorgen sie und suchen anschließend nach geeigneten neuen Unterkünften.
Besonders kümmern sie sich um Meerschweinchen, die aufgrund ihres Alters, einer Erkrankung oder bestimmter Qualzuchtmerkmale nur schwer oder gar nicht vermittelt werden können. Sie erhalten in den Pflegestellen die notwendige Betreuung und medizinische Versorgung.
„Für uns ist jedes Meerschweinchen ein Lebewesen, das ein artgerechtes und möglichst gutes Leben verdient. Gerade die Tiere, bei denen andere vielleicht sagen würden, dass sich der Aufwand nicht mehr lohnt, liegen uns besonders am Herzen“, erklärt Vereinsvorsitzende Vanessa Koch.
Die Arbeit könne gerade bei kranken oder lange nicht vermittelbaren Tieren herausfordernd sein. Zu erleben, wie ein Tier sich entwickle und Vertrauen fasse, sei jedoch eine große Motivation.
Meerschweinchenhaltung wird häufig unterschätzt
Neben der Aufnahme und Vermittlung von Tieren berät der Verein auch Halter und Interessierte – überwiegend telefonisch oder per Video. Unterstützt werden die Ehrenamtlichen von einem Netzwerk aus Tierärzten.
„Viele Menschen unterschätzen, wie anspruchsvoll die Haltung von Meerschweinchen ist. Sie sind sehr soziale und intelligente Tiere und haben ganz eigene Bedürfnisse“, berichtet Kai Lennerth von der Pflegestelle Saulheim, in der aktuell fünf Tiere untergebracht sind.
Wie unterschiedlich die Charaktere der Tiere sein können, erlebt Lennerth im Alltag immer wieder: „Unsere Tiere erkennen schon am Autogeräusch, wer sich dem Haus nähert und drücken das mit unterschiedlichen Lauten aus. Solche kleinen Beobachtungen zeigen immer wieder, wie viel Persönlichkeit in den Tieren steckt.“
Mehr als 90 Prozent der Arbeit durch Spenden finanziert
Die Vereinsarbeit wird zu mehr als 90 Prozent durch Spenden finanziert. Weitere Einnahmen stammen aus Mitgliedsbeiträgen und Vermittlungsgebühren. Hinzu kommen geringe staatliche Hilfen.
„Ohne unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die Pflegestellen und die Menschen, die uns finanziell unterstützen, wäre unsere Arbeit nicht möglich“, betont Vanessa Koch.
Landrat Heiko Sippel würdigte bei der Auszeichnung insbesondere den Einsatz der zahlreichen Ehrenamtlichen. „Wir wollen mit der Auszeichnung in diesem Monat das Tierwohl stärker in den Blick nehmen. Bei Cavia Care engagieren sich Menschen mit Herz für Tiere, die es im Leben nicht immer leicht hatten. Sie schenken ihnen Zeit, Fürsorge und eine zweite Chance.“
Als Zeichen der Anerkennung überreichte der Landrat eine Urkunde, Anstecknadeln sowie eine Spende.
Auch Saulheims Ortsbürgermeister Christoph Fölix gratulierte den Ehrenamtlichen. „Diese Ehrung zeigt einmal mehr, wie viele kleinere Vereine mit großem Engagement und viel Herzblut arbeiten, meist ohne große öffentliche Aufmerksamkeit.“ Saulheim könne stolz darauf sein, einen solchen Verein in der Ortsgemeinde zu haben.
Text: LC/Redaktion Die Knipser · Quelle: Kreisverwaltung Alzey-Worms
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