Politik

Ärztemangel, lange Wartelisten und finanzielle Sorgen: Wormser Ärzteschaft im Austausch mit der Politik

Ärztemangel, lange Wartelisten und finanzielle Sorgen: Wormser Ärzteschaft im Austausch mit der Politik
Vertreter der Wormser Ärzteschaft tauschten sich mit Landtagsabgeordnetem Dirk Beyer und Staatssekretärin Dr. Tamara Müller über die Herausforderungen der medizinischen Versorgung in Worms aus. Foto: Wahlkreisbüro MdL Dirk Beyer

Die medizinische Versorgung in Worms steht vor wachsenden Herausforderungen. Lange Wartelisten, steigender wirtschaftlicher Druck auf Arztpraxen und mögliche Auswirkungen gesundheitspolitischer Reformen waren zentrale Themen eines Gesprächs zwischen Vertretern der Wormser Ärzteschaft und der Landespolitik.

Der Landtagsabgeordnete Dirk Beyer besuchte gemeinsam mit Staatssekretärin Dr. Tamara Müller und einem Fachreferenten das Wormser Gesundheitsnetz (WoGe). Im Austausch mit Vorstandsmitgliedern und weiteren Vertretern der Ärzteschaft ging es insbesondere um die Auswirkungen des Beitragsstabilisierungsgesetzes sowie des geplanten Apothekenstärkungsgesetzes auf die ambulante Gesundheitsversorgung.

Längere Wartezeiten und steigender Druck auf Arztpraxen

Wie angespannt die Situation bereits ist, verdeutlichte Kardiologe Dr. Stephan Bernhardt. „Die Wartelisten werden immer länger“, berichtete er. Gleichzeitig wachse die Unzufriedenheit unter den Patienten. Die Praxen müssten eine steigende Nachfrage bewältigen, während Personal und finanzielle Mittel begrenzt seien.

Neben der hohen Arbeitsbelastung bereitet den Medizinern auch die wirtschaftliche Entwicklung Sorgen. Nach Einschätzung der Gesprächsteilnehmer geraten immer mehr niedergelassene Ärzte unter finanziellen Druck. Dies könne dazu führen, dass bestimmte Leistungen für gesetzlich Versicherte nicht mehr im bisherigen Umfang über die Krankenkassen abgerechnet werden könnten und Patienten stattdessen selbst für die Behandlung aufkommen müssten.

Besonders kritisch sieht Gastroenterologe Dr. Gregor Maiwald die möglichen sozialen Folgen. „Die Bedürftigen werden am meisten darunter leiden“, warnte er. Vor allem Menschen mit geringem Einkommen seien auf eine bezahlbare und allgemein zugängliche medizinische Versorgung angewiesen.

Kritik an geplanten gesetzlichen Änderungen

Auch das geplante Apothekenstärkungsgesetz wurde während des Treffens diskutiert. Die Vorstandsvorsitzende der WoGe, Allgemeinmedizinerin Dr. Barbara Matthes, äußerte deutliche Bedenken. Aus Sicht der Ärzteschaft müsse verhindert werden, dass neue gesetzliche Regelungen zusätzliche Belastungen für die ambulante Versorgung schaffen oder bestehende Strukturen schwächen.

Dirk Beyer betonte die Bedeutung des direkten Austauschs mit den Betroffenen. „Wir müssen die Sorgen und die Erfahrungen derjenigen, die täglich vor Ort für die medizinische Versorgung der Menschen verantwortlich sind, ernst nehmen“, erklärte der Landtagsabgeordnete. Politische Entscheidungen müssten sich stärker an den tatsächlichen Herausforderungen in den Praxen orientieren.

Runder Tisch und Digitalisierung als mögliche Lösungsansätze

Staatssekretärin Dr. Tamara Müller nahm die angesprochenen Probleme auf und kündigte an, den Dialog mit der Ärzteschaft zu intensivieren. Dazu soll unter anderem der bereits bestehende Runde Tisch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wiederbelebt werden. Ziel ist es, die verschiedenen Beteiligten zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen für die ambulante Versorgung zu entwickeln.

Darüber hinaus sollen mögliche Förderprogramme für die Digitalisierung geprüft werden. Digitale Anwendungen könnten Verwaltungsabläufe vereinfachen, Arztpraxen entlasten und langfristig zu einer effizienteren Patientenversorgung beitragen.

Wormser Gesundheitsnetz prüft eigenes Versorgungszentrum

Ein weiterer Gesprächspunkt war die Überlegung des Wormser Gesundheitsnetzes, künftig ein eigenes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu betreiben. Ein solches Zentrum könnte zusätzliche Versorgungsstrukturen schaffen und dazu beitragen, neue Ärztinnen und Ärzte für Worms zu gewinnen.

Beyer unterstrich abschließend, dass die Probleme im Gesundheitswesen nur durch gemeinsame Anstrengungen gelöst werden könnten. „Die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung lassen sich nicht allein aus Berlin oder Mainz heraus lösen. Wir müssen zuhören, was vor Ort gebraucht wird, und gemeinsam mit denjenigen, die täglich mit den Problemen konfrontiert sind, an Lösungen arbeiten.“

Der Austausch zwischen Politik und Ärzteschaft soll fortgesetzt werden. Im Mittelpunkt steht dabei das gemeinsame Ziel, eine langfristig verlässliche und für alle zugängliche medizinische Versorgung in Worms sicherzustellen.

Text: ML/ Redaktion die Knipser · Quelle: Wahlkreisbüro MdL Dirk Beyer