DRK-Präsident Hermann Gröhe besucht Alzey: Bevölkerungsschutz und soziale Arbeit im Fokus

Wie gut ist das Deutsche Rote Kreuz auf kommende Krisen und neue gesellschaftliche Herausforderungen vorbereitet? Mit dieser Frage beschäftigte sich der neue DRK-Präsident Hermann Gröhe bei seinem Besuch in Rheinland-Pfalz am 24. und 25. August 2026. Eine wichtige Station seiner Reise war Alzey. Dort standen neben der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe insbesondere das Bevölkerungsschutzzentrum und die Arbeit des DRK-Kreisverbandes im Mittelpunkt.
Gröhe, der seit November 2025 an der Spitze des Deutschen Roten Kreuzes steht, besucht derzeit verschiedene Landes- und Kreisverbände, um sich ein Bild von deren Arbeit und den Herausforderungen vor Ort zu machen. Begleitet wurde er in Rheinland-Pfalz unter anderem vom Präsidenten des DRK-Landesverbandes Rainer Kaul sowie weiteren Vertretern des Landesverbandes.
Vom Corona-Zentrum zum Bevölkerungsschutz
Besondere Aufmerksamkeit galt in Alzey dem Bevölkerungsschutzzentrum in der Albiger Straße. Die Geschichte des Gebäudes zeigt, wie schnell Hilfsorganisationen auf neue Krisensituationen reagieren müssen.
Bereits 2021 fertiggestellt, konnte die Einrichtung zunächst nicht wie ursprünglich vorgesehen genutzt werden. Während der Corona-Pandemie diente sie zunächst als Test- und später als Impfzentrum. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wurde das Gebäude zeitweise als Notunterkunft für Geflüchtete benötigt.
Erst anschließend konnte es dauerhaft seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Heute bildet das Zentrum einen wichtigen Baustein für den Zivil- und Katastrophenschutz sowie die Notfallversorgung in der Region.
Die vergangenen Jahre haben dabei gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen für Einsatz- und Hilfsorganisationen ausfallen können. Neben Pandemien und größeren Schadenslagen spielen zunehmend auch Extremwetterereignisse eine Rolle. Hochwasser, Hitzeperioden oder länger andauernde Ausfälle kritischer Infrastruktur stellen neue Anforderungen an die Vorbereitung von Einsatzkräften und Bevölkerung.
Vorbereitung beginnt lange vor einer Katastrophe
Ein leistungsfähiger Bevölkerungsschutz besteht deshalb nicht allein aus Fahrzeugen und technischer Ausstattung. Entscheidende Faktoren sind ebenso funktionierende Strukturen, ausreichend Personal, regelmäßige Ausbildung und eine langfristig gesicherte Finanzierung.
Gerade die Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Kräften bildet dabei eine wichtige Grundlage des Systems. Organisationen wie das DRK übernehmen nicht erst während einer Katastrophe Aufgaben. Ausbildung, Materialvorhaltung, Übungen und die Vorbereitung auf unterschiedliche Einsatzszenarien finden kontinuierlich statt.
Auch die Erste-Hilfe-Ausbildung innerhalb der Bevölkerung spielt dabei eine bedeutende Rolle. Bei medizinischen Notfällen oder größeren Schadensereignissen vergehen zwangsläufig Minuten, bis professionelle Rettungskräfte eintreffen. Menschen vor Ort können in dieser Zeit mit grundlegenden Kenntnissen bereits entscheidende Hilfe leisten.
„La Casita“ zeigt eine andere Seite der DRK-Arbeit
Dass das Deutsche Rote Kreuz weit mehr als Rettungsdienst und Katastrophenschutz umfasst, wurde bei einer weiteren Station in Alzey deutlich. Gröhe besuchte die Einrichtung „La Casita“, die zum Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe gehört.
Dort erhalten junge Mütter, Väter und Elternpaare mit kleinen Kindern ein geschütztes Wohn- und Betreuungsangebot. Fachkräfte begleiten Familien in schwierigen Lebenssituationen und unterstützen sie dabei, langfristig selbstständige Perspektiven zu entwickeln.
Der Besuch machte damit die große Bandbreite der Aufgaben sichtbar, die innerhalb eines DRK-Kreisverbandes zusammenkommen – von sozialen Hilfen über Rettungs- und Notfallversorgung bis zum Katastrophenschutz.
Weitere Station führte nach Worms
Während seines zweitägigen Aufenthalts informierte sich der DRK-Präsident auch über die Arbeit anderer Einrichtungen in Rheinland-Pfalz. Dazu gehörte das DRK-Berufsbildungswerk Worms. Dort werden junge Menschen unterstützt, die für eine erfolgreiche Berufsausbildung besondere Hilfen benötigen.
Eine weitere Station war der DRK-Kreisverband Mainz-Bingen, wo unter anderem Fragen rund um Hausnotruf und Notfallversorgung behandelt wurden.
Der Antrittsbesuch diente zugleich dazu, Erfahrungen der einzelnen Einrichtungen zusammenzuführen und den Blick auf die zukünftige Entwicklung des Roten Kreuzes zu richten. Dabei steht insbesondere die Frage im Raum, wie die Strukturen des Bevölkerungsschutzes angesichts neuer Krisenszenarien langfristig gestärkt werden können.
Für Alzey rückte der Besuch vor allem eine Einrichtung in den Mittelpunkt, deren Bedeutung im normalen Alltag häufig kaum sichtbar ist: Das Bevölkerungsschutzzentrum soll genau dann funktionieren, wenn außergewöhnliche Situationen schnelle und koordinierte Hilfe erforderlich machen.
Text: SPP/Redaktion Die Knipser · Quelle: Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.
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Fotos: Mirco Metzler/Die Knipser
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