Vom alten Schlachthof zum neuen Erlebnisquartier – Werk1912 soll Worms verändern

Ein historisches Industriegebäude am Rheinufer steht vor einem neuen Kapitel. Wo früher der Wormser Schlachthof betrieben wurde, soll künftig ein lebendiger Treffpunkt für Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen und Geschäftsleben entstehen. Mit dem „Werk1912“ und dem neu benannten „Rheinquartier Worms“ haben Unternehmer Frank Schmidt und Geschäftsführer Thomas Ewert ihre Pläne für die Zukunft des weitläufigen Areals vorgestellt. Die Bauarbeiten sollen bis Februar 2027 weitgehend abgeschlossen sein. Für den Frühsommer 2027 ist die Eröffnung der Markthalle geplant.
Hinter dem Vorhaben steht die Idee, einen Ort zu schaffen, der weit mehr bietet als ein gewöhnliches Restaurant oder eine Veranstaltungshalle. Menschen sollen hier zusammenkommen, gemeinsam essen, feiern, arbeiten oder einfach ihre Freizeit verbringen können. Gleichzeitig soll das Projekt dazu beitragen, das Wormser Rheinufer stärker mit dem städtischen Leben zu verbinden.
Mit der Neuausrichtung erhält das Gelände auch eine klare Identität. Während das gesamte Areal künftig unter dem Namen „Rheinquartier Worms“ entwickelt wird, trägt der historische Gebäudekomplex die Bezeichnung „Werk1912“. Damit verabschieden sich die Verantwortlichen vom bisherigen Projektnamen „Matadero“.
Die Jahreszahl erinnert an die Entstehung des ehemaligen Schlachthofs im Jahr 1912. Der Begriff „Werk“ soll dagegen die zukünftige Nutzung widerspiegeln: einen Ort, an dem Menschen arbeiten, Ideen entwickeln, kreativ werden und gemeinsam etwas erleben. Die besondere Atmosphäre des denkmalgeschützten Industriegebäudes soll dabei erhalten bleiben.
Für Frank Schmidt ist das Projekt inzwischen zu einer persönlichen und unternehmerischen Aufgabe geworden. Bereits seit 2022 war der Wormser Unternehmer als stiller Investor an der Entwicklung beteiligt. Ursprünglich hatte der Darmstädter Immobilienentwickler Marc Baumüller das Areal im Jahr 2020 entdeckt und damit begonnen, den ehemaligen Industriestandort aus seinem jahrelangen Dornröschenschlaf zu holen.
Nachdem sich die Entwicklung über mehrere Jahre hingezogen hatte und die Planungen wiederholt angepasst werden mussten, entschied sich Schmidt gemeinsam mit seiner Familie, die Verantwortung vollständig zu übernehmen. Seit Juni wird das Vorhaben in eigener Regie vorangetrieben. Thomas Ewert, der auch als Prokurist bei Schmidts Logistikunternehmen TST tätig ist, übernahm die Geschäftsführung.
Mit der Übernahme wurde das Projekt in die Event- und Erlebnissparte der Unternehmerfamilie eingebunden. Ziel ist es nun, die begonnenen Arbeiten abzuschließen und den Standort dauerhaft wirtschaftlich und gesellschaftlich zu beleben.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Gastronomie. In der historischen Markthalle entsteht ein Restaurant mit gehobenem Anspruch, das hochwertige Speisen zu fairen Preisen anbieten soll. Die Einrichtung ist im Stil der 1920er-Jahre vorgesehen und soll mit einer großzügigen Bar eine besondere Atmosphäre schaffen.
Nach den vorgestellten Plänen steht ein Gastronom für den Betrieb bereits fest. Geplant sind wechselnde Menüs, die regelmäßig neue kulinarische Angebote ermöglichen sollen. Das Restaurant richtet sich dabei nicht ausschließlich an Gäste besonderer Veranstaltungen. Auch Geschäftsleute, die mit Kunden zu Mittag essen möchten, sollen hier künftig ein entsprechendes Angebot finden.
Ergänzt wird die Gastronomie durch einen Kiosk, an dem unter anderem Fischbrötchen angeboten werden sollen. Auf der Rheinseite ist darüber hinaus ein eigenständiges Café-, Bistro- und Barkonzept vorgesehen. Ein Biergarten soll zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien schaffen.
Damit wollen die Verantwortlichen unterschiedliche Zielgruppen erreichen. Neben den Wormserinnen und Wormsern sollen auch Touristen, junge Menschen und Besucher aus der Umgebung angesprochen werden. Besonders wichtig ist den Projektentwicklern, dass der Standort nicht nur zu einzelnen Großveranstaltungen besucht wird, sondern sich zu einem festen Bestandteil des städtischen Alltags entwickelt.
Neben Restaurant und Bar bildet der Veranstaltungsbereich einen weiteren Schwerpunkt. Insgesamt stehen im Werk1912 sechs unterschiedliche Tagungsräume zur Verfügung. Diese sollen sowohl für kleinere Besprechungen als auch für größere geschäftliche und private Veranstaltungen genutzt werden können.
Je nach Raumkonzept sind Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen vorgesehen. In der Markthalle und den größeren Eventbereichen sollen sogar Veranstaltungen mit insgesamt bis zu 1.700 Gästen möglich sein.
Damit eröffnet sich für Worms eine zusätzliche Perspektive als Tagungs- und Veranstaltungsstandort. Unternehmen könnten hier künftig Konferenzen, Präsentationen oder Firmenfeiern ausrichten, während private Veranstalter passende Räumlichkeiten für besondere Anlässe finden sollen.
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist der sogenannte Raum 1912. Dort soll eine zusätzliche Bar mit Showküche entstehen, die insbesondere für exklusive gastronomische Veranstaltungen und Fine-Dining-Angebote genutzt werden kann.
Die Vermarktung der Veranstaltungsräume übernimmt Schmidts Tochter Marie Schmidt. Die ausgebildete Marketingmanagerin ist bereits für das „Eindruckwerk“, eine Eventlocation in Monsheim, zuständig und bringt entsprechende Erfahrungen in das neue Wormser Projekt ein.
Neben Gastronomie und Veranstaltungen soll das Rheinquartier auch Raum für Handel und kreative Ideen bieten. Vorgesehen sind fünf bis sieben kleinere Ladenflächen, die von Künstlern, Kreativen und Unternehmern genutzt werden können.
Dabei sind sowohl dauerhafte Geschäfte als auch zeitlich begrenzte Pop-up-Konzepte denkbar. Die Verantwortlichen möchten bewusst unterschiedliche Angebote ermöglichen, damit Besucher bei ihren Aufenthalten immer wieder Neues entdecken können.
Interessierte Künstler, Unternehmen und Menschen mit eigenen Geschäftsideen sind deshalb eingeladen, sich mit passenden Konzepten an die Projektverantwortlichen zu wenden.
Auch ein Hotel gehört zu den Zukunftsplänen für das Rheinquartier. Es soll in unmittelbarer Nähe des Werk1912 entstehen und insbesondere Touristen sowie Gästen von Tagungen und Veranstaltungen Übernachtungsmöglichkeiten bieten.
Nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Ewert sind die Überlegungen für das Hotel bereits weit fortgeschritten. Allerdings wird dieses Vorhaben unabhängig von der geplanten Eröffnung des Werk1912 weiterentwickelt. Ein konkreter Eröffnungstermin für das Hotel wurde bislang nicht genannt.
Für Frank Schmidt ist die Entwicklung des ehemaligen Schlachthofs zugleich eine Investition in den Wirtschafts- und Tourismusstandort Worms. Das Projekt soll neue Besucher anziehen, zusätzliche Angebote schaffen und das Rheinufer langfristig aufwerten.
Dass ein solches Vorhaben nicht allein durch die Investoren erfolgreich werden kann, machten die Verantwortlichen bei der Vorstellung deutlich. Sie setzen auf die Unterstützung der Stadt, der örtlichen Unternehmen und vor allem der Bevölkerung. Das Werk1912 soll nicht nur zur Eröffnung großes Interesse wecken, sondern dauerhaft ein Ort werden, den die Menschen regelmäßig besuchen.
Auch aus der Kommunalpolitik gab es positive Reaktionen auf die vorgestellten Pläne. Die designierte Oberbürgermeisterin Stefanie Lohr sieht in der Entwicklung des Rheinquartiers eine große Chance für Worms. Das Projekt könne dazu beitragen, die Stadt für Einheimische und Besucher attraktiver zu machen und neue Erlebnismöglichkeiten zu schaffen.
Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst unterstrich ebenfalls die Bedeutung des Vorhabens. Bei der langfristigen Entwicklung des Rheinufers brauche Worms markante Anziehungspunkte, die Menschen in diesen Bereich der Stadt führen. Das historische Schlachthofgebäude könne dabei eine wichtige Rolle übernehmen.
Gleichzeitig bleibt die Geschichte des Areals ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Der ehemalige Schlachthof soll nicht einfach durch eine moderne Erlebniswelt ersetzt werden. Vielmehr möchten die Verantwortlichen den besonderen Charakter des Industriedenkmals bewahren und mit neuen Nutzungen verbinden.
Für die kommenden Monate ist nun ein enger Zeitplan vorgesehen. Bis Februar 2027 sollen die wesentlichen Bauarbeiten am Werk1912 abgeschlossen sein. Anschließend stehen die Vorbereitungen für den gastronomischen und veranstaltungsbezogenen Betrieb im Mittelpunkt.
Im Frühsommer 2027 soll die Markthalle schließlich ihre Türen öffnen. Zur Eröffnung ist nach den Vorstellungen von Frank Schmidt eine große Feier geplant, mit der das neue Kapitel des historischen Standorts eingeläutet werden soll.
Ob sich das Werk1912 langfristig als neuer Anziehungspunkt etabliert, wird sich nach der Eröffnung zeigen. Die Voraussetzungen dafür sollen mit einem breiten Angebot aus Gastronomie, Veranstaltungen, Tagungen und kreativen Geschäftsideen geschaffen werden.
Für Worms könnte das Projekt einen wichtigen Impuls bedeuten. Denn mit dem Rheinquartier entsteht die Möglichkeit, ein lange Zeit ungenutztes Industriedenkmal wieder in das öffentliche Leben einzubinden und gleichzeitig neue Perspektiven für die Entwicklung des Rheinufers zu eröffnen.
Text: VM/Redaktion Die Knipser
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Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser
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