Lokales

Musik und Besinnung zum Reformationstag in der Wormser Dreifaltigkeitskirche

Musik und Besinnung zum Reformationstag in der Wormser Dreifaltigkeitskirche
Musikalische Andacht zum Reformationstag in der Wormser Dreifaltigkeitskirche mit Dr. Ulrich Oelschläger (stehend) sowie Christian und Katharina Schmitt. Foto: Lea Merk

Mit einer besonderen Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Musik zur Marktzeit“ wurde am Samstag, 31. Oktober 2026, in der Wormser Dreifaltigkeitskirche der Reformationstag begangen. Katharina und Christian Schmitt gestalteten die musikalische Andacht, während Dr. Ulrich Oelschläger, ehemaliger Präses der Landessynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), mit einer Ansprache die historische und religiöse Bedeutung des Reformationstags beleuchtete.

Die Veranstaltung begann um 12.05 Uhr unmittelbar nach dem Mittagsläuten. Im Mittelpunkt stand Martin Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“, der in verschiedenen musikalischen Bearbeitungen zu hören war. Zwischen den Musikstücken setzte sich Oelschläger mit der Entstehung, der Geschichte und der heutigen Bedeutung des Kirchenliedes auseinander.

Lutherchoral zwischen Tradition und Glaubensgewissheit

In seiner Ansprache ging Oelschläger der Frage nach, ob der Choral tatsächlich als protestantisches Kampflied verstanden werden müsse. Bereits der Dichter Heinrich Heine hatte das Lied als „Marseillaise des Protestantismus“ bezeichnet.

Auch in Worms ist der Choral eng mit der Reformationsgeschichte verbunden. Über Generationen hinweg wurde er von Konfirmandinnen und Konfirmanden am Lutherdenkmal gesungen.

Anhand einer persönlichen Kindheitserinnerung aus Westfalen verdeutlichte Oelschläger, welche Bedeutung das Lied früher für die evangelische Identität hatte. In seinem Heimatdorf zogen Kinder am Martinstag singend von Haus zu Haus. Beim evangelischen Pfarrer wurde statt eines Martinsliedes der Lutherchoral angestimmt. Wer mehrere Strophen auswendig beherrschte, erhielt zusätzliche Süßigkeiten.

Vertrauen auf Gott statt konfessioneller Abgrenzung

Oelschläger erläuterte zudem den historischen Hintergrund des Liedes. Martin Luther verfasste den Choral vermutlich Ende der 1520er Jahre, als religiöse und gesellschaftliche Auseinandersetzungen das Leben prägten. Als wichtige Grundlage gilt der 46. Psalm, der Gott als Zuversicht und Stärke beschreibt.

Trotz seiner kämpferischen Sprache sei das Lied nach Oelschlägers Darstellung nicht als Aufruf gegen andere Konfessionen zu verstehen. Vielmehr stehe das Vertrauen auf Gott im Mittelpunkt. Dadurch könne der Choral auch über konfessionelle Grenzen hinweg eine verbindende Bedeutung entfalten.

Die musikalischen Beiträge von Katharina und Christian Schmitt griffen diese Gedanken auf und begleiteten die Ausführungen mit unterschiedlichen Bearbeitungen des Lutherchorals.

Mit der Lesung des 46. Psalms beendete Oelschläger seinen geistlichen Impuls. Die Veranstaltung verband damit Musik, Reformationsgeschichte und religiöse Besinnung.

Text: LC/Redaktion Die Knipser · Quelle: Evangelisches Dekanat Worms‐Wonnegau