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SPD Osthofen besucht Wasserwerk: Trinkwasserversorgung zwischen Tradition, Technik und Klimawandel

SPD Osthofen besucht Wasserwerk: Trinkwasserversorgung zwischen Tradition, Technik und Klimawandel
Foto: Ronald Schmitt/SPD Osthofen

Beim Betriebsbesuch im Wasserwerk Osthofen informierten sich Mitglieder der SPD Osthofen gemeinsam mit Landtagsabgeordnetem Joshua Schmitt über die Trinkwasserversorgung, moderne Technik und zukünftige Herausforderungen.

Eine Jugendstil-Villa an der B9, die auf den ersten Blick eher wie ein ehemaliger Herrschaftssitz wirkt, beherbergt in Wirklichkeit eine hochsensible Infrastruktur: das Wasserwerk Osthofen. Mitglieder der SPD Osthofen, darunter Vertreter der Stadtratsfraktion und des Ortsvereins sowie der neue Landtagsabgeordnete Joshua Schmitt, informierten sich bei einem Betriebsbesuch über die Aufgaben, Herausforderungen und Zukunft der Trinkwasserversorgung in der Region.

Bereits beim Zugang zum Gelände wurde deutlich, welche Bedeutung der Schutz der Anlage inzwischen hat. Über eine Schleuse erhielten die Besucher Zutritt, anschließend mussten sie sich in eine Anwesenheitsliste eintragen.

„Wenn morgen eine Katastrophe geschieht, muss ich nachweisen, wer sich wann und wie lange hier aufgehalten hat“, erklärte Werksleiter Christian Gukenbiehl die verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Die gestiegenen Anforderungen seien eine Folge der aktuellen weltpolitischen Lage und hätten mittlerweile auch Auswirkungen auf die kommunale Infrastruktur.

Wasserwerk versorgt 60.000 Menschen

Das Wasserwerk Osthofen übernimmt eine zentrale Rolle für die Region. Rund 60.000 Einwohner werden von dort mit Trinkwasser versorgt. Das Leitungsnetz umfasst mehr als 500 Kilometer und reicht über Teile von Worms sowie die Verbandsgemeinden Wonnegau, Eich, Monsheim und Alzey-Land.

Das historische Gebäude stammt aus dem Jahr 1906. Ursprünglich diente der Klinkerbau als Maschinenhalle und versorgte 15 umliegende Gemeinden mit rund 17.000 Einwohnern. Durch das Bevölkerungswachstum und die Erweiterung des Versorgungsgebiets wurden später zusätzliche Industriehallen errichtet. Heute befindet sich im Jugendstilgebäude die Verwaltung des Wasserwerks.

Moderne Technik für bessere Wasserqualität

Ein Schwerpunkt des Besuchs lag auf der modernen Trinkwasseraufbereitung. Abteilungsleiter Swen Wagner, verantwortlich für das rund 500 Kilometer lange Rohrleitungsnetz, stellte unter anderem die neue zentrale Enthärtungsanlage vor, die seit 2025 in Betrieb ist.

„Mit der Enthärtungsanlage konnten wir den Härtegrad des Wassers von Kategorie hart in mittel verschieben“, erklärte Wagner. Dadurch entstehen weniger Kalkablagerungen an Armaturen und Oberflächen. Zudem können Haushalte Energie und Waschmittel einsparen.

Die Anlage sei allerdings nicht aus Gründen der Trinkwasserqualität notwendig gewesen, betonte Wagner. Das Wasser habe bereits zuvor höchste Standards erfüllt. „Reiner Luxus! Aber der Kunde will Luxus und den bekommt er von uns auch“, ergänzte Werksleiter Gukenbiehl.

Vom Donnersberg bis zum Wasserhahn

Die besondere Qualität des Osthofener Trinkwassers beginnt bereits bei der Herkunft. Das Wasser stammt vom Donnersberg und ist dort über Jahrzehnte durch verschiedene Gesteinsschichten gefiltert worden. Rund 80 Jahre dauert der natürliche Weg des Wassers, bevor es schließlich in Osthofen ankommt.

Durch die natürlichen Bodenschichten ist das Grundwasser vor äußeren Einflüssen geschützt. In Osthofen wird das Wasser aus etwa 150 Metern Tiefe über sechs Brunnen gefördert und anschließend aufbereitet.

In der Enthärtungsanlage wird zunächst der pH-Wert angepasst. Anschließend werden Kalkkügelchen eingesetzt, an denen sich gelöster Kalk anlagert. Danach werden Eisen und Mangan in weiteren zwölf Filteranlagen entfernt, bevor das Wasser als hochwertiges Trinkwasser ins Netz eingespeist wird.

Auch beim Preis sieht sich das Wasserwerk gut aufgestellt: „1,85 Euro für den Kubikmeter liegt im unteren Preissegment“, sagte Gukenbiehl.

Klimawandel stellt Wasserversorgung vor neue Herausforderungen

Trotz der aktuell sicheren Versorgung blickt das Wasserwerk auf kommende Herausforderungen. Eine Versorgungslücke oder kurzfristige Preissteigerungen seien derzeit nicht zu erwarten, so Gukenbiehl. Eine geplante Photovoltaikanlage auf dem Gelände soll künftig rund 50 Prozent des Energiebedarfs decken.

Gleichzeitig verändern Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung die Anforderungen an die Wasserversorgung. Zwar sei der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf in den vergangenen Jahrzehnten auf etwa 120 Liter täglich gesunken, gleichzeitig sorgen längere Hitzeperioden und steigende Einwohnerzahlen für neue Herausforderungen.

Besonders kritisch sieht Gukenbiehl den hohen Wasserverbrauch durch private Schwimmbecken. „Wasser, das verdunstet, verschwindet aus unserer Region!“, warnte der Werksleiter und appellierte an die Bevölkerung, sorgsam mit der Ressource umzugehen.

Auch einfache Maßnahmen könnten helfen: Gießen sollte möglichst am frühen Morgen oder späten Abend erfolgen, um Verdunstungsverluste zu reduzieren.

Schwammstadt als Konzept für die Zukunft

Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war das Konzept der sogenannten Schwammstadt. Dabei geht es darum, Städte so zu gestalten, dass Regenwasser besser aufgenommen und gespeichert werden kann.

Weniger versiegelte Flächen, begrünte Dächer, Rückhalteflächen und eine bessere Speicherung von Wasser sollen dabei helfen, die Folgen von Starkregen und Hitzeperioden abzumildern.

Die SPD Osthofen möchte diese Ansätze künftig bei städtebaulichen Projekten berücksichtigen. Stadtrat Ronald Schmitt verwies unter anderem auf geplante Maßnahmen wie einen Trinkwasserbrunnen am neu gestalteten Albert-Fischer-Platz. Zudem sollen im Rahmen weiterer Renaturierungsmaßnahmen am Seebach in Osthofen-Mühlheim zusätzliche Pufferflächen entstehen, die bei Starkregenereignissen Schutz bieten können.

Der Betriebsbesuch machte deutlich: Die Trinkwasserversorgung ist längst mehr als nur eine technische Aufgabe. Sie ist eine zentrale Zukunftsaufgabe, bei der Infrastruktur, Klimaschutz und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen eng zusammenhängen.

Foto: Heinfried Strauch/SPD Osthofen

Text: LC · Quelle: SPD Osthofen

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Foto: Ronald Schmitt/SPD Osthofen