Ältester Abdruck des Wormser Stadtsiegels aus dem Jahr 1226 entdeckt

Ein historischer Fund im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden wirft neues Licht auf die kommunale Geschichte von Worms: Auf einer Pergamenturkunde aus dem April 1226 befindet sich ein Abdruck des Wormser Stadtsiegels. Damit ist ein bislang unbekanntes, deutlich älteres Exemplar entdeckt worden. Es gilt nun als ältester erhaltener Abdruck des Wormser Stadtsiegels.
Das hohe Mittelalter gilt als große Blütezeit der Stadt Worms. Ihre politische und wirtschaftliche Bedeutung reichte weit über die Region hinaus. Gleichzeitig entwickelte sich bereits früh eine handlungsfähige Stadtgemeinde mit Strukturen, die als Vorläufer heutiger kommunaler Selbstverwaltung verstanden werden können.
Eine wichtige Rolle spielten dabei Stadtsiegel. Sie dienten im Mittelalter dazu, Urkunden und andere Rechtsdokumente zu beglaubigen und waren damit zugleich ein sichtbares Zeichen der rechtlichen Eigenständigkeit einer Stadt.
Fund stammt aus einer Urkunde von 1226
Das Wormser Stadtsiegel gehört zu den ältesten deutschen Stadtsiegeln und wird erstmals bereits im Jahr 1198 erwähnt. Bislang galt jedoch ein im Wormser Stadtarchiv verwahrter Siegelabdruck aus dem Jahr 1249 als ältester überlieferter Originalabdruck.
Recherchen des Stadtarchivs haben nun ein mindestens 23 Jahre älteres Stück ans Licht gebracht. Der Abdruck befindet sich auf einer im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden aufbewahrten Pergamenturkunde vom April 1226.
Die Urkunde dokumentiert ein Rechtsgeschäft, das der Wormser Rat gemeinsam mit weiteren Beteiligten beurkundete. Dabei werden bereits zwei Bürgermeister namentlich als Zeugen genannt. Das Dokument liefert damit nicht nur einen wichtigen Hinweis auf die Verwendung des Stadtsiegels, sondern auch auf die bereits im frühen 13. Jahrhundert bestehenden kommunalen Strukturen.
Petrus als Schutzpatron im Mittelpunkt
Auch die Gestaltung des Siegels erzählt von der Geschichte der Stadt. Bis um 1500 zeigte das Wormser Stadtsiegel in seiner Mitte den Apostel Petrus, den Schutzpatron des Wormser Doms. Zu beiden Seiten war eine profane Wehrarchitektur dargestellt.
Das Siegel war damit nicht nur ein rechtliches Beglaubigungszeichen. Es verband zugleich religiöse Symbolik mit der Darstellung der Stadt und ihrer Wehrhaftigkeit.
Fund wird im „Wormsgau“ vorgestellt
Der neu entdeckte Siegelabdruck soll im kommenden Band der wissenschaftlichen Zeitschrift „Der Wormsgau“ ausführlich vorgestellt und historisch eingeordnet werden. Der Beitrag von Dr. Gerold Bönnen soll im Herbst erscheinen.
Für die Wormser Stadtgeschichte ist der Fund von besonderer Bedeutung. Der Abdruck aus dem Jahr 1226 ist ein weiteres Zeugnis für die frühe Entwicklung der Wormser Stadtgemeinde – und unterstreicht die mehr als 800-jährige kommunale Tradition der Stadt.
Text: LC/ Redaktion Die Knipser · Quelle: Stadtverwaltung Worms
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