„trotzdem da!“: Ausstellung in Osthofen erzählt die Geschichten verbotener Beziehungen

Sie wurden lange verschwiegen und sind bis heute nur wenig erforscht: Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs aus Beziehungen zwischen Deutschen und ausländischen Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern hervorgingen. Die neue Ausstellung „trotzdem da!“ widmet sich ihren Lebensgeschichten und ist ab Donnerstag, 3. September 2026, in der Gedenkstätte KZ Osthofen zu sehen.
Zur Eröffnung laden die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und der Förderverein Gedenkstätte Osthofen e.V. am Donnerstag um 18 Uhr ein. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Die Ausstellung selbst bleibt anschließend bis zum 27. Oktober 2026 in der Gedenkstätte am Ziegelhüttenweg 38 zu sehen.
Ein lange verdrängtes Kapitel der NS-Zeit
Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs mussten rund 13 Millionen Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende im Deutschen Reich arbeiten. Kontakte zwischen ihnen und der deutschen Bevölkerung waren von den Nationalsozialisten unerwünscht und konnten als sogenannte „verbotene Beziehungen“ verfolgt und bestraft werden.
Wer freundschaftliche oder intime Beziehungen zu Deutschen unterhielt, musste mit erheblichen Konsequenzen rechnen. Die Strafen reichten von Gefängnis und Zwangsarbeit bis hin zur Einweisung in ein Konzentrationslager oder sogar zur Todesstrafe.
Trotz dieser Repressionen entstanden Beziehungen, aus denen Kinder hervorgingen. Ihre Lebensgeschichten wurden nach dem Krieg vielfach verschwiegen oder tabuisiert. Bis heute sind die Schicksale dieser Menschen in der öffentlichen Erinnerung nur wenig präsent.
Die Kinder und ihre Geschichten im Mittelpunkt
Genau hier setzt die Ausstellung „trotzdem da!“ an. Sie erzählt die Geschichten von Kindern aus diesen verbotenen Beziehungen und porträtiert sie als heute erwachsene Menschen. Dabei macht die Ausstellung deutlich, welche persönlichen Folgen die nationalsozialistische Verfolgungspolitik für die Betroffenen und ihre Familien hatte.
Die deutsch- und englischsprachige Wanderausstellung ist eine Leihgabe der Stiftung Lager Sandbostel. Sie entstand im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht und wurde von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) sowie dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.
Mit den persönlichen Lebensgeschichten rückt die Ausstellung Menschen in den Mittelpunkt, deren Erfahrungen lange kaum Beachtung fanden. Sie erinnert damit nicht nur an ein wenig bekanntes Kapitel der NS-Verfolgung, sondern stellt zugleich die Frage, wie mit diesen Geschichten heute umgegangen wird.
Ausstellung bis Ende Oktober zu sehen
Die Ausstellung „trotzdem da!“ ist vom 3. September bis zum 27. Oktober 2026 in der Gedenkstätte KZ Osthofen zu sehen. Die Eröffnung beginnt am 3. September um 18 Uhr.
Für die Teilnahme an der Eröffnung wird um Anmeldung per E-Mail an info@ns-dokuzentrum-rlp.de oder telefonisch unter 06242-910810 gebeten. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.trotzdemda.de/die-ausstellung.
Text: LC/ Redaktion Die Knipser · Quelle: Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
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