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Rafael Seligmann erhält Gerty-Spies-Literaturpreis für sein Engagement gegen das Vergessen

Rafael Seligmann erhält Gerty-Spies-Literaturpreis für sein Engagement gegen das Vergessen
Der Schriftsteller und Publizist Rafael Seligmann wurde in Mainz mit dem Gerty-Spies-Literaturpreis 2026 ausgezeichnet. Die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz würdigt damit sein literarisches Engagement für jüdisches Leben und die Erinnerungskultur. Foto: LpB/Bernd Eßling

Der Schriftsteller, Publizist und Zeithistoriker Rafael Seligmann ist mit dem Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (LpB) ausgezeichnet worden. Bei einer Feierstunde am 21. Oktober 2026 im Festsaal der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei in Mainz nahm der Autor die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Gewürdigt wurde insbesondere sein literarisches und publizistisches Engagement für die Erinnerung an jüdisches Leben und die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Überreicht wurde der Preis von Bernhard Kukatzki, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. Er hob hervor, dass es Seligmann gelinge, persönliche Erfahrungen und historische Ereignisse miteinander zu verbinden. In seinen Werken beschäftige sich der Autor unter anderem mit der Verfolgung jüdischer Menschen während des Nationalsozialismus, der Emigration nach Israel und der Rückkehr jüdischer Familien nach Deutschland.

Literatur als Beitrag zur Erinnerungskultur

An der Preisverleihung nahm auch der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch teil. Er würdigte Seligmanns Einsatz für Menschlichkeit, gesellschaftliche Vielfalt und demokratische Werte.

Besonders seine autobiografisch geprägte Familientrilogie verdeutliche, wie persönliche Lebensgeschichten zur Erinnerung an historische Ereignisse beitragen können. Gleichzeitig zeigten seine Bücher, welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für den Kampf gegen Antisemitismus und Ausgrenzung habe.

Die Laudatio hielt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er kennt Seligmann seit vielen Jahrzehnten persönlich und würdigte dessen Fähigkeit, komplexe historische und gesellschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Mit seiner Sprache habe der Schriftsteller vielen Menschen neue Perspektiven eröffnet.

Seligmann selbst bezeichnete die Auszeichnung als Bestätigung und Verpflichtung, sich weiterhin für Menschenwürde und Kultur einzusetzen. Er betonte die Notwendigkeit, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten.

Ein Leben zwischen Israel und Deutschland

Rafael Seligmann wurde 1947 in Tel Aviv geboren. Seine Eltern waren vor dem nationalsozialistischen Regime geflohen und hatten sich in Israel kennengelernt. Im Jahr 1957 zog die Familie nach München.

Nach einer Ausbildung und dem Abitur studierte Seligmann Politikwissenschaft und Geschichte in München und Tel Aviv. 1982 promovierte er über die Sicherheitspolitik Israels.

Seit den späten 1970er-Jahren arbeitet er als Journalist und Publizist. Seine Beiträge erschienen unter anderem im Spiegel, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt, der taz und der Jüdischen Allgemeinen. Darüber hinaus war er als Hochschuldozent tätig und engagierte sich in verschiedenen journalistischen und gesellschaftlichen Projekten.

Zu seinen bekanntesten literarischen Werken gehören die Romane „Rubinsteins Versteigerung“, „Der Musterjude“ und „Der Milchmann“. Besondere Aufmerksamkeit erhielt seine Familientrilogie mit den Büchern „Lauf, Ludwig, lauf!“, „Hannah und Ludwig. Heimatlos in Tel Aviv“ und „Rafi, Judenbub“.

In seinem 2025 erschienenen Buch „Keine Schonzeit für Juden. Antwort eines Betroffenen“ setzt sich Seligmann mit seinen persönlichen Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland auseinander.

Literaturpreis erinnert an Holocaust-Überlebende Gerty Spies

Der Gerty-Spies-Literaturpreis wird seit 1996 vergeben und erinnert an die Schriftstellerin Gerty Spies, die 1897 in Trier geboren wurde. Sie überlebte die nationalsozialistische Verfolgung und die Haft im Konzentrationslager Theresienstadt. Mit ihren Gedichten und Erzählungen setzte sie sich zeitlebens gegen das Vergessen der NS-Verbrechen ein. Sie starb 1997 im Alter von 100 Jahren in München.

Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Navid Kermani, Ursula Krechel, Peter Härtling, Nora Krug und Friedrich Christian Delius.

Mit der Auszeichnung für Rafael Seligmann würdigt die Landeszentrale für politische Bildung einen Autor, der sich seit Jahrzehnten mit deutsch-jüdischer Geschichte, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung beschäftigt.

Text: LC/ Redaktion Die Knipser · Quelle: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz

Foto: LpB/Bernd Eßling